Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 1.1885

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Baikone angeordnet (siehe Detail). Der Bühne gegenüber
befindet sich die Loge des Fürsten von Monaco, deren
ebenfalls vorspringender Balkon mit den zwei zunächst-
liegenden Eckbaikonen durch zwei offene Logen verbunden
ist. Unter den Logen an den gebrochenen Ecken sind
weite Nischen mit grossen Blumenvasen und reichen Kande-
labern, über den Logen und auf dem Gesimse ruhend sind,
durch eine grosse Kartusche getrennt, Guirlanden tragende
Genien angebracht. Die Kartuschen überragen bis zum Plafond
reichende weibliche Kolossalfiguren, welche, mit ausgebreiteten
Armen Palmen haltend, die Gewölbflächen unter sich verbinden.
Die Arkaden der Hauptfagade wiederholen sich an der gegen-
überliegenden Wand, hier durch enorme Spiegel ausgefüllt, die
das durch die gegenüberliegenden Oeffnungen direkt sich zei-
gende Meer ressektiren, so dass der Zuschauer sich auf offener
See befindlich glauben könnte. Auf dem Gesimse der vier
Seiten des Saales sind je drei grosse durch Kartuschen ge-
trennte »Oeils de bceuf« angebracht, die durch elegante ver-
goldete Gitter verschlossen sind. Die vier Gewölbefelder sind
mit Gemälden dekorirt und zwar »Der Tanz« von Clairin,
»Das Lustspiel« von Lix, »Die Musik« von Boulanger
und »Der Gesang« von P'eyen-Perrin.

Die Gesammtstimmung des Saales ist rothgold; durch ge-
schickte Verwendung von rothen, gelben und grünen Bronzen wur-
den die grellen Ressexe des überreich zur Verwendung gekommenen
Goldes so gemildert, dass die Dekoration des Saales bei allem Reich-
thum und Luxus einen wohlthuenden Eindruck hervorbringt.

Die Gesammtkosten des Baues belaufen sich nahe an
drei Millionen Franken.

Bemerkenswerth ist noch die fabelhafte Raschheit, mit der
das Gebäude zur Ausführung kam —■ Entwurf und Ausführung
wurden (nach Cösar Daly) innerhalb sechs Monaten bewirkt.

Das Programm enthielt, nach Stockwerken klassifizirt,
die geforderten Räume nebst Angabe des gewünschten Quadrat-
inhaltes derselben, sowie ihrer Aneinanderreihung und Lage
nach den Himmelsgegenden.

Das Herrenzimmer ist sowohl in Verbindung mit den
Wohn- und Gesellschaftsräumen, als auch mit dem Neben-
eingang zur Ermöglichung direkten Verkehrs mit den Beamten,
ohne dass diese die ersteren passiren müssten, angeordnet. Be-
sonderer Werth war auf die Möglichkeit gelegt, von ihm aus den
Hof bequem überblicken zu können; ausserdem war, zum Ueber-
sehen weiteren Terrains ein Aussichtsthurm gewünscht ; derselbe
wurde deshalb gleichfalls in direkte Verbindung mit dem Herren-
zimmer gebracht und nimmt zugleich die Nebentreppe auf.

Im oberen Geschoss enthält der Bau die Verwaltungs-
bureaus des Gutes, über genannte Nebentreppe erreichbar,
und ferner Besuchszimmer für die Herrschaft, mit deren un-
teren Wohnräumen durch die Haupttreppe verbunden.

Im Souterrain befinden sich Küche und Speiseraum für das
Gesinde, mit Aufzug nach dem Speisezimmer der Herrschaft im
Erdgeschoss; ausserdem noch Küchen- und Wirthschaftskeller.

Tafel 39. Konkurrenz-Entwurf zum Hasselbach-Denkmal
in Magdeburg von Professor F. Ew erb eck in Aachen.

Die Stadt Magdeburg schrieb im Oktober vorigen Jahres
eine Konkurrenz aus zur Erlangung von Plänen resp. Modellen
eines monumentalen Brunnens, welcher auf einem kleinen drei-
eckigen Platze zwischen der Alt- und Neustadt Magdeburg
aufgestellt werden sollte. Mit diesem Brunnen sollte zugleich
dem um die Erweiterung der Stadt hochverdienten verstorbenen
Bürgermeister Hasselbach ein Denkmal gesetzt werden, dessen
Büste resp. Relief daher am Brunnen angebracht werden musste.
Auch war der Wunsch ausgesprochen, die Verdienste desselben

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Grundriss des I. Stockes des Gewandhauses in Bautzen von den Architekten Giese und Weidner.

