Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

Seite: 98
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1 cm
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teren Teil anscheinend viereckig, um dann in
38 cm Höhe in die Kreisform mit dem Durch-
messer der Säule überzugehen. Dieselbe Anord-
nung erscheint an Basis B; sie wurde im Gegen-
satz zu A wie die Kapitelle und Kämpfer bei-
der Säulen aus Trachyt errichtet. Eine Profi-
lierung der Sockel fehlt heute. Auch der äußere
Rand der Plinten erscheint beschädigt; er ist
bei A nur 64, bei B nur 53 cm breit. Zur Zeit
der modernen Ummantelung der Säulen wurden
die Ecken abgeschlagen, wie die rohe Behand-
lung erweist. Also müssen im ursprünglichen
Zustand die unteren Sockelteile über den Ra-
dius der Säulen ausgekragt haben (vgl. die Er-
gänzungen auf S. 97, Abb. 1—3). Sie standen
völlig frei, statt wie jetzt nur 15 bis 20 cm über
dem Boden hervorzuragen. Dies ergab eine Auf-
stemmung unter dem Schuttboden der Basis A.
Die Basis B wurde entsprechend rekonstruiert,
da sie nicht gesondert untersucht werden konnte.
Wird versucht, die beiden Säulen in ihrer ur-
sprünglichen Bestimmung zu erfassen, so ergibt
sich ihre enge Beziehung zur Säule am Marga-
rethenkloster in Köln (Säule C), deren Schaft
sich ebenfalls nicht verjüngt, deren Basis und
Kapitell aus weißem Sandstein bestehen. Die
Säule C selbst ist wie die besprochenen aus
rotem Sandstein gefertigt (Taf. 18, Fig. a).

Als vergleichbare Maße kommen in Betracht:

ABC
Gesamthöhe der Säulenschäfte ca. 4,30 4,42 4,65 m
(bei C mißt die untere Trommel 2,22 m, die obere 2,28 m)
Durchmesser d. Säulenschäfte rd. 0,66 0,59 0,68 m

Höhe der Kapitelle 0,45 0,62 0,70 m

Breite der Kapitelle „ 0,74 0,59 0,94 m: 1,01m

Höhe der Basen „ 0,75 0,45 m

Es zeigt sich also eine zwingende Verwandt-
schaft in der mangelnden Verjüngung, dem
roten Sandsteinmaterial und den Dimensionen
der Säulenschäfte selbst, während Kapitelle und
Basen abweichen, und zwar nicht nur bei den
Säulen A, B und C, sondern auch zwischen A
und B. Auffallend ist vor allem die Sandstein-
basis von A und C, während die Basis von B
wie die Kapitelle und Kämpfer beider Säulen
aus Trachyt besteht. Hinzu kommt die abwei-
chende Grundform der Kapitelle: bei A und C
ein typisches Würfelkapitell, bei B eine sehr
steile Verbindung von zwei Werkstücken im
Typus der Bosse eines Kelchkapitells. Die nicht
gleichzeitige Entstehung dieser Kapitelle ist un-
bezweifelbar, ebenso ihr nachträglicher Versatz,
um so mehr als das Kapitell B für den breiten
Durchmesser der Säule auffällig schmal ist.

Überdies hätte bei gleichzeitiger Entstehung
jeder Grund zu einer abweichenden Behandlung
des Kapitells B gefehlt.

Für die Säule C war die Herkunft aus dem
alten Dom schon früher wahrscheinlich gemacht
worden1), eine Annahme, die durch die Auf-
findung der beiden verwandten Säulen A und B
bestätigt wird, Säulen, die nur aus einem be-
deutenden Bauwerk stammen können, und deren
Auffindung in einer Halle unter der Domsakri-
stei für ihre Herkunft aus der romanischen
Kathedrale spricht, zumal auf dem Domkloster
Reste in den Maßen übereinstimmender, aus
Sandstein gefertigter Systeme gefunden wurden2).
Unsicher bleibt dagegen noch der Zeitpunkt der
Einfügung der Säulen A und B in die Halle
unter der Domsakristei. Während die 1271
geweihte Sakristei3) des Kölner Domes hoch-
gotischen Charakter zeigt, und trotz ihrer Er-
neuerung im Jahre 1868 dem ursprünglichen Be-
fund entspricht, wie eine Bleistiftzeichnung von
G. Osterwald um 1846 im Rheinischen Museum
der Stadt Köln beweist (Nr. 202), wurde der
nördliche Anbau bei der Erneuerung abgerissen:

') Mering und Reischert, Die Bischöfe und Erzbischöfe
von Köln, Köln 1842, I, S. 26. — Ebenfalls dem alten
Dom werden vier sich leicht verjüngende rote Sandstein-
säulen angehören. Auch vier zugehörige Würfelkapitelle
sind erhalten. In der Sammlung mittelalterlicher Denk-
mäler im bislang noch ungeordneten Lapidarium des
Schnütgen-Museums sind außerdem sieben viereckige
Plinten und sieben runde Basen, wovon drei mit ein-
facher Schmiege, vier mit Abschlußring, neuerdings
festzustellen. Bei zwei der Basen gehört die Plinte
demselben Werkstück an. Vgl. hierzu den handschrift-
lichen Katalog, Nr. 50—56 und H. Rosenau: Der Kölner
Dom, seine Baugeschichte und historische Stellung, Köln
1931, S. 212 ff. (Wird als: „Der Kölner Dom" zitiert
werden. Ich benutze die Gelegenheit, sinnstörende
Druckfehler meiner Arbeit über den Kölner Dom richtig-
zustellen. Selbstverständlich muß unter Abb. 67 J. Fincken-
baum, nicht abweichend vom Text „David" gelesen wer-
den. Das Jahr der Weihe des Domchores durch Johannes
von Geißel ist 1848. Insofern sind die Angaben auf
S. 184 zu revidieren. Auf S. 118, Anm. 198, ist in der
siebenten Zeile „eintiirmigen" statt „zweitürmigen" zu
setzen, auf Sv 222 in der neunten Zeile statt „Koelhoff",
„der Verfasser der Koelhoffschen Chronik", auf S. 215
„13. April" statt „25. März".) H. Rahtgens: Die Kirche
S. Maria im Kapitol zu Köln, Düsseldorf 1913, S. 104,
will diese Säulen für die Kirche S. Maria ad Gradus in
Anspruch nehmen, ohne dies allerdings näher zu begründen.

2) Vgl. Bonner Jahrbücher 98, 1895, S. 127 ff., Tf. XIV.
Verwendung der Stücke für eine Vorhalle oder einen
Kreuzgang scheidet bei ihren Dimensionen aus. Vielleicht
zugehörig sind zwei Basen, eine aus Trachyt (Nr. 51),
eine aus Sandstein im Magazin des Schnütgen-Museums,
die aus St. Heribert stammen sollen, deren Maße und
Profile jedoch übereinstimmen.

3) Der Kölner Dom, S. 20.

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