Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

Seite: 152
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bücherschau

STREICHHAN, Annelise: Knobeisdorff und das
friderizianische Rokoko. Verlag August Hop-
fer, Burg bei Magdeburg (1931).
Ein sympathisches und wünschenswertes Buch
ist hier aus einer Dissertation des Rostocker
Kunsthistorischen Instituts erwachsen. Den An-
stoß gab eine erstmalige Überschau des Plan-
materials der Knobelsdorffschen Amtsstelle im
Schloß Monbijou in Berlin, wie anderseits das
erneute Interesse, das die Öffentlichkeit an
Knobeisdorff als Maler gelegentlich einer Ge-
mäldeausstellung aus königlichem Schloßbesitz
nahm. Es lichtete sich so endlich das reichlich
verschwommene, durch zeitgenössische und spä-
tere Literatur nicht geförderte, eher verunklärte
Bild dieses preußischen Künstlers, man war nun
imstande, seine Hand und seinen persönlichen
Anteil an den zahlreichen Architekturzeichnun-
gen und Planungen endlich die wesentliche Rich-
tung seines künstlerischen Wollens klar heraus-
zulösen.

Die Arbeit von Annelise Streichhan erfüllt diese
Aufgabe, soweit sie in so kurzer, lesbarer Form
ohne einen vollständigen kritischen Katalog des
Zeichnungsmaterials und mit begrenzter Abbil-
dungszahl geleistet werden kann, in vorbild-
licher Weise.

Zunächst wird Herkunft und Leben Knobeis-
dorffs lebendig und schlicht dargestellt, dann
der Künstler, sein Werden und Wollen, endlich
der königliche Beamte in seinen Konflikten mit
dem harten Staatsgefüge und der eigenwilligen
Persönlichkeit des Großen Friedrich klar und
überzeugend geschildert.

Es folgt eine sorgfältige, doch mit möglichster
Kürze behandelte Besprechung der einzelnen
baulichen Hauptarbeiten Knobeisdorffs. Dieser
Teil ist besonders zu opfervoller Gedrängtheit
und zuweilen zu einer gewissen Unanschaulich-
keit verurteilt durch das Fehlen eines umfäng-
lichen Abbildungsteils. Dennoch genügt er, be-
sonders durch die sorgfältig und häufig an-
gefügten Anmerkungsverweise, den Ansprüchen
eines gut informierenden Handbuchs.

Dieser Handbuchcharakter wird besonders unter-
strichen durch die angehängten, mit Sorgfalt
redigierten Verzeichnisse der kritisch kommen-
tierten Knobelsdorff-Literatur, der sämtlichen
Gemälde und Zeichnungen des Künstlers und
endlich eine kurze, die wichtigsten Lebenstat-
sachen anführende Liste der Künstler, die unter
und neben Knobeisdorff im Dienste des Königs
gearbeitet haben.

Als Eigenart des sympathischen und durch den

Verlag sehr geschmackvoll ausgestatteten Buches
sei hervorgehoben, daß im Stil der Verfasserin,
bewußt oder unbewußt, sich eine Angleichung
an das künstlerische Wesen Knobeisdorffs in
einer klaren Leichtigkeit und Ungekünsteltheit
der Diktion, die zuweilen mit feiner Disziplin
auf Effekte zugunsten einer herben Einfachheit

verzichtet, zu erkennen gibt. Werner Burmeister

TECHNISCHE KULTURDENKMALE. Im Auf-
trage der Agricola-Gesellschaft beim Deut-
schen Museum in München herausgegeben
von Conrad Matschoß und Werner Lindner
unter Mitarbeit von August Hertwig, Hans
von und zu Löwenstein, Otto Petersen und
Carl Schiffner. Din A 4, 136 Seiten, 252 Abb.,
Verlag F. Bruckmann AG., München 1932.
Ganzleinen 6,50 RM.

Für die folgenreiche Zwiespältigkeit der Kul-
turentwicklung seit dem Ende des 18. Jahrhun-
derts bietet schon die bloße Tatsache ein augen-
fälliges Bild, daß im gleichen Jahre 1797 zwei
so verschiedene Bücher erscheinen konnten wie
Wackenroders „Herzensergießungen" und Gil-
lys „Handbuch der Landbaukunst". Solche
Gleichzeitigkeit bezeichnet den Beginn von Ent-
wicklungslinien, die in Deutschland einerseits
zur Romantik, anderseits zur Industrialisierung
während des 19. Jahrhunderts geführt haben.
Beide Entwicklungsreihen schlagen im Laufe
dieser Zeit ein durchaus verschiedenes Tempo
ein und das erschließt ein Phänomen, dessen
ganze Bedeutung auch für die Baugeschichte
bisher kaum genügend beachtet worden ist. Von
diesem Gesichtspunkte aus halte ich es für an-
gebracht, auf die in diesem Sammelwerke ver-
einigte reiche Materialsammlung technischer
Bauten auch an dieser Stelle hinzuweisen, deren
Abbildungen eine Fülle von Beispielen für sach-
liche Baugestaltung alter Art bieten. Leo Adler

Jahrbuch der Denkmalpflege in der Provinz Sach-
sen und in Anhalt 1932. Herausgegeben im
Auftrage der Provinzial-Denkmäler-Kommis-
sion von Hermann Giesau und Ludwig Grote.
Druck und Verlag August Hopfer, Burg bei
Magdeburg. 130 S. mit 123 Abb. auf Tafeln
und im Text.

Von den in diesem Jahrbuch vereinten zehn Ab-
handlungen sind drei baugeschichtlichen Fra-
gen gewidmet. H. Schuster berichtet über das
Schloß Heldrungen, südöstlich vom Kyffhäuser
gelegen. Das Schloß, dessen Reste jetzt als Amts-
gericht dienen, ist in seinem heutigen Bestände
ein Werk des 16. Jahrhunderts, erbaut unter

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