Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

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nicht das letzte Verdienst dieser Ausstellung
ist, für die neben dem Leiter der Hochbau-Ab-
teilung des Preußischen Finanzministeriums,
Min.-Dir. Dr. Ing. Kießling vor allem Min.-Rat
Dr. Ing. Behrendt und seinen Mitai-beitern Dank
gebührt. Adler

KUNSTWISSENSCHAFTLICHE GESELL-
SCHAFT MÜNCHEN. Dr. Karl Busch sprach
am 7. Juli 1932 über die Bautätigkeit Wil-
helms V. (1579—1597) an der Münchener Resi-
denz. Nach einer Schilderung der Persönlichkeit
des Bauherrn und der damaligen Finanzlage auf
Grund zahlreicher neu herangezogener Archiva-
lien gab B. folgende gesicherte Baumeister-
Folge: Wilhelm Egckhl; seit 1. VII. 1587 Wen-
del Dietrich; seit 1. I. 1597 Hans Reiffenstuel;
dann Heinrich Schoen d. Ältere. — Dem Schrei-
ner Dietrich trat ein bauverständiger Werkmei-
ster zur Seite, dessen Stelle am 1. VII. 1587 für
Hans Reiffenstuel neu geschaffen wird. Der Ma-
ler Sustris regt durch Skizzen wohl alle Bauten
Wilhelms an, leitet aber selbst nur den Bau der
Garten- und Nebengebäude.

Weiter erläuterte B. die Residenz Albrechts V.
und wies ihre Änderungen unter Wilhelm V.
nach. Gewürdigt wurden die schweren Blöcke
der Egckhl'schen Anbauten (Herkules-Saal, vor
1579; Neues Ballhaus, um 1579/80; Hofkammer-
Gebäude, 1580/82; Hofpfisterei, 1579/81); der
Schwarze Saal mit der benachbarten Treppe
wurden als Neubauten Maximilians um 1605/10,
ferner die Änderungen an der Neuveste und den
übrigen herzoglichen Bauten nachgewiesen. Die
Rekonstruktion eines zweischiffigen Arkaden-

Flügels zwischen Breiter Treppe und Antiqua-
rium leitete zu den Neubauten Wilhelms über.
An Sustris' Gartenkomplex wurde die regel-
mäßige Gesamtgliederung aufgezeigt; ein bis-
her nur vermuteter Turm am Residenzgarten
konnte archivalisch nachgewiesen und in seinen
Kellermauern westlich der Hofkirche festgestellt
werden. Die Alte Silberkammer (Räume 9—14)
wurde 1601 erbaut, der heutige Apotheken-
raum nördlich vom Hauptportal entstand
1592/93. Nach genauer Bestimmung der Vorbe-
sitzer des Bauplatzes konnten auch die Bauvor-
gänge am neuen Erbprinzenbau an der Resi-
denzstraße aufgehellt werden. Sustris' Schmal-
bau (1590/91) wird nach Erwerb der Meermann-
Behausung 1592/93 über die Einfahrt hinweg
zur neunachsigen Front erweitert, auf der Gegen-
seite vom Turm am Jägerpfühl flankiert
(1591/92) und durch die Erbprinzenkapelle mit
dem Gartenbau verbunden (1593/94). Versuchs-
weise Rekonstruktionen der zwei wilhelmini-
schen Gartenbau-Phasen (1581/84 und 1584/90)
rundeten den Vortrag ab. K. B.

AUSSTELLUNG NORWEGISCHER BAU-
KUNST DER GEGENWART im Lichthof der
Techn. Hochschule Berlin vom 2.—23.Febr. 1933.
Die Eröffnung findet am Donnerstag, 2. Febr.,
18 Uhr, in der Aula statt mit einem öffentlichen
V ortra ge von Professor Pedersen, T rondheim, über
„Charakterzüge der Baukunst Norwegens".
Die Ausstellung kann auch als Wanderausstel-
lung weitergeleitet werden; Anfragen sind zu
richten an das Architektur-Museum der Techn.
Hochschule Berlin.

BÜCHERSCHAU

WULFF, Oskar: Die neurussische Kunst im Rah-
men der Kulturentwicklung Rußlands von
Peter dem Großen bis zur Revolution. Zwei
Bände, 19,5 : 27 cm. Textband 360 S., Tafel-
band 472 Abb. Dr. Filser-Verlag, Augsburg
1932. In Ganzleinen zusammen 45,— RM.
Es ist ein ausgezeichneter Gedanke des Verfas-
sers gewesen, seine Darstellung der bildenden
Kunst des einstigen Zarenreiches mit einer
Schilderung der politischen Geschichte sowie
der Kultur- und Literaturgeschichte des Landes
zu verknüpfen, ein Gedanke, der um so frucht-
barer ist, als die russischen Zustände in ihrer
Gesamtheit dem Westeuropäer fremdartig er-
scheinen und kaum bekannt zu sein pflegen.
Die Wahl der Regierungszeit Peter des Großen
(1689—1725) als Beginn der neurussischen
Kunst im Gegensatz zur altrussischen ist objek-

tiv dadurch gerechtfertigt, daß durch Peter I.
den Großen das politische und kulturelle Leben
des Riesenreiches zum erstenmal bewußt nach
Westeuropa orientiert wurde. Die weithin sicht-
baren Zeichen dieser neurussischen Einstellung
gab der Zar durch die Gründung der neuen
Hauptstadt Sankt Peters Burg an der Newa
(1703), durch die er, wie es in Rußland sprich-
wörtlich hieß, das Fenster nach Europa aufstieß.
1712 erhob Peter seine Stadt zur zweiten Resi-
denz neben Moskau und schuf damit einen für
den russischen Zarismus typischen Dualismus
zwischen der ursprünglich-moskowitischen und
der eingepflanzt-westeuropäischen Kultur des
„Mütterchens Rußland".

Zur Schaffung seiner Stadt zieht Peter I. vor-
zugsweise ausländische Baumeister heran, wie
den Oberitaliener Trezzini, den Franzosen Le-

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