Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 2.1886

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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

-*-!• 2. Jahrgang 1886. -\—~

5. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. 50.

Inhalt.

Tafel 33. Villa v. Gutmann in Baden bei Wien; erbaut
in den Jahren 1882—1884 von A. v. Wielemans, k. k. Bau-
rath in Wien.

Am Eingänge des romantischen, mit Schlossruinen, steilen
Felsabstürzen und herrlichen Bauten in Nadelholz-Waldungen
prangenden Helenenthaies, an der Strasse nach der altberühmten
Abtei Heiligenkreuz,
liegt am nördlichen
Thalhange auf massig
aufsteigendem Ter-
rain die in den Jahren
1882 bis 1884 neuge-
baute , schlossartige
Villa.

Durch die anstei-
gende!’errainform ge-
geben, ist das Haupt-
geschoss der Villa als
.Parterre (gegen die
Bergseite) einstöckig
gegen die Strassen-
seite gelegt. Das so
entstandene Souter-
rain enthält an der
Vorderseite auch
Parterre - Wohnräume,
eine Halle und Billard-
salon, die Küche und
Nebenräume, daran-
stossend Badezimmer,

Waschküche, Speise-
kammer, Eiskeller
nebst sonstigen Kel-
lerräumen, welche aus
einer hier früher be-
standenen grossen
Brauereikeller - Anlage
erhalten geblieben
sind, die sich bis
zur Grenze des Berg-
absturzes hinzieht. Im
Hauptgeschosse sind
der grosse Salon, der
Speisesaal und meh-
rere Wohnzimmer um
die Eingangshalle und
das Stiegenhaus grup-
piert, während das
Obergeschoss und die
Dachetage (Giebelzim-
mer) zu Schlaf- und
Dienerzimmern ver- Situationsplan der Villa v.

wendet sind.

Der Unterbau ist, soweit er sich als Souterrain zeigt, in
gefugtem Bruchsteinmauerwerk, der Aufbau in Ziegelrohbau
(in gelblicher Farbe und schwarz gefugt) hergestellt. Einen
originellen Farbenschmuck haben die Fagaden durch die farbigen
Majoliken (gelb, weiss und blau) erhalten, welche in die Fül-
lungen des dunkel gebeizten Holzwerkes der Zimmer- und
Tischlerarbeit, sowie der in Ziegelformsteinen hergestellten Ge-
simse eingesetzt sind. Die Dachdeckung ist unglasirter Schuppen-
ziegel mit braunen Firstengraten und grünen Dessins in den
Flächen. Zierliche Schmiede- und Blecharbeiten in den Wimpeln
und Wasserspeiern, durch einige Vergoldungen belebt, vollenden
die äussere Erscheinung der Villa, welche sich in dem Farben-
schmucke angenehm von dem dunklen Bergwalde als Hinter-
grund abhebt. Entsprechend dem Aeusseren sind die Innen-

räume im Style der deutschen Renaissance elegant durchgebildet.
Holzplafonds in verschiedenen Holzarten und Beizen, Lambris,
Marmorkamine mit farbiger Dekoration, Ledertapeten und Glas-
malereien charakterisieren die Empfangszimmer, Stuckdekoratio-
nen an den Gewölben zieren das Vestibül und Stiegenhaus, während
die Schlaf- und Wohnräume einfacher ausgestattet sind. Har-
monisch zum Ganzen
sind die Gartenanlage
und die in derselben
vertheilten Nebenbau-
ten ausgeführt worden.
Gegen die Strasse
schliesst ein leichtes
Eisengitter zwischen
Steinpfeilern und ei-
nem breiten dekorati-
ven Einfahrtsthore den
Garten ab; die noth-
wendig gewordenen
Futtermauern sind zur
Herstellung eines
Wasserthurms und
Grottenanlage nebst
anschliessendem Ge-
wächshause verwendet
worden. In den Ne-
benbauten ist der
gleiche Stylcharakter
wie im Hauptgebäude,
wenn auch vereinfacht,
beibehalten worden.

Tafel 34. Salon in
der Villa v. Gutmann
in Baden bei Wien;
entworfen von A. v.
Wielemans, k. k.
Baurath in Wien.

Täfelung und Pla-
fond sind Fichtenholz,
einzelne Füllungen
Zirbenholz, die Bild-
hauerarbeiten Linden-
holz; das Ganze wurde
in verschiedenen Tö-
nen eichenartig ge-
beizt. Der Kamin ist
aus Grisignano-Stein,
die Säulenschäfte aus
lichtrothem Salzburger
Marmor gefertigt; im
Friese des Kamins far-
bige Steine aufgesetzt.
Der ornamentale Aufsatz des Kamins ist in Gyps und
ähnlich dem unteren Stein abgetönt. Die Wandflächen sind
mit dunklen Ledertapeten bespannt.

Die Thüren sind mit aufgesetzten Schlössern und Zier-
bändern aus polirtem Schmiedeisen beschlagen.

Der Plafond und die Täfelung wurden von der Firma
Heinrich Dübell & Söhne, k. k. Hoftischler, ausgeführt.

Gutmann in Baden bei Wien.

Tafel 35. Wohn- und Geschäftshaus am Kohlmarkt in
Lübeck; erbaut von Julius Grube, Architekt daselbst.

Tafel 36. Eingangsthor der keramischen Abtheilung der
Exposition des arts döcoratifs in Paris (1884); entworfen von
Architekt Desligni^res.

Dieses Portal ist ganz in gebranntem Thon mit Verwendung
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