Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 221
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Das südliche Drittheil des Westthores A3 fährte als Corridor von
der Arena zu einem Thierzwinger (Taf. IV u. V und Abb. 29). Abb. 29a
ist ein Reconstructionsversuch bis zum Gebälk, von welchem sich ein
kleiner, in Abb. 26, Fig. 8 dargestellter Theil vorfand. Im Grundrisse
dem Nemesisheiligthume gegenübergestellt, war dieser Bau auch in Bezug
auf seinen Schmuck in architektonischer, malerischer und plastischer
Hinsicht kaum geringer bedacht als jenes. Abgesehen von drei Relief-
fragmenten, deren zwei lang bekleidete Figuren (Abb. 30) darstellten,
(vom dritten sind nur Fußreste auf einer Basis erhalten), war beinahe
der ganze Boden des Ganges bedeckt mit Stücken eines bemalten Wand-
verputzes, einer Flächendecoration von hellem und tiefem Grün, getrennt
durch rothe, weiße, gelbe, horizontale und verticale Streifen. Ebenso fanden
sich GebälkstUcke mit Fries in Blattornament (Abb. 26, Fig. 8) und Zahn-
schnitt am Geisonprofil, und thönerne Mosaikwürfel mit auf der Ober-
fläche eingepresston Sternrosetten. Den Zugang zum Zwinger betrat man
über eine Steinschwelle, die aus vier Platten besteht (Abb. 31 und 31a,
auch Taf. IV am linken Rande). Die beiden äußeren derselben dienten
zum großen Tbeile den Thürpfosten als Unterlage, in die südlichste Platte
ist aber am rechten Rande noch das Thürpfannenloch von 0'09m Breite
und von diesem nach rückwärts eine ebenso breite Rinne zum Einsetzen
und Ausheben der Thüre eingearbeitet. In diese Quadern, und zwar in
die zweite mittlere nordseits und die äußerste nördlich, ist die Auftritt-
fläche mit 1'12jw Länge derart eingeschnitten, dass rückwärts eine 0'25 m
breite Leiste als 0-18?« hoher Anschlag stehen blieb. In die rechte
Mittelplatte ist überdem ein 0-08 : 0-07:007 m messendes Riegelloch ein-
gearbeitet (vgl. Abb. 31 a). Die Seitenmauern des Ganges, den man durch
diese Thüre betrat, sind bis auf geringe Reste der Fundierung der Nord-
wand vernichtet.18) Dass man die einstige Existenz dieser Mauern voraus-
setzen muss, lehrt schon das Vorhandensein der verschließbaren Thüre.
Am Westende des aufsteigenden Ganges A3 Taf. IV und V befindet sich
vor dem Eingang in den Zwinger eine breite Schwelle von Quaderplatten.
Sie verengt sich nach rückwärts zum Schwellenauftritt zwischen den Thor-
pfosten der Frontmauer von 2-90m auf 2.06m*. (Taf. IV u. V). Auf den Quadern
liegt eine Mörtelschicht als Rest des Verbandes mit einer darüberliegenden
Quaderlage oder einer andersartigen Schwelle. Dass eine solche Lage

10) In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts ist zwischen der inneren
Ringmauer der Arena und dem Zwinger bis weit über die Außenmauer der ersteren
nach Nordwesten und Norden ein Gebiet von über 500 w2 auf Steine ausgebeutet
worden. Es fehlen in dieser Parzelle alle Bautheile, darunter ein langes Stück der
mächtigen Außenmauer der Arena; beim Graben verräth sich diese Beraubung schon
an der Art der Schuttlagerung.
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