Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 2.1886

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Tafel 92. Gruppe von Einfamilienhäusern in Turin; ent-
worfen von Architekt L. Neher in Frankfurt a. M.

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Grundriss des I. Stockes.

Freistehendes Wohnhaus in Stuttgart;
erbaut von Architekt Theophil Frey daselbst.

Grundriss des Konkurrenz-Entwurfs zur Errichtung eines Atriums
an der Westseite des Münsters zu Aachen
von Professor F. Ewerbeck daselbst.

Tafel 93. Eingebautes Wohnhaus in Lübeck; erbaut von
Architekt Krüger in Kiel.

Dieses eingebaute Wohnhaus ist unter Anwendung von
Terracotta, hellgelben Verblendsteinen für die Geschosse und
Granit für das Erdgeschoss von Baumeister Krüger in Kiel ent-

worfen und ausgeführt. Während die Karyatiden und die Medail-
lons in den Brüstungen einem alten Hause in der Braunstrasse
in Lübeck entnommen, sind alle übrigen Terracottatheile: wie
durchlaufende Gesimse, Bogen, Bogen-Zwickel, Architrav, Fries
und Haupt-Gesims etc. neu angefertigt. Die Baukosten werden
etwa 100000 Mk. betragen.

Tafel g4. Freistehendes Wohnhaus in Stuttgart; erbaut
von Architekt Theophil Frey daselbst.

Tafel 95. Konkurrenz-Entwurf zur Errichtung eines Atriums
an der Westseite des Münsters zu Aachen; von Professor F. Ewer-
beck daselbst.

Dieser Entwurf ging mit dem ersten Preise gekrönt aus
einer Konkurrenz hervor, welche vier Bearbeitungen erfahren hatte.

Tafel 96. Landhaus in Strobl (Oesterreich); erbaut von
Architekt L. Theyer, k. k. Direktor in Bozen.

Literatur.

Geschichte des Barock-Styles, des Rococo und des Klassicismus von

Cornelius Gurlitt. Stuttgart, Verlag von Ebner & Seubert (Paul
Neff). 1886.

Diese Darstellung ist als Fortsetzung des Werkes der »Geschichte der
neueren Baukunst», dessen Unterabtheilungen »Geschichte der Renais-
sance in Italien» durch Jacob Burckhardt, die »Geschichte der Renais-
sance in Deutschland« und die »Geschichte der Renaissance in Frankreich«
durch W. Lübk e musterhafte Schilderungen erfahren haben, zu betrachten.
Auch ausser diesen Werken hat es nicht an Publikationen gefehlt, welche
die Epoche der besten Renaissance dem Studium in ausgedehntestem Masse
zugänglich gemacht haben und deren Wirkung auf das Kunstleben der
Gegenwart eine tiefeingreifende gewesen ist.

Dem Geiste unserer exakt forschenden Zeit ist es nun längst ein Be-
diirfniss, auch über das grosse Kunstgebiet, welches zwischen der Bltithezeit
der Renaissance und dem Erwachen der klassisch-hellenischen Auffassungs-
weise liegt, einer über 200 Jahre umfassenden, durch eminente Bauthätig-
keit ausgezeichneten Periode, die man bislang gewohnt war und gelehrt
wurde, mit hochmüthigem oder bestenfalls geringschätzendem Achselzucken
zu betrachten, einer vorurteilslosen Würdigung zu unterziehen.

Ein gleichzeitiger, wenn auch weniger schätzenswerter Anstoss ging
vom Kunstgewerbe aus, das in sich überstürzender Eile sämmtliche Stylarten
in wenigen Jahren modeartig durchgekostet und nun bei der Imitation des
Rococo angekommen ist.

Die grosse Zahl von neuesten Veröffentlichungen über Rococo-Erzeug-
nisse beweist das Interesse, welches jetzt diesen späteren Stylarten zu-
gewandt wird, und es ist gewissermassen die Sühnung eines langjährigen
Unrechts, wenn heute ein Werk veröffentlicht wird, das sich zur Aufgabe
macht, die Schönheiten und zweifellosen Fortschritte dieser Jahrhunderte
in das richtige Licht zu rücken. Denn auch ohne ein Enthusiast des Ro-
coco zu sein, wäre es Blindheit, sich den grossartigen Baugedanken jener
Zeit, die besonders in geistvoller Gesammtdisposition und Plangestaltung sich
zu einer früher nicht gekannten Ausbildung erhoben haben.

Die bis jetzt vorliegenden Lieferungen zeigen, dass der Verfasser ein
Werk schaffen wird, das seinen Vorgängern in Beherrschung des Stoffes
und Reichhaltigkeit der Illustrationen nicht nachsteht und dem Architekten
einen weiten Blick in bisher weniger gekannte und nicht genügend ge-
würdigte Gebiete der Baugeschichte eröffnet. W.

Barock. Eine Sammlung von Plafonds, Kartuschen, Konsolen, Gittern,
Möbeln, Vasen , Oefen, Ornamenten, Interieurs, zumeist in kaiser-
lichen Schlössern, Kirchen, Stiften und anderen Monumentalbauten
Oesterreichs, aus der Epoche Leopolds I. bis Maria Theresia, auf-
genommen und gezeichnet von L. Baumann und E. Bressler,
Architekten in Wien. Wien 1885. Anton Schroll & Cie., Kunstverlag.

Der aus der italienischen Renaissance hervorgegangene Barock-Styl ist
besonders in Oesterreich in vielen Schlössern und Palästen durch Schöpfungen
von seltener Pracht und Eleganz vertreten. Zumeist auch sind jene Deko-
rationen von italienischen Meistern in vollendeter Technik ausgeführt.

Es wird daher eine Publikation, welche wie die vorliegende den
Zweck verfolgt, alles, was sich an Charakteristischem und für das moderne
Kunst- und Baugewerbe Verwendbarem in jenen Bauten vorfindet, in guten
Aufnahmen wiederzugeben, gewiss von hohem Interesse sein für alle die-
jenigen , welche diese Kunstweise studiren oder in ihren Formen arbeiten
wollen.

Bis jetzt sind erschienen 4 Lieferungen mit Reproduktionen guter
Original-Aufnahmen von Ornamenten, Plafonds, Möbeln, Gittern, Vasen,
Laternen, Sopraporten, Rahmen, Oefen aus den kaiserlichen Schlössern
Eckartsau, Schlosshof, Belvedere, den Stiften Göttweil, St. Florian, den
Palais Lamberg, Prinz Eugen von Savoyen etc. etc. mit einer Fülle schöner
Einzelheiten, von denen wir besonders die Arbeiten in Stukko und Schmied-
eisen hervorheben wollen. W.

Einen gleichen Zweck wie das zuletzt genannte Werk verfolgt die in
demselben Verlage erschienene Publikation:

Interieurs und Mobiliar des XVIII. Jahrhunderts nach Erfindungen des
Johannjacob Sch übler. Mit einer Einleitung von Dr. Albert
Ilg. Wien 1885. Anton Schroll & Cie., Kunstverlag.

Diese Blätter sind aus den zahlreichen Werken des in der ersten
Plälfte des XVIII. Jahrhunderts hauptsächlich auf dem Gebiete der Publi-
kation von Entwürfen schaffenden Künstlers ausgewählt und in Faksimile-
Lichdruck nachgebildet. Man wird in ihnen anmuthige Gedanken und
verwerthbare Motive finden, wenn es sich um die Ausstattung besonders
reicher Innenräume handelt. W.

UNIVERSITÄTS

BIBLIOTHEK

HEIDELBERG

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