Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

Seite: 69
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Schrifttum in deutscher Sprache über Norwegens
Baukunst sehr gering ist. Die zeitlich letzte
Übersicht dürfte die Darstellung norwegischer
Baukunst sein, die Sverre Pedersen selbst für den
dritten Band von Wasmuths Lexikon der Bau-
kunst (Berlin 1931) gegeben hat. Vor rund zehn
Jahren entstand die Schrift von Albert Dresdner
über „Schwedische und norwegische Kunst seit
der Renaissance", die 1924 in „Jedermanns
Bücherei" erschien. Sonst findet man Einschlä-
giges in deutscher Sprache wohl nur in Zeit-
schriften und Sammelwerken. L. Adler

BAUFORSCHUNG IN MARBURG. Die Philo-
sophische Fakultät der Universität Marburg hat
in ihre Promotionsordnung vom 1. Februar 1933
„Bauforschung" als selbständiges Haupt- und
Nebenfach aufgenommen. Der Vertreter dieses
Faches ist der außerordentliche Professor Dr.
phil., Dr.-Ing. Friedrich Wachtsmuth. Prof.
Wachtsmuth war Assistent an den Technischen
Hochschulen Dresden und Berlin; 1923 habili-
tierte er sich in Darnistadt für das Fach der Bau-
geschichte und Kunstwissenschaft; 1925 erhielt
er von der Philosophischen Fakultät Marburg
den Auftrag, an der Universität Marburg „Die
Baukunst des Morgenlandes" in Vorlesungen und
Übungen zu vertreten. Er übte seine Lehrtätig-
keit von 1925 bis 1930 in Darmstadt und Mar-
burg aus, inzwischen hatte er sich 1928 in Mar-
burg für „Bauforschung" habilitiert. 1930 legte
er seine venia legendi in Darmstadt nieder, nach-
dem er 1929 in Marburg zum a. o. Professor er-
nannt worden war. 1930 erhielt er vom preußi-
schen Minister für Wissenschaft, Kunst und
Volksbildung den amtlichen Lehrauftrag, die
Bauforschung in Vorlesungen und Übungen zu
vertreten. Seine Hauptarbeiten behandeln ins-
besondere die Baukunst des alten Orients, des
Islams und des altchristlichen und mittelalter-
lichen Zeitalters. Er hat verschiedentlich auch
an Ausgrabungen teilgenommen, so z. B. in Ba-
bylon (1912—1915) und in Ktesiphon (1928/29
und 1931/32).

EINE BAUINSCHRIFT KONSTANTINS. Die
älteste bisher erhaltene christliche Basilika in
Rom ist die Apostelkirclie an der Via Appia
(San Sebastiano). Aus Grabtexten mit Konsular-
daten war die Mitte des 4. Jahrhunderts ge-
sichert. Mit Recht vermutete man konstantini-
schen Ursprung. Der Bau ist in seinen Haupt-
teilen bis unter das Dach erhalten. Er ist eine
dreischiffige Pfeilerbasilika mit durchbroche-
ner Apsis und Umgang. Die neuesten Ausgra-
bungen haben vor allem zwei wichtige Ergeb-
nisse gebracht: Sowohl die Frontseite als auch

Monogramm Konstantins auf einer Mar-
morsch welle der Apostelkirche in Ro m.

die Seitenschiffe waren nach dem Atrium hin
vollständig offen. Der ganze Komplex der
Kirche mit seinem Kranz der Mausoleen ist von
einer festungsartigen Mauer umgeben. Wahr-
scheinlich stammt diese Form von der klassi-
schen Maceria her. Die große Marmorschwelle
des Haupteinganges dieser Umfassungsmauer
ist soeben zum Vorschein gekommen. Sie trägt
eine monogrammatische Inschrift mit dem Na-
men CONSTANTINUS, die sich wohl nur auf
den kaiserlichen Stifter beziehen kann (Abb.).
Datum und Form der Basilika sind von nicht
zu unterschätzender Bedeutung für das archi-
tekturgeschichtliche Problem des allchristlichen
Kirchenbaues. Paul Styger

ARCHITEKTUR-ARCHIV IN BERLIN. In dem
ersten Heft dieser Zeitschrift — S. 30 —- ist über
die Eröffnung der im Verkehrs- und Bau-
museum zu Berlin befindlichen Ausstellung
„Preußische Baukunst aus der Zeit vor und
nach Schinkel" berichtet worden. Die Ausstel-
lung bildet den zuerst fertig gewordenen Teil
eines neuen Instituts, das in der Etage der dor-
tigen Hochbauabteilung eingerichtet wird und
über dessen Inhalt und Bestimmung das fol-
gende ergänzend gesagt sein mag.

Im Anschluß an den Ausstellungssaal ist in zwei
großen Räumen (ein Magazin und ein Studien-
saal) seit dem 1. April 1932 das Architektur-
Archiv der Technischen Hochschule unter-
gebracht. Die Einrichtung dieses Archivs hat
infolge der finanziellen Notlage des Staates noch
nicht vollendet werden können. Jedoch ist Fach-

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