Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 1.1885

Seite: at
DOI Heft: 10.11588/diglit.24111.10
DOI Seite: 10.11588/diglit.24111#0092
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1885/0092
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Architektonische Rundschau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

~*~i- 1. Jahrgang 1885.

7. Hest.

Monatlich eine Lieferung zum Preise vo7i Mttvli 1. 50.

Ausgewählte Entwürfe

der Preisbewerbung um das Reichsgerichtshaus in Leipzig.

m die Mitte des Monats März ist die bedeutungsvolle Wettbewerbung für ein Geschäftshaus des obersten deutschen
Gerichtshofes zum Austrag gebracht worden. Wir glauben unseren verehrl. Abonnenten einen Dienst zu erweisen,
indem wir aus der Fülle des eingesandten Materials, soweit der beschränkte Raum es gestattete, eine Auswahl zu
ihrer Kenntniss bringen. Für gütige Ueberlassung des Publikationsrechts sei den verehrten Herren Collegen an
dieser Stelle unser Dank ausgesprochen. Noch bemerken wir, dass das Project des Herrn H. Lender in Strassburg
nicht aufgenommen ist, weil die Erlaubniss hiezu nicht erhältlich war.

Die Ausforderung zur Concurrenz ergieng am 8. September 1884 an alle deutschen Architekten. Bis zu dem als Schluss-
termin festgesetzten Tage, dem 15. Februar 1885, giengen 119 Entwürfe ein. Am 12. März war das Urtheil der Jury gefällt,

deren architektonisch-fachmännische Abtheilung durch die Herren Oberbaudirektor Herrmann, Geheimer Baurath Endeil und
Professor Jacobsthal aus Berlin, Oberbaurath Siebert aus München, Ober-Landbaumeister Canzler aus Dresden und Ober-
baurath Professor Dr. v. Leins aus Stuttgart gebildet wurde. Die Entscheidung lautete:

I. Preis: Regierungsbaumeister Hoffmann und Architekt P. Dybwad in Berlin. Motto: Severus.

. $ H. Lender, Architekt in Strassburg.

ii. Ijeis. ( Eisenlohr und Weigle, Architekten in Stuttgart. Motto: Rationi supremae.
r p. • . ( Vischer und Fueter, Architekten in Basel. Motto: Basilika.

III. Iieis. | Oiese und Weidner, Architekten in Dresden. Motto: Justinian.

Programmgemäss war verlangt:

Ein grosser Sitzungssaal nebst Berathungszimmer für das Plenum des Reichsgerichts, die vereinigten Civil- und
Strafsenate u. s. w.

Sechs Sitzungssäle nebst Berathungszimmern für die einzelnen Senate.

Zimmer für Parteien und Boten.

In der Nähe des grossen Sitzungssaals zwei Zimmer für Zeugen und drei Detentionszimmer.

Arbeitszimmer für den Präsidenten und für die Senatspräsidenten.

Zimmer für den Ober-Reichsanwalt, für die Beamten 'der Staatsanwaltschaft, für die Rechtsanwälte und für das
Bureau der Staatsanwaltschaft.

Zimmer für die Rechtsanwälte des Reichsgerichts und die Anwaltskammer.

Eine Bibliothek mit Lesezimmern und Geschäftsräumen für die Bibliothek-Verwaltung.

Zimmer für das Centralbureau, das Rechnungsbureau und die Gerichtsschreibereien.

Zimmer für die Canzleidirection, nebst Räumen für die Canzleien und die Botenmeisterei.

Eine Dienstwohnung für den Präsidenten mit 17 Zimmern und grossem Festsaal.

Dienstwohnungen für den Castellan, die Portiers und Hausdiener.

Eine im Mittelpunkte des Gebäudes gelegene, architektonisch ausgezeichnete Wartehalle für das Publikum.
loading ...