Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 2.1886

Seite: bh
DOI Heft: 10.11588/diglit.24110.13
DOI Seite: 10.11588/diglit.24110#0124
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1886/0124
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Das vorliegende Projekt wurde im ersten Gang mit einem
zweiten Preise ausgezeichnet.

Als Baustelle stand ein trapezförmiger Platz zur Verfügung,
der bei 153 m Länge an den beiden Schmalseiten 56,5 m, bezw.
34m misst, jedoch erforderlichen Falls noch erweitert werden
konnte. Ein Hauptwerth musste der monumentalen Ausbildung
der dem Schlosse zugekehrten kürzeren Schmalseite beigelegt
werden.

Im vorliegenden Entwurf wird das ganze Erdgeschoss von
dem architektonisch in drei Theile zerlegten Börsensaal mit
einigen Nebenräumen eingenommen. Die Beleuchtung des Saals
erfolgt an den Langseiten durch einen in der Höhe des II. Stocks
angebrachten Fensterkranz, an den kurzen Seiten in Höhe des
ersten Geschosses. Ausserdem ist über jedem der drei Saal-
theile Oberlicht angeordnet.

Tafel 72. Villa Beyer in Lindenau-Leipzig; erbaut von
Architekt W. Grimm in Leipzig.

Wir lernen seine Städteanlagen, die Konstruktion jener grandiosen
Steinmetzarbeiten, die Stadtmauern und Thore , die Anlage der Häuser,
Strassen, Kanäle, Brücken, Emissäre und Grabmäler kennen. Mit Hilfe der
reichen Gräberfunde Etruriens werden Rekonstruktionen der Wohnungen
und Tempel hergestellt und mit den aus den vitruvianischen Ueberlieferungen
gewonnenen Resultaten verglichen. Es ist erstaunlich, in welchem Grade
es dem Verfasser gelungen ist, aus dem vorhandenen dürftigen Material
eine ganz respektable Baukunde der Etrusker zu konstruiren.

Entsprechend ihrer weltumfassenden Ausdehnung, ihrer Kühnheit und
Pracht ist die in zahllosen Ueberresten auf unsere Zeit gekommene römische
Architektur behandelt. Die meisten Konstruktionselemente sind den Römern
als Erbschaft älterer Völker zugefallen; aber wie haben sie es verstanden,
diese Theile weiter zu kombiniren, auszubilden und auf eine Höhe tech-
nischer Vollendung und Grossartigkeit zu führen, welche uns billig noch
heute in Staunen setzt? Von allen diesen architektonischen Leistungen,
deren Schwerpunkt nicht wie bei früheren Völkern im Tempelbau zu
suchen ist, sondern in den hohen Aufgaben, welche das erweiterte öffent-
liche und Staatsleben an die römische Baukunst stellte, sind Beispiele an-
geführt und durch Wort und Zeichnung erläutert. Von den Baumaterialien
der Römer an, von Ziegelbau und Steinbearbeitung bis zu den Ausführungen

Konkurrenz-Projekt zur St. Bennokirche für München
von Professor L. Rom eis daselbst.

Ausführung in Verblendziegeln mit Sandsteingliederungen.
Warmwasserheizung aller Räume, inclusive Dachstock. Solide
einfache Ausführung. Gesammtbaukosten 100000 Mark oder
260 Mark pro Quadratmeter.

Grundriss zu dem auf Tafel 63 (8. Heft) veröffentlichten
Konkurrenz-Projekt zur St. Bennokirche für München von Pro-
fessor L. Rom eis daselbst.

Literatur.

Handbuch der Architektur. Unter Mitwirkung von Fachgenossen heraus-
gegeben von Oberbaurath Professor Durm in Karlsruhe, Bauratb
Professor Ende in Berlin, Professor Dr. Schmitt in Darmstadt,
Professor Wagner in Darmstadt.

Th eil II, Band 2: Die Baukunst der Etrusker. Die Baukunst der
Römer. Von Oberbaurath Professor Durm in Karlsruhe. Mit
327 in den Text eingedruckten Abbildungen und zwei in den Text
eingehefteten Farbendrucktafeln. J. Ph. Diehl’s Verlag (Arnold
Bergsträsser) in Darmstadt.

