Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

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SONDERBEIGABE DER ARCHITECTURA. 1. JAHRGANG, HEFT 3

Bericht über die Tagung der Koldewey-Gesellschaft
in Hannover vom 8.—10. Juni 1933

Die in der Koldewey-Gesellschaft zusammen-
geschlossenen deutschen Bauforscher hielten
vom 8.—10. Juni 1933 ihre 8. Tagung in Han-
nover ab. Auf der Verbandssitzung wurde be-
schlossen als Heft 4 der Studien zur Baufor-
schung: „Krischen, Hellenistische Rathäuser'",
und als Heft 5: „Andrae, Die jonische Säule,
Bauform oder Symbol?" herauszubringen.
Heft 4 ist in Vorbereitung, Heft 5 ist bereits in
Druck gegeben worden. Als Verleger der Hefte
von Heft 4 an konnte der Verlag für Kunst-
wissenschaft G. m. b. H., Berlin, gewonnen
werden.

Die öffentliche Tagung begann am Donnerstag,
den 8. 6., mit einem Begrüßungsabend. Nach
den Begrüßungs- und Willkommensreden durch
die Professoren Dr.-Ing. Krischen (Danzig) und
Dr.-Ing. Hölscher (Hannover), durch den Ver-
treter der städtischen Behörden Senator Pro-
fessor Elkart, durch den Rektor der Techni-
schen Hochschule Hannover Professor Dr.-Ing.
Klein und durch den Abgesandten des Archäo-
logischen Reichsinstituts Dr. Matz (Berlin)
sprach Museumsdirektor Professor Dr.-Ing.
W. Andrae (Berlin) über „Symbole in der Bau-
kunst".

Professor Andrae deutete den Sinn des Symbols
als Zeichen für das Unaussprechliche. Es kann
nur ein Stammeln entstehen, wenn man vom
Symbol reden will. Das Symbol spielt aber in
der forschenden und in der ausübenden Bau-
kunst eine so große Rolle, daß jeder, der sich
mit Baukunst beschäftigt, den Sinn und Wert
des Symbols erfühlt haben muß. Nach einer ge-
nauen philosophischen Erklärung des Symbols,
wobei Andrae sich an Gedankengänge E. Dac-
ques und auch Bachofens anlehnte, schilderte er
den Werdegang eines Symbolzeichens aus dessen
Geburtsstadt bis hinein in die griechische Bau-

kunst (die Volute). In Uruk-Warka, der Schilf-
und Lehmstadt der Göttin Ischtar, bildet sich
die Volute als Zeichen dieser Göttin. Andrae
zeigte die Entwicklung einmal aus dem Ähren-
bündel des schilfenen Türpfostens zum summe-
risch-babylonischen Schriftzeichen und zum an-
deren bis zur tragenden Säule mit dem Volu-
lenkapitäl hin.

Frau Dr. Jordan (München) versuchte nach die-
ser Ausführung ihre Eindrücke von den Mäch-
ten und Spannungen der Ruine Uruk-Warka,
von dem „Geist der Örtlichkeit" zu vermitteln,
als wäre der alte Kampf des Helden Gilga-
mesch mit der Göttin Ischtar noch immer im
Gange.

Am Freitag Vormittag eröffnete Professor Ka-
nold (Hannover) die Vortragsreihe. Professor
Kanold zeigte an einer Reihe von Darstellungen
von ägyptischen Bauanlagen, daß fast nirgends
Baupläne vorhanden sind. Die auf Papyri oder
an den Wänden vorhandenen Darstellungen be-
richten von bereits bestehenden Bauten. Ein-
gehender behandelte er einen alten ägyptischen
Gartenplan, den er an Hand von neuen Re-
konstruktionszeichnungen eindringlich deuten
konnte.

Im zweiten Vortrag wies Professor Dr.-Ing.
Boerschmann (Berlin) als hervorragender Ken-
ner in sehr eingehenden Ausführungen mit viel
Bildmaterial auf die Vielseitigkeit der Baufor-
schung in China hin und zeigte dabei immer
wieder Material, das sich augenscheinlich mit
dem vorderen Orient gut vergleichen läßt. Prof.
Boerschmann wird bereits in diesem Jahre noch
seine Forschungen in China wieder aufnehmen.
Dipl.-Ing. Steckeweh (Hannover) berichtet über
die Gaufürstengräber des mittleren Reiches in
Kau el Kebir. Drei Gräber erläuterte er an Bau-
aufnahmen und Rekonstruktionszeichnungen.
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