Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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quem für die Erbauung des Raumes D und D1; sowie, da auch der
oben berührte Stil des Cultbildes in der Cella dahin weist, für die
gründliche Renovierung des Heiligthums überhaupt in der ersten Hälfte
des dritten Jahrhunderts.

Von Grund auf ist in D, alles aus Altmaterial errichtet und das
so zusammengewürfelte mit einem 0'07m starken Verputze verkleidet.
AVände wie Stirnen waren roth bemalt. Einige Verputzstücke, wie die
noch in situ befindliche Pfeilerbasis am Westende der Südmauer (Abb. 17),
wiesen rothe Farbe auf. Die beiden Wände dieses Raumes laufen gegen
Südwesten je in einen Antenpfeiler aus (Abb. 17)18), zwischen denen sich
als Westabschluss des Vorhofes eine bis kurz vor das Nordende er-
haltene 0-80 m breite Steinschwelle ausdehnt. Sie besteht aus großen
Kalkplatten krystallinischer Structur, deren mittelste eisenroth, die andern
in grauem Tone gefärbt erscheinen; alle von einer der Gegend Car-
nuntums fremden Qualität. Die Platten sind nicht rechtwinkelig, sondern
in ungleichem Anschlüsse aneinandergepasst, wie es die Bruchränder
des wieder verwendeten Materiales erlaubten. Kur die Oberflächen sind
bis über die Kanten geglättet, die Lagerflächen rohe Brachflächen
geblieben, die klaffenden Fugen mit Mörtel ausgegossen, wie es die
Romer auch bei den Schrunden von Felsenstraßen zu thun pflegten.
Irgendwelche Spuren von Verschlussvorrichtungen finden sich an diesen
Steinen so wenig als an den beiden Seiteneingängen in diesen Raum.
An dem Nordeingange fand sich übrigens, um das nachzutragen, ein
aus einem Blattkelch eines Säulencapitäls hergerichtetes Weihwasser-
becken, offenbar zu Lustrationszwecken.

Beide Vorräume D und Dt waren über einem Mörtelestrich (der in
D bedeutend stärker O'lOm als in I)1 O04m ist) mit 0-20w im Quadrat
messenden Hypocaustenziegeln gepflastert, also ebenfalls mit Altmaterial.
Nur die Wände entlang lief ein Belag von großen 034 m im Geviert
messenden Ziegelplatten. Da Ziegelbelag die gewöhnliche Fußboden-
bildung in der Witterung ausgesetzten Bäumen ist, die Fundierung nur
gering und die Wangenmauern schwach erscheinen, und im Schutte vor
der Nordmauer sich ein 0'40m breiter, also zu dieser Mauer pas-
sender Deckelstein fand (Querschnitt Abb. 26, Fig, 2), darf man
annehmen, dass JD1 ungedeckt war und als ein nach Westen offener
Vorhof vorlag. Da somit auch die Halle D gegen Westen dem Wetter

18) Nach Beobachtungen in Deutschland kann man mit Wahrscheinlichkeit als
frühesten Termin der Verwendung von Altären als Mauersteine beiläufig die Mitte
des dritten Jahrhunderts bezeichnen. Auch in dem Quadrivialbogen („Heidenthor")
der Nekropole bei Petronell sind Altäre als Bausteine verwendet, und dieser Bogen
ist sicher spät errichtet.
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