Tafel 37. Das Gewandhaus in Bautzen; entworfen und
ausgeführt von Giese und Weidner, Architekten in Dresden.

Das neue Gewandhaus in Bautzen wurde an Stelle des
abgetragenen alten Hauses in den letzten zwei Jahren von den
Architekten Giese und Weidner in Dresden errichtet. Es waren
neue Räume für die Sparkasse, das Standesamt, die Leihanstalt
und das städtische Museum zu schaffen. Das Erdgeschoss war
thunlichst zur Anlage von Läden auszunützen; ausserdem
sollten, unter Erhaltung des alten Kellergewölbes, mehrere
Restaurationslokalitäten eingerichtet werden.

Als Baustyl wählten die Architekten eine freiere Behand-
lung der deutschen Renaissance, die zu dem Charakter des
Stadtbildes sich wohl zu eignen scheint und ist dieser Styl
auch im Innern des Gebäudes durch Einfügung einer voll-
ständig gewölbten Haupttreppe und gewölbter Erdgeschoss-
räume, sowie durch Ausführung von Holzdecken im Saale und
Nebenräumen, Restauration und Museum gewahrt worden.

ZudenFagaden ist im Erdgeschoss Granit, gelber Postelwitzer
Sandstein zu Sockel und Rustica, in den Obergeschossen weisser
Cottaer Sandstein zu den vortretenden Architekturtheilen verwandt.

Eine interessante Ausführung bot auch die im Museumwegen
Feuersgefahr von den Ingenieuren Dr. Pröll und Scharowsky
entworfene Buckelplattendecke auf Schmiedeisenträgern, die auch
bei der weiteren Dekoration als Metalldecke behandelt worden
ist und sich für ähnliche Fälle sehr empfehlen lässt.

Die Baukosten belaufen sich excl. Abbruch des alten Gebäudes
und des erhalten gebliebenen Kellers und Restaurationslokales bei
einer bebauten Grundssäche von 1120 qm auf circa 330400 Mark,
so dass sich der Quadratmeter auf 295 Mark stellt.

Tafel 38. Herrschaftshaus für das Dominium Zachow;
entworfen von Dietrich und Voigt, Architekten in München.

Das Projekt ist Ergebniss einer Konkurrenz, die seitens
der Gutsherrschaft Ende 1882 ausgeschrieben wurde.

auf irgend eine Weise am Brunnen anzudeuten. Die Bau-
summe war auf 60000 Mark normirt.

Unter den 84 eingelaufenen Arbeiten erhielten das Modell
mit dem Motto »Plastik« (Bildhauer Bergmeier in Berlin) den
ersten, der Entwurf mit dem Motto »Honoris causa« (Regierungs-
baumeister Hartung in Berlin) den zweiten und der Entwurf mit
dem Motto »Saxa loquuntur« (Regierungsbaumeister Sarau und
Stadtbaumeister Jähn in Magdeburg) den dritten Preis.

Das vorliegende Projekt schliesst sich in den Haupttheilen
seines Aufbaues den Vorbildern der Brunnen-Anlagen aus der
Periode der deutschen Renaissance an und zeigt einen runden
Kern, dessen unterer Theil drei epitaphienartige Umrahmungen
trägt, deren eine in einer Nische die Bronzebüste des verstor-
benen Oberbürgermeisters Hasselbach, die andere auf Schrift-
platten die auf die Gründung und Erweiterung der Stadt be-
züglichen Daten enthält. Um diesen unteren Theil des Schaftes
gruppiren sich drei allegorische Gruppen, die »Industrie«, den
»Handel« und die »Kunst« repräsentirend. Dieser Theil des
Brunnens wird durch eine kräftig ausladende, sechs Tritonen
tragende Schale abgeschlossen, aus deren Mitte sich eine schlan-
kere mit Schiffschnäbeln besetzte zweite Säule erhebt, bekrönt
von der Statue der Stadt und Festung Magdeburg. Die Disposition
der aus den Masken hervorströmenden Wasserstrahlen ist im Grund-
riss durch kleine Kreise auf punktirten Linien angegeben.

Das Projekt befand sich auf der engeren Wahl.

Tafel 40. Entwurf zu einem Landhaus von Franz
Brochier, Architekt in München.

Berichtigung.

Zu unserem Bedauern sind bei der auf Tafel 32 (vierte Lieferung)
veröfsentlichten Villa Mez des Herrn Architekten Franz v. Hoven die Dächer
zu steil gezeichnet und auch das Hauptgesims ungenügend dargestellt, was
der Wirkung dieses Bauwerks wesentlichen Eintrag thut.

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