Seit der im Jahre 1881 von demselben Verfasser erschienenen »Bau-
kunst der Griechen«die wir mit wärmstem Interesse begrüsst haben, ist
eine Folge stattlicher Bände des IPandbuchs erschienen, deren jeder für
sich eine Musterleistung genannt werden kann und von denen man voraus-
setzen darf, dass sie die Bibliothek jedes weiterstrebenden Architekten
schmücken werden.

Zwar sind vier Jahre vergangen, bis die »Baukunst der Etrusker und
Römer« derjenigen der Griechen gefolgt ist — ein Zeitraum, der an und
für sich lang erscheinen könnte, der jedoch, wenn wir näher Zusehen, ab-
solut nöthig war um das schaffen zu können, was wir hier vereinigt sehen.
Bedenken wir, dass der Verfasser beinahe sämmtliche von ihm beschriebenen
Reste einer längstentschwundenen, sagenumsclrwebten und vielfach unauf-
gehellten Kulturepoche, wie sie die etruskische ist, selbst aufgesucht, studirt
und gezeichnet, mit Studien Anderer verglichen und sich sodann sein eigenes
Resume aus dieser Thätigkeit gebildet hat, so müssen wir sagen, dass die
Zeit kurz war.

In einer allgemeinen Einleitung erfahren wir das, was sich in der Ge-
schichte über jenes Volk und seine Kunst erhalten hat.

der Bogen, Gewölbe, Wohnhäuser, Paläste und Villen, Tempel und Basiliken,
Fora, Theater, Thermen, Triumphbogen, Aquädukte und Grabmäler, lernen
wir die gesammte Baukunst der Römer in technisch-kritischer Darstellung
und mit besonderer Berücksichtigung der kleinsten Details der Konstruktion
kennen.

Es muss gesagt werden, dass kein Werk existirt, das in gleich an-
schaulicher und fachlich korrekter Weise, mit Berücksichtigung aller
Forschungen auf diesen Gebieten, ein Bild der Gesammtbauthätigkeit der
alten Völker entwirft. Zum Studium der Baugeschichte, wie als Hilfsmittel
der Lehrthätigkeit in derselben, wird sich das treffliche Werk bald unent-
behrlich machen.

Als Fortsetzung der Plochbaukonstruktionen sind als Theile desselben
Werkes erschienen:

III. Theil, 5. Band und 6. Band.

Im 5. Band werden diejenigen baulichen Anlagen der eingehendsten
Betrachtung unterzogen, welche in das Gebiet der Gesundheitstechnik ge-
hören: Die Koch-, Spül-, Wasch-und Badeeinrichtungen; die Entwässerung
und Reinigung der Gebäude; die Ableitung des Haus-, Dach- und Plof-
wassers; Aborte, Pissoirs, die Entfernung der Fäkalstoffe aus den Gebäuden.

Hier insbesondere hat die Neuzeit durch Fortschritte in den Natur-
wissenschaften ein grosses Gebiet erschlossen und es ist eine unübersehbare
Reihe von Konstruktionen erfunden worden, welche den Forderungen der
Hygiene entsprechen sollen. Dem Architekten erwächst gegen früher eine
neue grosse Aufgabe, sich in diesen Neuerungen zurechtzufinden und das
für den gegebenen Fall zweckdienlichste zur Anwendung zu bringen. Zur
Orientirung und Belehrung in diesen neuesten Gebieten seiner Wissen-
schaft ist das vorliegende Werk in hohem Grade geeignet.

Der 6. Band endlich behandelt die neuesten Defensivmassregeln der
Technik gegen Einbruch, Feuer, Blitzschlag, Bodensenkungen, Erderschüt-
terungen. Es enthält ferner einen Artikel von Baurath Orth in Berlin,
worin der auf diesem Gebiete massgebende Verfasser die neuesten Hilfs-
mittel zur Erzielung einer guten Akustik erläutert.

Es folgen Abhandlungen über die Konstruktion äusserer Anlagen, wie
Terrassen, Freitreppen, Rampen, Trottoirs; den Schluss bilden die Kon-
struktionen der Vordächer und Eisbehälter.

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind auch hier, wie im
ganzen Werke, die hinter jedem Abschnitt aufgeführten Special werke, welche
es ermöglichen , im gegebenen Falle sich rasch und vollständig über eine
Frage zu orientieren. W.

-—--.

UNIVERSITÄTS

BIBLIOTHEK

HEIDELBERG

--
loading ...