Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 2.1886

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tief; seine mittlere Vorlage springt 2,10 m gegen die Strasse vor.
Die Faqadenhöhe beträgt an dieser Vorlage vom Trottoir bis
Oberkantehauptgesims 23 m, an den beiden Rücklagen 19,75 m-

Nach hinten erstrecken sich zwei Flügel, die ihre Beleuch-
tung auf den Nachbarseiten jedesmal von einem Lichthofe er-
halten, mit den anderen Seiten sich an den grossen Hof an-
lehnen. Der linke Flügel enthält den Hauptsaal, der rechte
Lehrzimmer; beide Flügel sind 33,80 m lang, der linkseitige
ist 18,20 m, der rechtseitige 11,60 m tief. Der lichte Abstand
desselben von den Nachbarseiten beträgt je 3,40 m, während
der grosse Hof 655 qm umfasst. An seiner hinteren Seite ist
ein Verbindungsgang angeordnet, der die Kommunikation beider
Flügel vermittelt.

Der Hauptflügel enthält: Im Erdgeschoss das Vestibül,
die Haupttreppen-Anlage bis zum II. Obergeschoss und eine
Nebentreppe, welche nach dem Lehrzimmerflügel führt, die
Kastellanswohnung, Expeditionszimmer, zwei Lehrzimmer, Garde-
robe und Vorraum für den Saal, Aborte.

Im I. Obergeschoss einen Saal für Vorträge, 87,0 qm gross,
ein Sitzungszimmer, fünf Lehrzimmer, ein Bibliothekzimmer,
Wartezimmer und Garderobe.

Im II. Obergeschoss einen kleinen Saal von 90,5 qm, acht
Lehrzimmer, ein grösseres und ein kleineres Orgelzimmer.

Der Saalflügel enthält: Im Erdgeschoss den grossen
Saal, 11,30 m breit, 27 m lang, mit ca. 430 Klappsitzen; zwei
seitliche Korridore, jeder 2,10 m breit, eine Orchesternische,
44 qm gross, zwei Garderobezimmer, zugleich auch Lehrzimmer,
Nebentreppen, Abort.

Das Orchesterpodium ist 90 qm gross. Vier Thiiren mit
je einer Nothtreppe führen direkt in’s Freie.

Im I. Obergeschoss die Saalgalerie mit einer Loge für
zusammen ca. 270 Klappsitze, im hinteren Theile des Flügels
zwei- Lehrzimmer resp. Garderobe, Orchesternische mit Orgel,
Nebentreppen, über der Orchesternische Bälgekammer und zwei
Lehrzimmer.

Der Lehrzimmerflügel enthält im Erd-, I. und II. Ober-
geschoss 19 Lehr- und ein grosses Orgelzimmer, Garderobe
und Aborte.

Die Geschosshöhe beträgt inclusive der Balkenlagen resp.
Gewölbe im Keller 3,50 m, im Erdgeschoss 4,96 m, im I. Ober-
geschoss 5,28 m, im II. Obergeschoss 4,48 m.

Der Hauptsaal geht vom Parterre bis zum Dachgeschoss
durch und hat eine lichte Höhe von 12,80 m.

Der Keller enthält die Centralheizungsanlage für den Saal-
flügel, welchem durch einen Motor die frische Luft zugeführt

wird; die Warmwasser-Heizanlage für die Lehrzimmer, die
kleineren Säle und Bureauräume etc., die Heizerwohnung, die
Küche des Kastellans, welche durch eine Nebentreppe mit der
Wohnung im Erdgeschoss verbunden wird. Von der Strasse
führen drei Durchgänge nach den Höfen als Nothausgänge und
Zugang für den Heizer etc.

Im Ganzen enthält das Gebäude einen grossen Saal, zwei
kleinere desgleichen, zwei grosse Orgelzimmer, 44 Lehrzimmer
(theilweise als Garderobe- und Wartezimmer dienend), Direktor-,
Bibliothek- und Sitzungszimmer, Bureauräume, Kastellans-
wohnung. Sämmtliche Lehrzimmer haben doppelte (Schall-)
Decken.

Das Material für die Fagade ist sächsischer Sandstein, für
die Höfe Putzbau. Der Saal wird mit Wellenzink gedeckt, die
übrigen Dächer mit Schiefer. Die Treppen sind massiv von
Werkstein konstruirt und der mittlere Lauf der Haupttreppe ist
3 m, die Seitenläufe je 2,50 m breit.

Die Baukosten betrugen ca. 700,000 Mark.

Tafel 38. Evangelische Kirche und Pfarrhaus in Meran
(Tirol); erbaut von Joh. Vollmer, Architekt in Berlin.

Das Projekt ist hervorgegangen aus einer allgemeinen
Konkurrenz im Jahre 1883.

Die Kirche hat ihre Lage von Ost nach West an der
Hauptpromenade Meran’s, der sogenannten Wassermauer. Als
Material kam für sämmtliche Architekturtheile rother und grüner
Porphyr, für die Flächen, welche in Bruchsteinmauerwerk her-
gestellt wurden, ein Granit von grauer Farbe zur Verwendung.
Die Detailformen sind mit Rücksicht auf das Material ausser-
ordentlich einfache. Sandstein, der nur schwierig und mit
grösseren Kosten zu beschaffen war, ist lediglich zu den Fenster-
masswerken, Gewölbrippendiensten etc. des Innern verwendet
worden.

Thurmhelm und Dächer sind mit rheinischem Schiefer
eingedeckt.

Sämmtliche Tischlerarbeiten, als Thürrne etc., ferner Kanzel,
Altar und Gestühl sind in dem schönen landesüblichen Nuss-
baumholz ausgeführt worden.

Die Kirche hat ca. 240 feste Sitzplätze; Gänge und Vor-
hallen sind mit Rücksicht auf eine Benützung durch Kranken-
fahrstühle sehr geräumig angenommen.

Die Kosten des Baues betragen inclusive der ziemlich reich
durchgeführten inneren Ausstattung, aber exclusive Bauleitung,
Planirungsarbeiten, Einfriedigungen etc. ca. 90,000 Österreich.
Gulden (145,000 Mark).

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