Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 207
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Zu der hochliegenden Cella C führt zunächst gleich links vom
äußeren Thore eine Treppe mit sehr zerstörten Stufen empor (Taf. V),
die aus allerlei Trümmern, roh zugehauenen Werk- und Architektur-
rosten (worunter ein Gebälkstück mit stark ausladendem Profile),
schlecht zusammengesetzt sind, aber wohl verkleidet waren. Ob diese
Thüröffnung zum ursprünglichen Plane der Anlage gehört oder nach-
träglich geschaffen wurde, ist die Frage. Jedesfalls war die Cella
noch durch eine zweite Thüre im Westen zugänglich, von einem noch
zu besprechenden Vorraum B aus.

Die Südmauer der Cella ist der bereits erwähnte einzige Mauerzug
westöstlicher Richtung, dessen Fluchtlinie nicht gegen den Schnittpunkt
der Achsen der Arena verläuft, sondern davon nicht unerheblich abweicht.
Die Erklärung dieser Anomalie scheint sich mir nun gerade aus der
Disposition der beiden Thüren zu ergeben. Wäre die obere Thüre von
Haus aus als der einzige Eingang gedacht gewesen, dann musste man
sonstigem Cultgebrauche gemäß erwarten, die große Nische mit dem
Hauptcultbilde ihr gerade gegenüber angebracht zu finden, entweder in
die Außenmauer des Theaters selbst eingebaut oder, da diese durch
solchen Einbau wohl zu sehr geschwächt worden wäre, ihr vorgelegt.
Waren aber schon ursprünglich beide Thüren projectiert, dann kam es
darauf an, das Cultbild, beziehungsweise die Nische, die es barg, so
zu rücken, dass das Bild sowohl dem von oben als dem von unten Ein-
tretenden sich zuwandte. Genau diese Drehung zeigt die Nischenwand.
Nun ist diese aber durch Ubergreifen der Steine mit der Außenmauer
des Theaters gebunden, muss also mit ihr gleichzeitig (im ersten Jahr-
hundert) errichtet sein und dem ursprünglichen Bauplane angehören.
Daraus ergibt sich die Folgerung für die beiden Thüren von selbst,
wenn auch die Treppe vor der Nordthüre vielleicht erst später vorgelegt
oder erneuert wurde. Im übrigen ist die Mauerconstruction der Cella-
wände natürlich minder massiv durchgeführt als die des Theaterbaues,
da sie ja weit weniger belastet waren. Das Steinmaterial ist nicht so
regelmäßig plattenartig zugerichtet, sondern es ist bald ziegel-, bald
würfelartig gebrochen; auch sind nicht die gleichgeformten Stücke in
gleiche Schichten vertheilt, sondern die Schichtgleiche ist dadurch erzielt,
dass die ziegeiförmigen, also niedrigeren Steine schräg gestellt sind, um
die Höhe der würfelförmigen zu erreichen (vgl. Taf. V C). Die Zusammen-
setzung der Apsiswand ist etwas regelmäßiger als die der nördlichen. Auf
der Fundierung aus Bruchsteinen ruht ein horizontal geschichteter Sockel,
dann folgen zwei Reihen schräg gegeneinander gestellter, hierauf fünf
Reihen horizontal gelagerter Steine. Durch eine auflagernde Reihe Ziegel-
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