Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 244
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Jahr 184 eine Basis errichtet, die vielleicht (s. S. 238 f.) ursprünglich
eine Statue des kaiserlichen Genius oder der kaiserlichen Siegesgöttin
trug. Dieser gegenüber an der rechten Ecke der Nische weihte etwa
gleichzeitig ein der Legion zugetheilter Evocatus einen Altar des Mars.
Damit war der Kaum der Nische ausgefüllt und ließ nur noch für
kleinere Weihgeschenke Platz. In der Folgezeit wurden im Vorraum
neue Altäre aufgestellt, zunächst im Jahr 187 an der östlichen Wand von
einem Soldaten der XIV Legion ein Altar, dessen oberer Theil mit dem
Namen der Gottheit fehlt; dann wohl der neben der rechten Nischenecke
stehende der Nemesis, geweiht von einem Claudius Victor, der doch wohl
auch zur XIV Legion gehört haben wird; endlich neben diesem weiter
rechts im Jahre 199 der für die Nemesis Kegina und Diana bestimmte Altar.
Stifter war anscheinend ein Veteran der Legion. An Stellen, die wir
nicht genauer kennen, wurden, wir wir annehmen, noch im Jahr 213 und
zwischen 222 und 235 Altäre aufgestellt, beide von Soldaten der XIV Legion;
beim ersten fehlt der Name der Gottheit, beim zweiten ist es Nemesis.
Schließlich kommen noch einzelne mit Inschrift versehene Weibgeschonke,
und zwar alle an die Nemesis hinzu. Es scheint somit, dass in der
Nische selbst neben dem Cultbilde der Nemesis durchaus Altäre oder
Statuen anderer Gottheiten errichtet wurden, dass aber, nachdem im
Jahre 184 die Ausstattung der Nische zu Ende gebracht war, die später
hinzugefügten und daher im Vorraum untergebrachten Altäre und Weih-
geschenke alle der Nemesis galten.

Wenn die Aufstellung von Götterstatuen und Altären in der Nische
im Jahre 184 beendet war, so wird sie nicht lange vorher begonnen
haben. Erbaut war das Amphitheater, wie ich aus einem Rest der
voraussetzlichen Bauinschrift (diese Zeitschrift XVI S. 205 ff.) abgeleitet
habe, gleichzeitig mit dem Lager im Jahre 73 u. Chr. Unter M. Aurel
während der Einfälle der Markomannen und ihrer Verbündeten und
deren Bekriegimg durch die Kaiser kann es kaum ohne schwere Be-
schädigungen geblieben sein. Im Jahre 180 starb M. Aurel, ohne den
Krieg zu Ende gebracht zu haben, und sein junger Sohn Commodus,
der schon mehrere Jahre vorher Kaiser geworden war, verblieb noch
mehrere Monate in Carnuntum oder dessen Nähe, um den Frieden
abzuschließen. In diese Zeit habe icli nach den inschriftlichen Zeug-
nissen (diese Zeitschrift XVI S. 213) die Einrichtung und Ausstattung
des Heiligthums des Juppiter Dolichenus gesetzt, das 1891 aufgefunden
wurde. Bei der Liebhaberei des jungen Kaisers für die Spiele des
Amphitheaters ist es an sicli höchst wahrscheinlich, dass er in Carnuntum
die Wiederherstellung dieses Bauwerks in erster Linie betrieben hat.
Zweifellos wird dies durch die monumentale Bestätigung, indem vier
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