Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 5.1889

Seite: 13
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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

5. Jahrgang IS SO. •»—

7. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. 50.

Inhalt.

Tafel 49. Umbau der St. Andreaskirche inWeissenburga.S.
von Professor H. Steindorff in Nürnberg.

An dem grossen Eisenbahnverkehrswege von Nürnberg
nach Eichstätt-Ingolstadt-Miinchen liegt auf ca. ein Viertel Ent-
fernung von Nürnberg die Stadt Weissenburg a. S.; zahlreiche
Scherbenfunde und Ausgrabungen, hier wie in dem benach-
barten Orte Grönhard, weisen auf die Heerstrasse und auf be-
festigte Ansiedlungen der Römer hin. Dem heutigen Reisenden,
welcher im Fluge die Station Weissenburg passiert, prägen sich
vielleicht die Reste ehemaliger mittelalterlicher Stadtmauern,
sowie die mächtige, dicht am Bahnhof gelegene Baumasse der
St. Andreaskirche als Erinnerung ein.

Der Verlauf dieses Kirchenbaues, unter Benutzung von
Inschriftstafeln an den Türmen und dem Chor: 1425, 1470,
1472, 1479, 1527, ist etwa so
zu denken, dass nach oder mit
Fertigstellung des Chorraumes
nebst Türmen im Zeitraum von
hundert Jahren: 1425 bis 1527
(wahrscheinlichesjahr der Chor-
weihung), die annähernd dem
Chore gleich hohe Einwölbung
der drei Schiffe versucht wurde;
hierfür liefert an der westlichen
Mauer des Nordturms ein jetzt
hoch über das niedrige Seiten-
schiff emporragender Schild-
bogenanschluss den Beweis;
aus irgend welchen Gründen
(Brand oder Konstruktions-
mängel) ist diese Anlage auf-
gegeben worden; man wollte
sich mit einem ca. 15 m hohen
Mittelschiff und mit zwei ca.

9 m hohen eingewölbten Seitenschiffen begnügen; hiervon sind
zwei Joche im nördlichen Seitenschiff, unmittelbar an dem grossen
Nordturm, welcher den Schildbogen erster Anlage zeigt, uns er-
halten. Die Einwölbung aber der übrigen zehn Joche in den
Seitenschiffen und der sechsjoche im Mittelschiff ward nicht durch-
geführt. Man begnügte sich dann weiter mit Holzdecken, deren
Wandschwellen auf Kragsteinen ruhten; aus diesen sind später
vergipste Decken geworden, von welchen die Mittelschiffdecke so
ungünstig angeordnet ist, dass dieselbe unterhalb des Schlusssteins
vom Triumphbogen roh in diesen horizontal hineinschneidet.

Es ist nun bei der Restaurierung beabsichtigt, diese Ver-
unstaltung von Schiff und Chor zu beseitigen, zugleich dem Mittel-
schiff, welches wegen der niedrigen Seitenschiffe jetzt sehr dunkel
ist und dabei die meisten Sitzplätze hat, mehr Licht zuzuführen,
ferner den Gegensatz der Höhe in den jetzigen Dachanlagen,
wobei das Chorzeltdach gewaltig vorherrscht, zu mildern, und
endlich das ganze Innere einfach, aber würdig auszumalen.

H. Steindorff.

Tafel 50 u. 51. Eckrisalit vom k. k. Kunsthistorischen
Hofmuseum in Wien; erbaut von Carl Freiherr v. Hasen-
aue r daselbst.

Tafel 52. Wasserspeier von den sogenannten Beischlägen
in Danzig; aufgenommen von Architekt G. Mirk o vszky in Berlin.

Tafel 53. Wohnhaus Saxer in Goslar a. H.; erbaut von
Professor K. Henrici in Aachen.

Das Grundstück, auf welchem das Gebäude zu errichten
war, bildet einen Abschnitt der alten Stadtumwallung, deren
Rücken sich etwa 5 m über der stadtseitig vorbeiführenden
Strasse erhebt.

Das Haus war in die Anhöhe hineinzubauen und die An-
ordnung ist so getroffen worden, dass das Untergeschoss der
Hauptfassade voll zur Erscheinung kommt, während die drei
andern Seiten nur als Sockel über dem terrassenförmig erhobenen
Teile des Terrains hervorragen.

Das Untergeschoss enthält im vordem Teil Küche, Wasch-
küche, Dienstboten-Zimmer',
nach hinten Heizungund Keller-
räume.

Im I. Stock befinden sich
die Wohnzimmer nebst Speise-
zimmer, im II. Stock, sowie in
den Giebeln des III. Stocks
Schlaf- und Fremdenzimmer.

Mit dem Terrain hebt sich
auch die Baumasse nach der
Tiefe des Grundstücks, derart,
dass das an der vordem Seite
zum Teil nur als Kniestock
zur Erscheinung kommende
II. Geschoss auf der Rückseite
als ganzes Stockwerk erscheint.

Die Kellermauern sind zum
Teil aus Cementbeton herge-
stellt; im übrigen bestehen die
Wände aus Backsteinmauer-
werk, welches unten mit hellgrauem Sandstein verblendet, oben
zwischen den aus gleichem Material hergestellten Fenster-
einfassungen, Ecken und Bändern mit dunkel gefärbtem Mörtel
sehr rauh beworfen ist.

Das obere Stockwerk ist in Fachwerk hergestellt, die
Fächer mit Sgraffiten verziert. Mit Ausnahme des Westgiebels,
welcher durch Beschieferung gegen den Schlagregen zu schützen
war, ist diese Dekoration rings herum durchgeführt.

Bei der freien und erhöhten Lage des Gebäudes war auf
eine möglichst gleichwertige Ausbildung der sämtlichen Fassaden,
sowie auf eine nach allen Richtungen hin sich günstig dar-
stellende Silhouette des Gebäudes besondrer Wert zu legen.

Ein Nebengebäude, welches Stallung, Remise und Kutscher-
wohnung enthält, ist hart an der Strasse, in der Südwestecke
des Grundstücks errichtet und in technisch ähnlicher Weise
behandelt, wie das Hauptgebäude.

Tafel 54. Geschäfts- und Wohnhaus Milani in Frank-
furt a. M.; erbaut von Architekt Franz Lönholdt daselbst.

Das in der Bleidenstrasse gelegene Geschäfts- und Wohn-
haus der Delikatessen- und Kolonialwaren-Firma Joseph Milani
in Frankfurt a. M. wird durch einen rückwärts anschliessenden

I. Stock.

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Grundriss des Wohnhauses Saxer in Goslar a. H.;
erbaut von Professor K. ITenrici in Aachen.
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