Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 1.1885

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Januar 1883. Schloss Kötteritzsch liegt auf einem Berg, dessen
Fuss von der Zwickau er und Freiberger Mulde umspült wird,
die sich unweit von ihm vereinigen. Die in der Grundrissskizze
schraffirt angegebenen Gebäudetheile sind vollständig neu er-
stellt und bezieht sich der Umbau hauptsächlich auf die in Schwarz
angedeuteten Theile, von welchen der alte Bestand noch theil-
weise zu benützen war. Wie aus der Grundrissskizze zu er-
sehen ist, enthält das Erdgeschoss die Wohn- und Repräsentations-
räume nebst den Wirthschaftsräumen, das obere Geschoss fasst
die Schlafzimmer, Fremdenzimmer etc.

Tafel 19. Wohnhaus in der Glückstrasse in München,
erbaut von Professor Georg Hauberrisser daselbst.

Tafel 20. Thorweg der Restauration Siechen in Berlin,
entworfen von Regierungs-Baumeister A. Wegener in Berlin,
ausgeführt von Dregerhoff & Schmidt daselbst.

Tafel 21. Villa Billroth, erbaut von Architekt L. Theyer,
k. k. Direktor in Bozen. Die Villa des Herrn Hofrath Dr.
Theod. Billroth ist bei St. Gilgen im Salzkammergut in reizender
Gegend auf einer Anhöhe gelegen.

Das Mauerwerk ist durchgehends aus Bruchsteinen mit An-
wendung von wenig Ziegeln. Sämmtliche Baumaterialien wurden
merkwürdigerweise an der Bau-Stelle selbst gefunden.

Tafel 22. Umbau einer Synagoge in Posen; entworfen
von Cremer & Wolffenstein, Architekten in Berlin.

Tafel 23. Villa Beringer in Stuttgart, erbaut von Eisen-
lohr & Weigle, Architekten daselbst.

Die in den Formen italienischer Renaissance erbaute Villa
ist an steilem Abhang so gelegen, dass es möglich wurde, unter
dem Parterrefussboden sowohl Keller und Souterrain, als Küche,
Pferdestall, Remise und Kutscherzimmer unterzubringen. Vorder-
und Seitenfassaden sind gelblicher Sandstein. Die unter dem
weitvorspringenden, farbig dekorirten Sparrendach sich hin-
ziehenden Friese, sowie die Füllungen des obersten Stock-
werks, sind aus eingesetzten Majolikaplatten hergestellt.

Die Baukosten des Hauses betrugen einschliesslich eines
dekorirten Eckzimmers 49 100 Mark, die der äusseren Anlage
6000 Mark.

Tafel 24. Schloss Avenches in der Schweiz (Kanton
Waadt), aufgenommen und mitgetheilt von Architekt A. Lam-
bert in Stuttgart. (Siehe Literatur: L’architecture en Suisse.)

Das Schloss Avenches war ehedem Residenz der Bischöfe von
*

Lausanne und wurde dann (laut den angebrachten Jahreszahlen)
zwischen 1561 und 1568 zum Sitz der Bernischen Landvögte ein.
gerichtet. Der spätgothische Bau erhielt bei diesem Anlass einen
neuen, ebenfalls noch gothisch angelegten Flügel, der aber schon
eine Fülle von Zierformen der Renaissance aufweist. »Es scheint,
als ob die umgebende Trümmerwelt aus dem römischen Alter-
thum den stolzen Sinn der Eroberer herausgefordert hätte,
ihrer Herrschaft ein glänzendes Denkmal zu stiften.« (Professor
R. Rahn, »Zur Geschichte der Renaissance-Architektur in der

