Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 1.1885

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Architektonische Rundschau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

-*-!• 1. Jahrgang 1885.

8. Heft.

Monatlich eine Lieserung zum Preise von Marie 1. 50.

Inhalt.

Tafel 59. Weinhaus der Bayerischen Landesausstellung
zu Nürnberg 1882; entworfen von C. Schick, Professor an der
Kunstgewerbeschule in Karlsruhe.

Der Bau dieses Hauses wurde in fast allen seinen Theilen
als Ausstellungsobject behandelt und hat somit einen ausser-
gewöhnlichen Aufwand an künstlerischer Production erfordert.
Für den Grundriss war Bedingung, dass Weinhändler und Re-
staurateur gesonderte Eingänge erhielten, so dass sich an dem
kleinen Bau, den Haupteingang für das Publikum eingerechnet,
deren drei ergeben. Der Weinhändler erhielt
einen Flaschenraum mit Comptoir, der Re-
staurateur Büffet, Anrichteraum und Spül-
küche. An diese beiden anschliessend be-
findet sich dann vorne die aus zwei Räumen
bestehende Weinstube.

Tafel 60. Wohnhaus in den Champs
Elys&s zu Paris; erbaut von Architekt B o u-
vens daselbst, aufgenommen von P. Boli-
vier, Architekt.

Tafel 61.

Kirche der Ma-
donna di S. Bia-
gio vor Monte-
pulciano, von
Antonio da
Sangallo dem
Aeiteren (1455
bis 1534). Auf-
genommen vom
f Architekten
Karl Bender.

(Aus „Die
Kunstschätze
Italiens“, s. a.

„Literatur“.)

Nach Vasari’s
Zeugniss wurde
der Bau nach
Sangallo’s Mo-
dell und unter

dessen Oberleitung ausgeführt, vermuthlich in den letzten Lebens-
jahren des Künstlers. Das Material ist ein gelblicher, dem Tra-
vertin verwandter Stein und das Ganze macht schon durch dieses
edle Material eine höchst befriedigende Wirkung. Der Grundplan
bildet, ähnlich wie Giuliano da Sangallo’s Madonna delle Carceri
zu Prato, ein regelmässiges griechisches Kreuz mit tonnengewölb-
ten Armen und einer dominirenden Kuppel auf der Vierung. An
den rückwärtigen Kreuzarm, hinter dem Hochaltar, ist eine ovale
Sakristei angebaut. Die Ordnungen des Aeusseren mit seinen
giebelbekrönten Abschlüssen entsprechen im Ganzen genau der
Disposition des Innern. Nur an den Fenstern des Kuppel-
tambours, welcher an der Innenwandung einen etwas dicht ge-
stellten Kranz korinthischer Säulen trägt, ergiebt sich eine selt-

Grundriss zum städtischen Schulgebäude in Stuttgart vom f Stadtbaurath Wolss daselbst,

same Differenz. Neben der Fagade hatte Sangallo zwei Thürme
projectirt, von denen aber, wie unser Bild zeigt, nur einer voll-
endet ist. Wir besitzen darin einen gelungenen Versuch den
mittelalterlichen Thurmbau mit Oktogon und Spitze den Formen
der Renaissance anzupassen. Die Kuppel überragt jedoch mit
der Laterne ziemlich bedeutend die Bekrönung ihres vereinsamt
gebliebenen Trabanten. (v. Lützow.)

Tafel 62. Städtisches Schulgebäude in Stuttgart; ent-
worfen und ausgeführt vom s Stadtbaurath
Wqlff daselbst.

Das Haus ist für Knaben- und Mädchen-
klassen mit verticaler Abscheidung erbaut.
Der hohe Unterbau dient zur Unterbringung
von Feuerlöschgeräthschaften. Die Fagaden
sind zweckdienlicher Weise aus Backstein-
rohbau in Verbindung mit Sandstein erstellt.
Wegen des kürzlich erfolgten Todes des Er-
bauers konnte über die Baukosten leider keine
zuverlässige Angabe erhalten werden.

Tafel 63.

Villa in Eisen-
berg; erbaut
von Architekt
Arwed Ross-
bach in Leip-
zig (siehe Ta-
fel 41, Heft 6).

Tafel 64.

Wohnhaus in
Breslau; ent-
worfen von
Cremer
und

Wolffenstein,
Architekten in
Berlin.

Tafel 65.

Brunnen in

Bern; aufgenommen und gezeichnet von Professor L. Gmelin
in München.

Das Material dieses elegant geformten Brunnens ist so-
genannter Solothurner Marmor (Jurakalkstein). Der quadratische
Kern des Beckens besteht aus zwei Theilen, deren Fuge durch
die seitwärts angelehnten Consolen verdeckt ist.

Tafel 66. Villa Klein-Riehen bei Basel; für Herrn Geigy-
Merian erbaut von J. S t e h 1 i n , Architekt.

Aus dem Werke: L’architecture en Suisse aux differentes
öpoques. Fragments recueillis et publies par Andre Lambert
et Alfred Rychner, architectes.
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