Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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zu ihr emporblickend ein lagernder Greif. Die rechte Hand hält eine
Peitsche und einen Gegenstand, der großentheils verstoßen, aber nach dem
an der Handwurzel sichtbaren Knaufe und den Spuren der Absplitterung
im Steine nicht anders denn als Schwert zu deuten ist; in der Linken:
ein viereckiger Schild, Dreizack, Palme, Fackel,23) alles für den Nemesis-
typus ganz singulare Attribute, die aber deutlich genug auf den Vor-
stellungskreis hinweisen, dem sie entnommen sind: Schild und Schwert
des Gladiators, der Dreizack des Eetiariers, die siegkrönende Palme
führen in den Bereich der Arena, deren blutigen Spielen die Göttin

Abb. 35a.

waltend und siegverleihend vorstand. Klärlich in demselben Sinne ist
das Attribut der Peitsche aufzufassen; auf dem Sarkophagrclief von

Himmelsgöttin der späteren Kaiserzeit; als regina ist ihr auch das Eelief geweiht
(über diese Fusion: Premerstein a. a. 0. S. 412 A. 6). Aus derselben Glaubensan-
schauung" und aus der Anlehnung an bekannte Typen der Artemis-Diana ist das
Attribut der Fackel zu deuten, desgleichen die Mondsichel bei der Carnuntiner Statue.

23) Irrthümlich ist die von Posnansky übernommene Angabe des Corpus, wo-
nach die Attribute als Schildembleme angebracht wären, hinfällig seine Vermuthung,
dass dieselben rein decorativ aufzufassen seien, desgleichen die vom Attribute des
Schildes hergenommene Deutung des Reliefs auf eine Nemesis campestris.
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