Schweiz« in Janitscheks Repertorium für Kunstwissenschaft,
BandV. 1882.) »In derThat ist dieser Bau das bedeutendste Monu-
ment der Frührenaissance in der französischen Schweiz. Wer aber
an demselben irgend eine besondere Anlehnung an die den
Baumeister oder Bildhauer umgebenden Denkmäler der römischen
Architektur und Skulptur erwarten wollte, der würde sich voll-
kommen täuschen. Die hier gehandhabte Renaissance ist durch-
aus diejenige des sechzehnten Jahrhunderts und, wie es scheint,
französischen Ursprungs. Die Buchstaben I. F. B., die sich am
Portal neben der Jahrzahl 1. 5. 6. 8. angebracht finden, werden
das Monogramm des Baumeisters oder Bildhauers sein.« (Aus
der Kritik von Professor S. Voegelin in der Illustrirten Schweizer-
Zeitung über das Werk: »L’architecture en Suisse aux diffe-
rentes öpoques, fragments recueillis et publiös par Andrö Lam-
bert & Alfred Rychner, architectes. Bäle, Geneve, H. Georg
öditeur.)

Literatur.

L’Architecture en Suisse aux differentes epoques, fragments recueillis

et publies par Andre Lambert et Alfred Rychner, architectes.

57 Blätter in Folio. Verlag von H. Georg in Basel.

Unter deu neuesten architektonischen Publikationen nimmt dieses in
prächtigem Lichtdruck durch Martin Rommel in Stuttgart hergestellte Werk
eine wirklich hervorragende Stellung ein, weil es neben der Gediegenheit
in der Darstellung auch durch die Fülle des neuen Mater;ais (jen Archi-
tekten und Kunstfreund überrascht. Seit Jahren waren die beiden Heraus-
geber mit nimmermüdem Fleisse bestrebt, das Beste, was die Schweiz an
Architekturdenkmalen bietet, aufzusuchen und aufzunehmen, und zwar sind
es schweizerische Bauwerke von der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts
an. Verschiedene Monumente darunter waren noch nie veröffentlicht, andere
wieder ungenügend und oft nur aus Beschreibungen bekannt. Von Wallis
und dem Genfersee bis nach Freiburg, Bern, Zürich und Basel erstreckt
sich das Gebiet der Aufnahmen und giebt uns ein helles und gestaltenreiches
Bild von der bis jetzt noch viel zu wenig bekannten Entwicklung der
schweizerischen Baukunst. Wir sehen die Einssüsse von deutscher Gothilc,
von deutscher und italienischer Renaissance, besonders auch von französischer
Art und Kunst, je nach Zeit und Gegend, aber dabei wieder den ureigenen
Geist des freien Gebirgsvolkes, der sich fast in jedem dieser Bauwerke ver-
ewigt hat. Aus der Reihe älterer Denkmäler leuchten besonders hervor
das zierlich-prächtige Schloss in Avenches, die Brunnen in Freiburg, der
weit ausgedehnte Stoclcalper’sche Palast in Brieg, die grossartigste aller
schweizerischen Renaissance-Anlagen, dann das Riedmatten’sche Haus in Sitten,
ein wahres Muster von origineller Versch melzung von welschem und deutschem
Stil. Die volle Pracht der Spätrenaissance zeigen die zwei genferischen
Paläste Maison Turrettini und Maison de Saussure. Aber auch die Neuzeit
ist nicht vergessen, von den 57 Blättern sind 24 ausgezeichnete und reich
durchgeführte Neubauten in Genf, Vevey, Neuenburg, Bern, Basel und
Zürich gewidmet. — Mit architektonischen Grundrissen, Aufrissen und Durch-
schnitten wechseln Perspektiven, und daneben sind alle wichtigen Details
in grösseren Massstäben dargestellt. Die Ausführung ist überall bewunderungs-
würdig genau, und doch ohne einen Anssug von Härte oder Steifheit; mit
wenigen leichten Tuschtönen wird eine vollkommene Wirkung erreicht, so
dass zugleich alle diese Blätter ohne weiteres als Vorlagen für Tusch-
zeichnungen in Schulen benützt werden können; etwas Besseres in dieser
Art kann nicht geboten werden. p—s.

UNIVERSITÄTS

BIBLIOTHEK

HEIDELBERG

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