Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

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1 cm
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ten Sterngewölbes eine Eichenholzverdübelung
vor. Die Dübel waren ca. 4 cm lang und hatten
1lA cm Quadratseite. Eisendübel hatten ähnliche
Abmessungen.

Die Fugen der Rippenstücke liefen radial. Sel-
ten sind Hakenfugen in wagrechter oder senk-
rechter Richtung angeordnet, und zwar erstere
dann, wenn nächst dem Scheitel bei Anwendung
großer Radien sehr flache Rippenstücke ent-
standen und letztere meist bei gewundenen Rip-
pen, um das Ausweichen einzelner Rippenstücke
zu verhindern. Aus diesem Grunde greifen auch
gewundene Rippen häufig mit einem Sporn des
Profiles in die Kappen ein. Die Fugen der Rip-
penstücke waren ca. Vi cm stark und wurden mit
feinem Kalkmörtel ausgegossen.
Der Arbeitsvorgang der Wölbung war folgender:
Die Gewölbeanfänger wurden selbstverständlich
mit dem Hochführen der Umfassungswände bzw.
der Pfeiler versetzt. In den Umfassungswänden
blieben gegen die später auszuführenden Kap-
pen und Gewölbekessel Stockzahnungen stehen.
Profilierte Wand- und Schildbogen wurden
ebenfalls beim Hochmauern der Umfassungs-
wände mitversetzt. Blieben die Wandbogen un-
profiliert, d. h. hatten die Schildbogen keine
Wandrippen, so wurde häufig für die später ein-
zusetzende Anschlußkappe eine Nute in Stärke
der Kappe freigelassen. Bei Backsteinmauerwerk
der Umfassungswände wurde diese Nute auch
mit scharfem Meißel später eingeschlagen. Sehr
oft blieben die Kappenanschlüsse an den Um-
fassungswänden auch ohne jeden Einband, da sie
sich ja konstruktiv nicht auf die Wand stützen.

Nach Aufbringung und Eindeckung der Dächer,
wodurch die Umfassungswände, z. B. bei Kir-
chen, die erforderliche Auflast erhielten, wurde
für das Einwölben ein auf dem Reißboden aus-
getragenes, gezimmertes Lehrgerüst aufgestellt.
Auf diesem Lehrgerüst wurden die Mittellinien
der Rippenbogen und die Fixpunkte der Kno-
ten und Scheitel genau eingelotet und alsdann
die Knoten- und Scheitelstücke bzw. Scliluß-
stiicke und Schlußsteine versetzt. Dann ging man
an das Versetzen der Rippenstücke. Diese Ar-
beitsvorgänge erforderten alle genauestes Arbei-
ten, schon von dem Versetzen der Anfänger
ab, weil sonst naturgemäß nichts paßte. Nach
dem Versetzen der Rippenstücke wurden die
Kappen gewölbt, und zwar, wie oben bereits
erwähnt, freihändig, wobei man eine kleine
Bogenlehre benützte. Nach Fertigstellung der
Kappenwölbungen wurden die Gewölbekessel
am Widerlager ausgemauert. Die unteren Kap-
penschichten am Gewölbeanfänger, die bei grö-
ßeren Gewölben stets auf Werksteinkappenan-
fängen aufsitzen, vgl. Tafel 24, Abb. 24 und 25,
wurden sehr häufig in wagrechten Schichten bis
zu einer gewissen Höhe herausgemauert und
alsdann erst das Widerlager der gebusten Kap-
pen angelegt. Erst nach Ausmauerung der Ge-
wölbekessel und nach Erlangung genügender
Festigkeit des gesamten Gewölbes, wenn der
Mörtel abgebunden hatte, wurde das Lehrgerüst
entfernt. Das Versetzen der Werkstücke geschah
durch den Steinmetzen. Bei Herstellung der Ge-
wölbe waren also Steinmetzen, Maurer und Zim-
merleute tätig. C. A. Meckel

INTERNATIONALE BIBLIOGRAPHIE ZUR BAUGESCHICHTE

DES MITTELALTERS

Bücher, Schriften und Aufsätze 1932/1933

ALLGEMEINES

569 Bergua, Jose, Historia del Arte. Libreria Viude,

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570 Donaldson, B. M., and A. A. Adams, Introduc-

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