Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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Gemaches bestand wohl aus Ziegelmosaik, da sechseckige Mosaikziegel
(sectilia) im Innern und in der Umgegend zerstreut lagen. Die Wände
waren verputzt und bemalt wie die des Vorraumes D.

So war im Verlaufe der Zeiten aus dem einfachen sacellum ein
förmliches templum geworden, eine Vergrößerung der ursprünglichen
Anlage, die, wie ich bei Besprechung der südlichen Gebäude nachzu-
weisen gedenke, sogar zu einer Verlegung des vom Ostthore des Lagers
zum Westthore des Amphitheaters führenden Straßenzweiges (s. S. 225) Ver-
anlassung gab. Wie lange das so ausgestattete Heiligthum seiner, wie die
Inschriften ausweisen, vorwiegend militärischen Gemeinde erhalten blieb,

Abb. 30.

wissen wir nicht. Vielleicht war diese selbst genöthigt, seine endgiltige
Zerstörung zu bewirken. Wenigstens lassen die vielen in seinem Innern ge-
fundenen Schleuderkugeln aus Stein vermuthen, dass es von der über 100?».
entfernten Bastion aus, die nördlich des Lager-Dextralthoros dem Amphi-
theater am nächsten stand, zusammengeschossen wurde, weil die Barbaren
bei ihrem letzten überfalle gerade in diesem Gebäude Deckung gefunden
hatten. Doch wird auch Feuer bei der Demolierung mitgewirkt haben,
wie sich aus Holzkohlen- und Aschenresten sowie aus Brandspuren an
den Mauersteinen und Sculpturen und aus geschmolzenen Glas- und
Metallbrocken ergibt.
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