Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 5.1889

Seite: 22
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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART

-*~i- 5. Jahrgang 1889.

11. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. 50»

IN HALT.

Tafel 8i u. 82. Pschorrbräu in Berlin; erbaut von
Kayser & von Grossheim, Architekten daselbst.— Fassade
gegen die Französische Strasse und grosser Restaurationssaal.
(Siehe auch Lieferung io, Tafel 74 u. 75.)

Tafel 83. Landhaus in Woodlands bei Manchester; erbaut
von Architekt Ed. Salomons.

Tafel 84. Villa in Leutzsch bei Leipzig; erbaut von
Architekt H. Friedei und Maurermeister Fr. Roch in Leipzig.
Die Baukosten dieses niedlichen, in
Elbsandstein und Verblendern errich-
teten Landhauses betrugen 32000 M.

Tafel 85. Palais Espenschied
in Koblenz; erbaut nach Plänen von
Mylius & Neher, Architekten in
Frankfurt a.M.; vollendet vonNeher
& von Kauffmann, Architekten
daselbst.

An der Ecke des Clemensplatzes
und der Karmeliterstrasse in Koblenz
stand seit Ende des vorigen Jahr-
hunderts das Stammhaus der grossen
Weinfirma Espenschied. Imjahri882
erhielten die Architekten Mylius &

Neher in Frankfurt a. M. den Auftrag,
an der Stelle des alten Baues, mit
möglichster Schonung und Benutzung
der vorhandenen Kellerkonstruktio-
nen, einen Neubau zu errichten, der auf der einen (westlichen)
Hälfte des Grundstücks die Geschäfts- und Wohnräume des
einen Firma-Inhabers, auf der andern (östlichen), in vier Etagen
verteilt, Wohnungen enthalten sollte, welch letztere — je nach
Bedarf und Wunsch vereinigt — an zwei bis vier Parteien ver-
mietet werden könnten. Einige hochgewachsene Bäume, welche
den ehemaligen hofartigen Garten zierten, sollten ebenfalls
thunlichst geschont und berücksichtigt werden.

Die günstige Lage der Hauptfassade an dem weit ge-
öffneten Platze, sowie die fast unmittelbare Nachbarschaft des
Neubaues der Kaiserl. Oberpostdirektion, legten den Bauherren
den Wunsch nahe, auch an ihrem Haus grosse und monumentale
Verhältnisse zur Entwicklung zu bringen, und wurden demgemäss
die Weiten der Fensterachsen und die Stockwerkshöhen (letztere
cirka 5 m in den drei Hauptstockwerken) angenommen.

Die Hauptfassaden des Gebäudes sind in Udelfanger Sand-
stein ausgeführt; an der Hoffassade kam in den grossen Flächen
und der Parterrebossage Brohler Tuffstein zur Verwendung;
das Küchengebäude und die rückwärtige, dekorativ ausgebildete
Gartenmauer haben teilweise Ziegelblendung und Putzflächen
mit farbigem Sgraffito erhalten.

Einen besondern Schmuck erhielten die Hauptfassaden
durch reiche Skulpturwerke von Friedr. Schierholz in Frank-
furt a. M., welchen in feiner künstlerischer Darstellung Motive
aus Sage und Kultur am Rhein, an Mosel und Nahe unter-
gelegt sind.

Das Innere enthält etwa fünfzig
reich ausgeschmückte Räume und
wurde durchaus nach Angabe und
unter der Leitung der Architekten
Neher & von Kauffmann in Frank-
furt a. M. ausgeführt. In den Vesti-
bülen und Treppenhäusern kam Mar-
mor, Stuck, Schmiedeeisen und Bronze
zur Anwendung.

Die hervorragend schönen Mar-
morplaccagen im I. Stock-Vestibül des
Westflügels wurden von Gussoni in
Turin geliefert. Die Säle und Zimmer
erhielten reich gemalte Stuckplafonds
und ächte Wandbespannungen oder
Holzdecken und Wandtäfelungen in
gediegenster Ausführung, mit welch
letzterer die bewährtesten Frankfurter,
Kölner und Koblenzer Handwerks-
firmen beauftragt waren. — Das ganze Gebäude erhielt auf
ausdrücklichen Wunsch der Bauherren Ofenheizung, zu welcher
Heizkörper von Majolikakacheln und Marmor hergestellt wurden.

Die Baukosten beliefen sich exklusive Mobiliar auf cirka
700000 Mark.

Tafel 86. Das „Zwergenhaus“ in Prag; aufgenommen
von F. Ohmann, Architekt und Lehrer an der k. k. Kunst-
gewerbeschule daselbst.

Das „Zwergenhaus“ in Prag ist das Hauptgebäude einer
als Sommeraufenthaltsort gedachten Anlage, deren Grundriss
vorliegt. Kilian Ignatz Dintzenhofer, der Meister desselben,
Sohn des Christoph Dintzenhofer, dem Böhmen und die ge-
samte Architekturwelt das Einlenken in eine ganz eigentüm-
liche, vom italienischen Schema abweichende Richtung verdankt,

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Grundriss des „Zwergenhauses“ in Prag;
aufgenommen von F. Ohmann, Architekt und Lehrer
an der k. k. Kunstgewerbeschule daselbst.
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