Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 236
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Zeitschrift X S. 25 = CIL III S. 11139) sacerdotib(us) Vibio Crescente
et Heren(nio) Nigriniano und eines Altars aus dem 1891 gefundenen
Heiligthum des Juppiter Dolichenus (diese Zeitschrift XVI S. 211 und
180 D = CIL III S. 11131) sac(erdotibus) [B]asso et Crispo.

Dass die beiden Bruchstücke zu demselben Altar gehörten, scheint
durch die Maße ausgeschlossen; in 1 ist der Schaft, wie angegeben,
0-14?)i dick, der zu 2 gehörende Schaft muss dicker gewesen sein.
Indessen scheint es glaublich, dass beide aus demselben Heiligthum
stammen, und dieses etwa an der Stelle sich befand, wo 2 gefunden
wurde. In dem Walleinbau mag ein Heiligthum des Hercules Augustus
gewesen und dort das unmittelbar auf dem Boden aufliegende Stück
eines Altars zurückgeblieben sein, während die übrigen Stücke des-
selben Altars und der sonstige Inhalt weggetragen wurden.

Reichhaltig war die Ausstattung des Heiligthums der Nemesis mit
epigraphischen Denkmälern, Altären oder Basen, die Statuen von Gott-
heiten trugen. Die meisten von ihnen befanden sich bei der Aufdeckung
noch auf der ursprünglichen Stelle, allerdings znm Theil mit zerstörter
Krönung. Ich beginne mit der Basis, die das Cultbild selbst trug;
vgl. die Abbildung oben S. 210. Diese Basis ist, wie Trägau S. 208
angegeben hat, aus zwei Stücken gearbeitet, von denen das vordere
in der Mitte etwa 0'27 m, das hintere 0 36 m dick ist. Breit ist die
Basis in der Mitte 0'45 m, hoch etwa 0S8m. Darauf:

d e 7£-n e m e s i

simvlacr/-cl-
ref-ma nsvetvs
p-jüleg-xiiTi-g-po

Deae Nemesi simulacru(m) Q. Bef(. . ins) Mansuetus p(rimus)
\j>(ilus)] legiionis) XIIII g(eminae) po{suit).

Der Gentiluame könnte Eefidius sein, der z. B. C III 1652 und
3869 vorkommt. Denkbar ist auch Eefrius, vgl. C X 6386, wo Q. liefrii
vorkommen, und 6177. — Dass diese Basis das Cultbild des Heilig-
tlmms trug, zeigt schon die Stellung; zum Überfluss beweist es die
ausdrückliche Bezeichnung als simidacrum. — Wesentlich war das
Amphitheater für die Besatzung des Lagers, also seit dem Anfang des
zweiten Jahrhunderts n. Chr. die XIIII Legion bestimmt; es entspricht
daher der aus den Lagerheiligthümern bekannten Sitte, dass ihr Primus
Pilus beauftragt ward, das Cultusbild aufzustellen.
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