Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

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südwestlichen Teilkreis ablesbar ist, sind meist
archäologisch nicht sicher dalierbar. Wirklich
datierbare Nenanlagen sind das Mausoleum der
dritten Dynastie von Ur und der Schulgi-Tempel
in Ur. Sie fallen beide vorschriftsmäßig in die
Spalte zwischen —2400 und —2300. Alle ande-
ren Tempel bekommen durch die Jahresskala
ein bestimmtes Alter zugeordnet, das, wie schon
früher in KiM, S. 11, gesagt wurde, meist mit
dem archäologischen Befund übereinstimmt, wie
etwa die Bauten von Eanna in Uruk. Sie weisen
ins 23. Jahrhundert, was an einer Stelle im
Zikurrat-Zingel durch Inschriftziegel Amar-Sins
bestätigt wird (—2330)').

Der Einmessungsvorgang der südwestlichen alt-
babylonischen Tempel wird noch wesentlich ein-
facher, als ich es in KiM, S. 14, beschrieb, weil
am Globus festgelegt werden konnte, daß "wäh-
rend der Einmessungsstunde das Apin-Gestirn,
die Cassiopeja, heliakisch aufging und das Kreuz
des Südens zu gleicher Zeit unterging. Der Ein-
messende mußte die beiden Gestirne anvisieren,
wenn sie gegenüber am Horizont verblaßten
und die gefundene Linie als Kultachse fixieren.
Die Beobachtung von heliakischen Aufgängen für
die Orientation, die anscheinend auch in Ägypten
vorgenommen wurde (Nissen,Orientation,Bd.I),
scheint uralt zu sein und gewährt neue Ausblicke
für die Erforschung der Orientation der archai-
schen Kultbauten Assyriens und Sumers.
Die Beobachtung des heliakischen Aufgangs der
Cassiopeja war im 3. Jahrtausend durchschnitt-
lich fünfzehn bis zwanzig Tage nach dem Win-
tersolstitium möglich. Die Einmessung war also
von dem Monde der Wintersonnenwende ab-
hängig gewesen, entsprechend dem im Frühling
liegenden Neujahrsfest der Assyrer, das sich
nach dem Frühlingsvollmond richtete.
In neubabylonischer Zeit sind die Tempel nach
verschiedenen sich in Opposition befindlichen
Sternen orientiert (KiM, S. 16 ff). Auch hier ist
nachträglich festzustellen, daß einer der Sterne
auf dem jeweiligen Orientationskreis heliakisch
aufging.

Durch die genaueren Untersuchungen über die
Bewegung des Orientationskreises konnten die
ursprünglich vorhandenen Fehler der assyri-
schen Reihe auf ein Mindestmaß beschränkt
werden. Nur einmal tritt eine Differenz bis zu
einem Grade auf.

Die seit Erscheinen meines Buches (KiM) auf
') Jordan, Uruk, II. vorl. Bericht S. 7, Berlin 1931.

Abb.-l.Orientationskreis zur

archäologischer Grundlage vorgenommenen Da-
tierungen von Bauten und die Ergebnisse der
neuesten Ausgrabungen von Aschnunak ergaben
eine Bestätigung meines Orientationsprinzips.
Eine weitere Ergänzung findet die astronomische
Orientation in dem Keilschrifttext K2711'). Hier
wird die Planung eines Tempels mit einem Ge-
stirn des Orientationskreises zusammengebracht.
Es heißt in dieser Tafel:

Z. 32. .. [die weisen Baumeister], die den
Plan festsetzen" Z. 33. „... des Ikü-Sternes legte
ich seinen Grundstein." (Nach der unveröffent-
lichten Tafel VAT 9430 Rs. ist Ikü gleich Dil-
gan [mitgeteilt von L. Matous] — vgl. oben
Abb. 1, Nr. 6). Wenn auch das entscheidende

') Meissner-Rost, Die Bauinschriften Asarhaddons, Bei-
träge zur Assyriologie III, S. 264 f.

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