Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 6.1890

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die einfache, aber sehr reizvolle architektonische Gestaltung
der Renaissancebauten der Wesergegend und des Lippeschen
Landes gewählt worden.

Die Architekturglieder werden in grau-
rötlichem Sandstein, die Flächen in Putz
hergestellt werden; das Dach erhält Schiefer-
deckung in deutscher Art.

Die Baukosten für das Wohngebäude,
abgesehen von den Nebenanlagen, werden
etwa 45000 Mark betragen.

Tafelöl. Erker in Feldkirch. (Ende
des 15. Jahrhunderts.) Verkleinerte Dar-
stellung aus dem Werke „Motive der
Deutschen Architektur des XVI., XVII.
undXVIII.Jahrhunderts“. (SieheLitteratur.)

Obergeschoss die Schlafzimmer. Das Baumaterial der Fassaden
ist hellroter Mainsandstein. Die Säulen am Ladeneingang sind
aus poliertem Syenit mit Basen und Ka-
pitalen aus Bronze.

Tafel 62. Wohn- und Geschäftshaus
des Herrn Caspar Schneible in Mainz;
erbaut vom f Architekt Ph. Baum.

Den Grundriss betreffend ist zu be-
merken, dass Fabrik und Wirtschaftsräume
(Küche etc.) sich in einem alten Flügel-
bau befinden. Der Neubau enthält im Erdgeschoss Geschäfts-
räume, im ersten Obergeschoss Wohnräume und im zweiten

Grundriss des Restaurationslokals
„Kaiserhof“ in Köln; entworfen von
Architekt A. L. Zaar in Berlin;
erbaut von Baumeister Leinen in Köln.

Tafel 63 u. 64. Restaurationslokal
„Kaiserhof“ in der Salomonsgasse zu Köln ;
entworfen von Architekt A. L. Zaar in
Berlin; erbaut von Baumeister Leinen in
Köln. — Fassade und Schnitt.

Der mit allen Erfordernissen der Neu-
zeit ausgestattete, reich dekorierte Saal
hat bei 8 m Höhe einen Flächenraum von
320 qm. 16 Marmorsäulen (Imitation)
tragen die reichgeschmückte Decke. An
der Frontseite ist über den Säulenkapitälen
eine Galerie angeordnet, welche sich gegen
den Saal öffnet. Decke und Wände haben
eine luxuriöse Ausstattung mit Malerei,
Skulptur, Spiegeln, Glasmalereien und Ver-
goldung erhalten. Der Saal ist elektrisch
beleuchtet und mit guter Ventilation ver-
sehen.

Im Untergeschoss befindet sich ein Raum mit 10 Billards,
während die oberen Etagen 30 Hotelzimmer enthalten.

Litteratur.

Vom Architekten- und Ingenieurverein zu Hamburg geht
uns der Prospekt eines illustrierten Werkes „Hamburg und seine Bauten“
zu, das der genannte Verein aus Veranlassung der im August d. J. nach
Hamburg einberufenen Wanderversammlung des Verbandes deutscher Archi-
tekten- und Ingenieurvereine herauszugeben gedenkt.

Das Buch wird ungefähr 25 Bogen Grossoktav umfassen und einen
durch Stadtpläne aus verschiedenen Jahrhunderten erläuterten Abriss über
die Geschichte der Bauentwicklung Hamburgs enthalten. Die in Aussicht
genommenen zahlreichen Abbildungen von Gebäuden versprechen nach
den uns vorliegenden Proben sehr interessant und wertvoll zu werden.

Unsre Tafel 58 gibt eine vergrösserte Abbildung aus der Publikation
als Probe.

Der Subskriptionspreis des empfehlenswerten Werkes beträgt 10 Mark
für die Ausgabe auf gutem Druckpapier und M. 12. 50. für die Ausgabe
auf Kupferdruckpapier.

Motive der Deutschen Architektur des XVI., XVII. und XVIII. Jahr-
hunderts, in historischer Anordnung herausgegeben von A. Lambert
und E. Stahl; mit Text von II. E. von Berlepsch. Erste Ab-
teilung: Früh- und Plochrenaissance 1500—1650. 100 Tafeln

Grossfolio (48 : 32 cm), mit einer historischen Einleitung und er-
läuterndem Text. Verlag von J. Engelhorn in Stuttgart.

Nachdem nunmehr der erste Teil dieses von uns im Jahrgang 1888,
Lieferung 11 besprochenen Werkes mit 100 Tafeln zum Abschluss gelangt
ist, möchten wir das Interesse der Fachwelt wiederholt auf diese schöne
Publikation lenken, der wir auf Tafel 61 eine weitere Abbildung entnommen
haben.

Die gute Auswahl der Blätter, sowie ihre vorzügliche Darstellung
ist dieselbe geblieben, und es bildet schon jetzt dieser erste Teil eine reiche
Sammlung von Motiven deutscher Bauweise früherer Jahrhunderte. Nach

Ilinzutritt des ebenfalls auf 100 Tafeln bemessenen zweiten Teils wird das
Werk einen hervorragenden Platz unter den architektonischen Publikationen
der Neuzeit einnehmen.

Lehrbuch der gotischen Konstruktionen, von G. Ungewitter. 3. Auf-
lage. Neu bearbeitet von K. Mohrmann, Professor am baltischen
Polytechnikum zu Riga. Mit über 1200 Abbildungen im Text und
eingehefteten Tafeln. Leipzig, Verlag von T. O. Weigel Nachfolger
(Chr. Herrn. Tauchnitz). 1890.

Das Werk Ungewitters über die gotischen Konstruktionen steht in
der deutschen Litteratur noch heute unübertroffen da. Es hat sich jedoch
infolge einer gewissen Undurchsichtigkeit in Anordnung und Gliederung,
sowie mangels der Berücksichtigung neuerer Forschungsergebnisse nicht so
viele Freunde erworben, als der Bedeutung des Stoffes entsprechend an-
zunehmen wäre. Dazu kam die höchst lästige Trennung des Textes von
den Figuren, welch letztere, auf grossen Tafeln massenhaft zusammen-
gedrängt, das Studium ungebührlich erschwerten.

Es muss daher der bisher in drei Lieferungen vorliegenden Neubearbei-
tung, welche zur Behebung dieser Mängel unternommen worden ist, das
lebhafteste Interesse entgegengebracht werden.

Die Umarbeitung durchzieht das ganze Werk und ist besonders durch-
greifend in den Artikeln „Gewölbe“ und völlig neu in „Form und Stärke
der Widerlager“.

Dieser konstruktive Teil, der alles Weitere bedingt, steht mit Recht
an der Spitze des Werkes, das hierdurch in überraschender Weise an Klar-
heit des Aufbaues gewinnt. Jene beiden Artikel allein umfassen die statt-
liche Zahl von 110 Seiten und sind in dem bis jetzt erschienenen Teil
als die eigenste Zuthat der Neubearbeitung anzusehen.

Indem wir dieses Werk den Fachgenossen aufs beste empfehlen, sind
wir der Überzeugung, dass es in seiner neuen Gestalt geeignet ist, zum
Studium der gotischen Bauweise anzuregen und auf die Baukonstruktion
im allgemeinen einen gesunden Einfluss zu üben.


Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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