Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 4.1888

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das Arbeitszimmer 5, der Salon 6 m Höhe. Die Baukosten
betrugen bei reichster Ausstattung und einer bebauten Grund-
fläche von 260 qm ungefähr 230000 Franken.

erforderlichen Kostenaufwand von 82700 M. für das Haupt-
gebäude und von rund 87000 M. für die gesamte Bauanlage.
Hiernach berechnen sich die Kosten für den Quadratmeter be-

Tafel 83 u. 84. Neues k. k. Hofburgtheater in Wien;
erbaut von Karl Freiherr von Hasenauer. (Siehe auch
II. Jahrg. Tafel 25, III. Jahrg. Tafel 57, 82 u. 83, IV. Jahrg.
Tafel 27 u. 28.)

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Grundriss des I. Stockes der Villa des Baron von Ötinger
in Frankfurt a. Main; erbaut von Simon Ravenstein, Architekt daselbst.

Tafel 85. Villa des Baron von Ötinger in Frankfurt a.Main;
erbaut von Simon Ravenstein, Architekt daselbst.

Die Vorder- und Seitenfassade sind aus graugrünem Sand-
stein. Der Fries unter dem Hauptgesims stellt die Sage der
Eos und des Thiton dar, versinnbildlicht Tag und Nacht, Jugend
und Alter, und ist in Sgraffito ausgeführt. Decke und Wände
des Salons enthalten Darstellungen aus dem Sommernachtstraum.
Die Decke des Treppenhauses ist mit dem nach Walhalla ge-
spannten und von den Göttern betretenen Regenbogen, den
Walküren und Nornen nach R. Wagners Nibelungen geziert.
Die bildlichen Darstellungen sind von den Malern Hans Thoma
und W. Steinhausen hergestellt. Die Baukosten betrugen 7 5 000 M.

Tafel 86. Portal am Südklint in Braunschweig (1591).
Aus dem Werke „Motive der Deutschen Architektur des XVI.,
XVII. und XVIII. Jahrhunderts“. (Verkleinert.) Siehe Litteratur.

Tafel 87. Wohnhaus Weinberger in Mannheim; erbaut
von Architekt L. Schäfer daselbst.

Tafel 88. Rathaus für Münsterberg i. Schl.; entworfen
von Mühlke und Poetsch, Regierungsbaumeister in Berlin.

Der Entwurf wurde von den Regierungsbaumeistern Mühlke
und Poetsch zu Berlin auf Grund eines unter den Mitgliedern
des Berliner Architektenvereins veranstalteten Preisausschreibens
bearbeitet und ist von der Stadtgemeinde für die im Laufe
dieses Jahres beabsichtigte Ausführung gewählt. Der Neubau
soll an Stelle des alten baufälligen Rathauses, an der Ecke des
hakenförmigen Ringes (Marktplatzes), unter Erhaltung des be-
stehenden Rathausturmes errichtet werden. Die Stellung und
Form des Turmes war für die Ausbildung des Grundrisses und
der Fassaden massgebend. Die demgemäss in derben Renaissance-
formen entworfenen Fassaden werden in den Flächen glatt ge-
putzt, im übrigen aus schlesischem Sandstein hergestellt, die
Plinthe mit Granit verblendet. Die Einteilung des Hauptgeschosses
ist aus dem beigegebenen Grundrisse ersichtlich. Im Keller-
geschoss ist der Ausbau einer Wirtschaft mit Wirtswohnung
vorgesehen. Der Keller, das ganze Erdgeschoss und die Flure
werden überwölbt. Die Haupträume des I. Stockwerks erhalten
echte Holzdecken und Paneele.

Der Kostenanschlag wurde erst nach Bearbeitung sämt-
licher Detail- und Werkzeichnungen aufgestellt und ergab einen

Grundriss des Erdgeschosses zum Wohnhaus Weinberger in Mannheim;
erbaut von Architekt L. Schäfer daselbst.

bautet- Grundfläche auf 184 M., für den Kubikmeter Gebäude-
inhalt (bis Hauptgesims gemessen) auf 15,4 M. Die verhältnis-
mässig geringe Höhe dieser Sätze ist den ausserordentlich nied-
rigen Materialien- und Arbeitspreisen der Gegend zuzuschreiben.

Litteratur.

Motive der Deutschen Architektur des XVI., XVII. und XVIII. Jahr-
hunderts. In historischer Anordnung herausgegeben von A. Lambert
und E. Stahl, mit Text von H. E. von Berlepsch. Verlag von
J. Engelhorn, Stuttgart. 1888.

Wenn dieses Werk seiner Bestimmung gemäss auch keine Monographieen
deutscher Bauten des XVI.—XVIII. Jahrhunderts bringt, sondern sich mit
der Wiedergabe charakteristischer Einzelheiten begnügt, so kann doch nicht
geleugnet werden, dass die bei neueren Publikationen oft sehr zweifelhafte
Bedürfnisfrage hier nicht aufgestellt werden kann, wo es sich um eine Ver-
öffentlichung deutscher Architekturstücke in so mustergültiger Zeichnung
und Ausstattung handelt. Zwar fehlt es uns nicht an Werken aus der Zeit
deutscher Renaissance; jedoch sind diese Publikationen zumeist nicht in der
dem Architekten entschieden nützlichsten Form der geometrischen Projektion
gezeichnet, wie die Lichtdruckwerke, oder sie stehen, wie die deutsche
Renaissance von Ortwein, nicht mehr auf der Flöhe heutiger Ansprüche an
eine gute Darstellung. Auch der Drang der Neuzeit nach Entfaltung späterer
Stilrichtungen kann uns nicht abhalten, die früheren Erzeugnisse der Bau-
kunst einem mehr als bisher üblichen, genauen Studium zu unterwerfen.
Ja man wird bei grösserer Vertiefung finden, dass diese Gebiete durchaus
nicht so erschöpft sind, wie es zuweilen angenommen wird, und dass es
möglich ist, denselben eine Reihe gesunder Baugedanken zu entnehmen und
— bei richtiger Umarbeitung — für die Zwecke der Gegenwart zu ver-
werten. In diesem Sinne glauben wir, dass das nach Inhalt wie Darstellung
gleich vortreffliche Werk auch heute nicht zu spät kommt und sich das
Interesse der Fachwelt erobern wird.
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