Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 8.1892

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Grundrisse des Wohnhauses Geiger in Budapest; erbaut von Architekt Sigmund Quittner daselbst.

Das Gebäude, von dem Gesangverein Liedertafel in Mainz
zur Aufführung von Konzerten, zu geselligen Veranstaltungen etc.
errichtet, war 1888 Gegenstand eines allgemeinen Wettbewerbes.
Die aus demselben hervorgegangenen Entwürfe wurden jedoch
von dem Verein nicht zur Ausführung angenommen und der
Architekt Clemens Rühl in Mainz beauftragt, teilweise im An-
schluss an die allgemeine Grundrissdisposition des zweitprämiier-
ten Plans (von Hecker in Düsseldorf) einen neuen Entwurf
aufzustellen, der unter Leitung des Verfassers zur Ausführung
gelangt ist.

In der Mittelachse des Obergeschosses liegt der Konzert-
saal, zu beiden Seiten die Haupttreppen und Galerietreppen,
links der Speisesaal, rechts Wohnungen für Hausmeister und
Restaurateur. Der Saal hat auf drei Seiten eine Galerie und
fasst im ganzen ca. 1000 Zuhörer; das Podium hat Raum für
150 Sänger und 50 Musiker, sowie für eine Orgel.

Im Erdgeschoss liegt in der Mittelachse der Haupteingang
und das Vestibül mit den Treppenaufgängen, sodann die Garde-
robe und daran anschliessend der Probesaal des Vereins, der
bei Konzerten als Versammlungsraum für die Mitwirkenden dient
und deshalb durch Treppen mit dem Podium im Konzertsaal
verbunden ist. Im linken Teil des Erdgeschosses liegt eine
öffentliche Restauration mit Garten und Kegelbahn, auf der
rechten Seite die Ein- und Ausfahrt. Ausserdem enthält das
Erdgeschoss noch drei Läden mit Ladenzimmern in einem
Zwischengeschoss. Die Pissoir- und Abortanlagen für die oberen

Säle befinden sich ebenfalls im Zwischengeschoss. Küche, Wirt-
schaftsräume und Raum für die Centralheizung liegen im Keller-
geschoss, das noch einen grossen Weinkeller enthält. Die Fassade
nach der Strasse ist ganz in grünlichgrauem Sandstein aus den
Brüchen bei Staudernheim an der Nahe ausgeführt.

Tafel 47. Villa für Abbazia; entworfen von Professor
L. Theyer in Graz.

Die Villa Nr. IV auf der Campagna Mandora im klimati-
schen Kurorte und Seebade Abbazia wurde im Aufträge der
k. k. priv. Südbahngesellschaft von Professor L. Theyer ent-
worfen, welcher auch die Baupläne und Details lieferte, während
der Oberingenieur der Südbahn, Herr Oswald Meese, die Bau-
leitung führte. Die Kostensumme beläuft sich auf ca. 30000 fl.,
die bei dem Umstande, dass sämtliche Baumaterialien aus Triest,
Laibach, Graz und Wien beschafft werden mussten und die
Arbeitslöhne um ca. 5o°/o höher sind als anderwärts, eine
mässige genannt werden muss. Sämtliche konstruktiven Archi-
tekturteile, als Säulen, Gesimse, wie auch Freitreppe, Baikone
und Balustraden sind aus Istrianerstein, während die Flächen
verputzt sind. Die Friese sind mit Freskomalerei geschmückt
und das sichtbare Dachgespärre mit gebräuntem Firnis gestrichen.

Tafel 48. Gotischer Brunnen in Ulm von Jörg Syrlin
(1482). Mit Wasserspeiern der Spätrenaissance. Aufgenommen
von Robert Knorr in Stuttgart.

Grundrisse des Konzerthauses des Vereins Liedertafel in Mainz; erbaut von Architekt Clemens Rühl daselbst.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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