Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 210
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1897/0218
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
210

vergrößerte Postament war die Statue mit ihrer Plinthe (Abb. 19) gestellt
und einfach an deren Oberfläche verkittet. Was hier vorliegt, ist offen-
bar: die allein ausgearbeitete vordere
Hälfte stellt die ursprüngliche Basis
eines Cultbildes dar, das in einer
kleineren Statue oder einem Iielief
bestand; als dieses Bild zerstört
oder sonstwie unbrauchbar geworden
war, wurde das uns erhaltene ge-
stiftet, für dessen Dimensionen jedoch
die alte Basis nicht ausreichte, die
man daher in so roher Weise ver-
vergrößerte. Diese plumpe Art der
Ausgestaltung läßt vermuthen, dass
die Basis erst in später Periode so
ergänzt ist, eine Vermuthung, die
durch den Charakter des Cultbildes
selbst unterstützt zu werden scheint.
Denn sowohl durch Art und Zahl der
Attribute, wie durch das geschürzte,
dem Artemistypus entlehnte Gewand
und die Entblößung der rechten Brust,
welche sich, trotz der Verstoßung des
Busens, an röthlichen Farbspuren im
Buscnwinkel analog der Färbung der
Übrigen nackten Körpertheile (das
Gewand ist gelb) noch erkennen
lässt, erweist sich die Statue als ein
Werk später Kaiserzeit. Ergänzend
tritt hierzu, was oben Uber die An-
lage der Stufen vor der Nordthüre
und (Anmerk. 16) über die Wahr-
scheinlichkeit bemerkt wurde, dass
der Obertheil der Apsis, in der das
Bild stand, in eben dieser Periode
erneuert wurde. Das Heiligthuni
scheint sonach in der Zeit Uberhaupt
einer gründlichen Renovierung be-
dürftig gewesen zu sein.
B^^^^^MJ Außer dem Cultbilde (Abb. 19)

Abb. 19. erwiesen sicli nach den Fund-
loading ...