Architectura: Zeitschrift für Geschichte und Aesthetik der Baukunst — 1.1933 [ISSN 2365-4775]

Seite: 220
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einem Dach mit ihrem Gemahl, aber stets an
einem eigenen Hofe wohnt. (Uruk, Anu-Antum-
Tempel; Borsippa, Nabu-(Tasmetum)-Tempel;
Kisch, Zababa-Tempel). Die Breite des Zugangs-
raumes ist 1;10 = 7 m, wie aus dem Plane er-
sichtlich ist als Maß, das abhängig ist von
der Gesamtbreite des Tempels, die in der Tafel
Rs Z. 6 gegeben ist. 3% GAR SAL. GAZ SAG
= ungefähr (?) 3K GAR. A.Schott fragt, ob
für ungefähr 3 Vi GAR bedeutet, daß es sich
hier um eine Umrechnung des Groß-GAR -
GAR/arü in Klein-GAR = GAR/suklum handelt
(Umrechnungen aus Groß-GAR in Klein-GAR
finden in der Tafel Z. 16—23 statt), bei der der
Tempelbeamte, der die Rechnung ausführte, auf
Schwierigkeiten stieß, und so zu einer ungenauen
Angabe veranlaßt wurde; ob somit VA GAR
SAL. GAZ aus 2 lA Groß-GAR = 27 arü -

27'7-Ssuklum = 27' ?5 Klein-GAR = Vis Klein-
50 50-12

GAR, also etwas kleiner als 34/s = 3A Klein-
GAR, in Metern 20,25 m sei?

Thureau-Dangin behandelt dies Stelle in RA 30
S. 116 und ergänzt diese Stelle zu 3'A GAR und
3 Ellen, in Summa 45 Ellen. Wenn er gegen
Schott Recht hat, so sind die äußeren Längs-
mauern des Tempelblockes um je 3 Steine zu
verstärken.

Die Dicke der Mauern ist mit 3 Ziegeln = rund

1 m angenommen. (Diese Mauer dicke ist auch
im Verhältnis zu denjenigen der kleinsten baby-
lonischen Tieftempel ungewöhnlich gering, aber
durchaus tragfähig.)

Hinter der SO-Raumreihe liegt in der Mitte der
Hof breitgelagert, 1;40 = 10 m breit und 1;5 -
6,50 m tief. Zu seinen beiden Seiten liegen in NO
das EA-Haus, 0;30 = 3 m tief und 1;25 = 8,50 m
lang, und in SW das Anu-Enül-Haus von 0;30 -
3 m auf 1; 10 = 7 m. Diese Raumreihe, Ea-Haus,
Hof und Anu-Enlil-Haus, ergibt die gleichen
Maße wie die Reihe des SO-Hauses. An den Hof
legt sich nach NW zu in gleicher Breite das
tu--um oder Betthaus mit 1;40 = 10,00 m auf
0;30 + 0;20 = 5,00 m. Im Nordosten des Bett-
hauses liegt das Haus des Nusku mit 0;35 -
3,50 m auf 0;35 = 3,50 m. Im Südwesten erfährt
das tu um eine Erweiterung um 2;5—1;40 -
2,50 m auf 0; 30 = 3,00 m Breite. An dieser Er-
weiterung beginnt das Treppenhaus, das 0;35 -
3,50 m breit, in seiner Länge die Gesamtbreite
des Hochtempels einnimmt. Da der Hochtempel

2 >2 GAR = 15 m hoch ist, wird für das Trep-

penhaus eine Steigungslänge von mehr als 30,00m
notwendig, die erreicht werden kann bei der
Anlage einer zweiläufigen Treppe. Solche Trep-
pen sind im alten Mesopotamien mehrfach be-
legt (Uruk, Assur).

In der Tafel wird weiter der Hof beschrieben
(schon oben aufgeführt). Danach wird das In-
ventar des Tempels geschildert: das 9 Ellen -
4,50 m auf 4 Ellen = 2,00 m messende Bett, und
der ausgerichtet dazu (parallel?) stehende
Thron. Bei den Maßen des Bettes handelt es
sich ausdrücklich um Ellen (12 Ellen = 1 GAR).
Ein zweites Bett steht (offenbar) auf dem Hof.
Dann werden vier Portale genannt. Wir ver-
muten, daß sie zum Sahuru gehören.

Das Sahuru müssen wir in der Grundriß ausdeh-
nung des Betthauses über diesem suchen.
Das Sahuru bleibt in seiner Gestalt unbekannt.
Wenn wir auf den einzigen Hochtempel, den
man jetzt kennt, zurückgreifen wollen, was aber
nur unter größtem Vorbehalt geschehen kann1),
würden wir einen Langraum mit je zwei Türen an
den beiden Schmalseiten annehmen. Diese vier
Türen wären dann die der Tontafel.

Die in Taf. 45 b eingetragenen punktierten Linien
zeigen den nördlichsten und südlichsten mög-
lichen Aufgangspunkt der Sonne am babyloni-
schen Neujahrsfest (siehe unten). Die Strahlen
der aufgehenden Sonne können ungehindert
durch die östlichen Tore in das Sahuru ein-
dringen.

Die Höhe des Sahurus errechnet sich aus der
Gesamthöhe des Turmes, der 15 GAR hoch war ;
so daß das 7. Geschoß, das Sahuru, 1 GAR -
6 m Höhe erhält.

Den Hochtempelblock — kissu elü — mit Pfei-
lern und Kurtinen zu versehen, entsprechend
den unten ausgegrabenen Fronten, scheint be-
rechtigt. Der Hochtempel erscheint in der neu
versuchten Rekonstruktion als Abbild eines
babylonischen Tieftempels, der anstatt des um
die Cella laufenden schmalen Korridors die
Treppe zum Sahuru, dem Durchgangstempel 2),
erhält. Das Sahuru bezeichnet Schott a. a. O.
als das himmlische Vorhaus. An Stelle des Göt-
terbildes steht hier oben im tu-'-um der leere
Thron und neben ihm das goldene Bett (Hero-

1) Der sog. Weiße Tempel in Uruk aus der VI. arch.
Schicht, J. Jordan, III. vorl. Bericht der Ausgrabungen in
Uruk, Berlin 1932.

2) W. Andrae, Das Gotteshaus und die Urformen des
Bauens im alten Orient, Berlin 1930.

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