Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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Jahre nachher die Ausstattung des Heiligthums, das den Haupteingang
schmückte, vollendet war. Man wird daher wie die Erbauung des
Amphitheaters in das Jahr 73, so seine Herstellung mit ziemlicher
Sicherheit in den Beginn der Eegierung des Commodus setzen können.

Zu diesem Ansatz passen wohl auch die Arbeit und die Attribute
des Cultbildes, die oben S. 210 als Anzeichen später Kaiserzeit an-
gesehen worden sind. Ebenso passt wohl dazu, dass unter den kleinen
statuarischen Weihgeschenken, die im Heiligthum aufgelesen wurden
oder wenigstens ursprünglich gewesen zu sein scheinen (s. S. 211 f.), sich
zwei Darstellungen des Hercules befinden, eine, in der er den Telephus
trägt (Abb. 24 a), und eine von Bronze, von der die Keule übrig ist.
Bekannt ist ja, dass Commodus besonders den Hercules verehrte, in
seiner späteren Zeit sich sogar mit ihm identificieren ließ. Übrigens
sprechen diese Funde für die Annahme, dass in der Nische Hercules
vertreten war, und man darf daher vielleicht vermuthen, dass etwa die
Basis rechts von dem Cultbild, die wie dieses von dem Primus Pilus
errichtet ist, dem Hercules geweiht war.

Es wird dadurch auch wahrscheinlicher, dass die beiden Dar-
stellungen des Hercules, von denen Beste außerhalb des südwestlich an das
Nemesisheiligthum anstoßenden Baumes E und zwar an der Südostecke,
also an der dem Heiligthum nächsten Mauer gefunden sind, aus diesem
stammen. Es sind dies (s. S. 219) ein Hercules mit den Hesperidcn-
äpfeln und das einzige inschriftliche Denkmal dieses Baumes, das
Abb. 43 in der Größe des Originals wiedergegebene Basisstück:

Abb. 43.

Die Inschrift lautet :

Her(cidi) Aug(usto) Ulpyius) Marthms

candidatus dom(ini) n(ostri)

v(otum) s{plvit) l{aetus) Jiihens) m(erito).
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