Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 1.1885

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Architektonische Rundschau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

-♦H- 1. Jahrgang 1885.

9. Heft.

Monatlich eine Lieserung zum Preise von DTxtvh 1. 50.

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Inhalt.

Tafel 67 u. 68. Hochschloss Paehl am Ammersee; erbaut
von Architekt Albert Schmidt in München.

Das neue Hochschloss Paehl wurde von dem Architekten
Albert Schmidt in München für Herrn Ernst Czermack, an der
Stelle einer in unver-
gleichlich schöner Ge-
gend gelegenen alten
Burggleichen Namens,
erbaut.

Wie die Reste des
alten Hochschlosses,
welches im Laufe der
Jahrhunderte durch
elementare und ge-
schichtliche Ereignisse
zu einer sog. Schwaige
herabgesunken war,
vor Beginn des Neu-
baues ausgesehen, ist
auf einer Darstellung
unserer Tafel (links
unten) zu ersehen; nur
einige geringe Reste
davon konnten erhal-
ten und in die Neuan-
lage eingefügt werden.

Das „Neue Hoch-
schloss“ gliedert sich
in folgende Bau-
gruppen :

1. das Herrenhaus;

2. das Stall- und
Dienerhaus;

3. den sog. Fremden-
ssügel.

Im Herrenhause,
dessen Breitseite nach
Süden liegt, sind pro-

grammgemäss die
Wohn- und Schlaf-
räume des Besitzers
angeordnet; — abge-
sehen von diesen sind
im Herrenhause zu er-
wähnen :

1. die Eintrittshalle
im Erdgeschoss,
durch Kreuzge-
wölbe überwölbt;

2. die Vorhalle im
I. Geschoss mit
sichtbarer Balken-
decke gedeckt;

3. die Haupttreppe;
welche die beiden genannten Hallen ohne Abtrennung durch
Mauern an denselben derart verbindet, dass vom Podeste
die untere und obere Halle überblickt werden kann ;

4. der mit Kreuzgewölben überwölbte Saal;

5. das Speisezimmer;

6. das Thurmzimmer mit Austritt auf die Terrasse, letztere
beide in Verbindung mit dem Saal;

7. die offene Halle im I. Stock nach Süden, zugleich Winter-
garten ;

8. die offene Gallerie im I. Stock nach dem Hofe;

Ausserdem sind im Herrenhause noch zu erwähnen:

Der Hauptthurm (Bergfried), dessen letztes Galleriegeschoss
als Rundsichts-Raum dient und dessen übrige Geschosse zu Zim-
mern verwendet sind; der runde Treppenthurm, welcher auf jedem

Geschosse die Ver-
bindung zum Haupt-
thurm vermittelt; ein
weiterer Dienst-Trep-
penthurm und schliess-
lich die überwölbte,
durch Säulen getra-
gene Küche.

Im Stallgebäude
haben in dem hallen-
artigen, überwölbten
Raume 8 Pferdestände,
sowie die Remise, Ge-
schirrkammer u. s. w.
nebst den Dienerzim-
mern im Reste des
alten Hauses Auf-
nahme gefunden.

Der sog. Fremden-
ssügel, von welchem
nur ein minimaler
Theil beim Neubau
verwendet werden
konnte, ist zu einem
in sich vollständig ab-
geschlossenen kleinen
Wohnhause für Be-
such mit Wohn- und
Schlafräumen und er-
wähnenswerther Trep-
penanlage erbaut und
eingerichtet worden.

Als letzte Gruppe
sind noch zu nennen:
die vom Saale und
dem Thurm zimmer zu-
gängige Bastei (nach
Süden u. Südwesten),
die Hofterrassen-
Mauer mit Brunnen
und endlich der Thor-
thurm.

Programmgemäss
wurde das „Neue
Hochschloss“ im go-
thischen Stile erbaut.
In Rücksicht auf die
exponirte Lage und
die zu Gebote ste-
henden Materialien
des Aeusseren (für die Gliederung Oberbayrischer Tuff aus den
Brüchen von Polling und Huglfing, für die Flächen gelber
Pollinger Backstein) wurde nach Aussen eine einfache Profan-
Gothik in Anwendung gebracht. Im Innern trat Hand in Hand
mit werthvolleren Materialien das Ornament in sein Recht und
sind hier die Formen der Frühgothik verwendet worden.

Die Kapitale und Consolen der überwölbten Räume sind
aus Kehlheimer Kalkstein, die Säulen aus Salzburger Marmor,
die Plinthen und Sockel theils aus Marmor, theils aus polirtem
Syenit, die Säulen im Saal aus polirtem fichtelgebirger Syenit,

Herrenhaus A.

a Vorhalle.
b Halle.
c Haupttreppe.
d Gänge.
e Vorraum.
f Thurmzimmer.
g Saal.

h Speisezimmer.
i Küche.
k Gesindestube.

I Putzraum.

m Vorhalle z.Gesindestube.
n Abort.
o Speisekammer.

/ Dienstbotentreppe.

Stallgebäude B.

a Vorhalle.
b Pferdestall.
c Laufstand.
d Geschirrkammer.

e Knechtzimmer.
f Remise.

Alte Wohnung C.

a Treppe.

b Räume f. d. Dienerschaft.
c Küche.

Fremdenssügel D.

a Treppe.

b Zimmer.
c Dienerzimmer.
d Küche.
e Closet.

Füllmauer gegen die Bastei E
(darunter).
a Thorthurm.
b Hundezwinger.
c Brunnen.

d Feuersicherer Raum.
e Gesindeabort.

darüber

Aufsahrt

zur

Bastei.

Grundriss zum Hochschloss Paehl am Ammersee, von Architekt Albert Schmidt in München.
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