Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 8.1892

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Die Bühne ist nach Angabe des Herrn Inspektors Rudolph
ausgeführt und hat eine Länge von 10,3 m und eine Breite von
14 m. Die Einrichtung lässt die Aufführung von Opern und
Ausstattungsstücken zu. Das ganze Theater ist von einer Cen-
tralstation aus elektrisch beleuchtet.

Tafel g2. Rheinische Bierhalle in Mainz; erbaut von
Architekt H. Ritter in Frankfurt a. M.

Die Rheinische Bierhalle,
erbaut im Jahre 1885, ist un-
mittelbar am neuen Central-
bahnhof in Mainz gelegen,
dient in erster Linie den In-
teressen der Rheinischen Bier-
brauerei in Mainz und enthält
deshalb im Parterre und Sou-
terrain vorwiegend Wirtschafts-
räume, in den drei oberen
Etagen je zwei Wohnungen
von fünf und sechs Zimmern
mit Zubehör.

An den grossen Wirt-
schaftssaal schliesst sich vorn
die Terrasse, links ein kleine-
res Zimmer, hinten ein Garten
und rechts zwei um einige
Stufen höher gelegene Wirt-
schaftsräume an. Hinter die-
sen befindet sich, von der
Strasse direkt zugänglich, eine
besondere Kutscherwirtschaft.

Die Fassade ist in rotem
Mainsandstein mit hellgelben Holzmannschen Blendziegeln aus-
geführt.

Tafel g3. Gartenhaus in Lauf a. Pegnitz; erbaut von
Professor Ernst Haeberle in Karlsruhe.

Das Gartenhaus enthält unten eine Laube, eine Kammer
für Gartengerätschaften und den Hundestall. Im Stockwerk
darüber, auf der Höhe der am Grundstück vorüberfühlenden
Strasse, ein Gartenzimmer zum Aufenthalt bei schlechtem Wetter,
beziehungsweise Absteigequartier des in Nürnberg wohnenden
Besitzers, einen Altan und die aus Werkstein hergestellte Frei-

treppe. Diese vermittelt zugleich eine Verbindung des tiefer
liegenden Grundstücks und damit der Fabrik mit der zum
Bahnhof führenden Strasse. Der Aufgang zum Speicher ge-
schieht durch eine hölzerne Wendeltreppe mit voller Spindel.
Das Holzfachwerk ist in der, im Pegnitzthal üblichen satt-dunkel-
roten Farbe gestrichen, Fensterladen etc. sind bunt. Der Putz
rein weisse Kalkfarbe. Das Dach ist mit Schiefer gedeckt.

Tafel g4. Entwurf einer
Synagoge für Breslau von
Cremer & Wolffenstein,
Architekten in Berlin.

Tafel gs. Treppenhaus
im Schloss Mirabell in Salz-
burg; aufgenommen von Ar-
chitekt H. Kirchmayr in
München.

Diese Treppe wurde vom
k. k. Hofbaumeister Lucca de
Hildebrandt (geb. 1660 zu
Genua) im Auftrag des Fürst-
bischofs Harrach von Salzburg
im Jahre 1720 erbaut. Sie ist
dreiarmig angelegt und durch
zwei Stockwerke geführt. Ihre
Wände waren früher poly-
chrom behandelt und teilweise
vergoldet. Die Postamente
zwischen den von Rafael
Donner herrührenden Putten
trugen grosse vergoldete Kan-
delaber.

Die Decke des Treppenhauses war stuckiert und enthielt
Gemälde von Altomonte. Im Jahre 1818 wurde sie durch
Feuer zerstört.

Tafel g6. Barockfassade des Palais Windischgrätz, Renn-
gasse in Wien; aufgenommen von Architekt Ludwig Schmidl
daselbst.

Das Palais ist im Jahre 1702 erbaut (erster Besitzer: von Sey-
mann) und ging 1783 in den Besitz der fürstl. Windischgrätz-
schen Familie über. Der Architekt ist nicht bekannt. Die
Bauformen sind in der Art Fischers von Erlach entworfen.

Erdgeschoss".

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Entwurf einer Synagoge für Breslau
von Cremer & Wolffenstein, Architekten in Berlin.

Grundriss des Erdgeschosses.

Litteratur.

Trachten, Haus-, Feld- und Kriegsgerätschaften der Völker alter und
neuer Zeit, von Friedrich Hottenroth. Verlag von Gustav Weise
in Stuttgart.

Nachdem nun das von uns früher besprochene Werk vollendet und
bis zum Jahre 1840 ausgedehnt vorliegt, lässt sich übersehen, welch un-
endlich reiche Sammelarbeit hier in Wort und Bild geboten ist.

Auf 240 Tafeln, mit vielen tausend Kostümfiguren und zahllosen
Waffen und Geräten, entrollt der Verfasser ein vollständiges ethnographisches
Gemälde aller Zeiten. Ein mit vielen Holzschnitten geschmückter Text
vollendet das einzig in seiner Art dastehende Prachtwerk. Die Nennung
der Quellen beweist, dass beim Studium des Materials kein irgend nennens-
wertes Werk unbeachtet geblieben ist.

Die deutschen Bildsäulen-Denkmale des 19. Jahrhunderts, von Baurat
PI. Märtens. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart.

Die beiden vorliegenden Lieferungen, deren das ganze Werk 15 um-
fassen wird, zeigen die Anfänge eines Prachtwerks, das in vorzüglichen
Lichtdrucken eine vollständige Übersicht der monumentalen deutschen Kunst
bieten wird. Zunächst ist dasselbe für Bildhauer und Architekten berechnet.
Für sie entwickelt der Verfasser in der Einleitung die Grundzüge der
ästhetischen Gesetze, welche beim Entwurf eines Denkmals berücksichtigt
werden müssen. Der jeder Tafel beigegebene Text enthält ferner wertvolle
Angaben über Material, Grösse, Aufstellung und Herstellungskosten. Rechnet
man hierzu die oft ganz unbekannt gebliebenen archivalischen Notizen von
teilweise grossem historischen Werte, so gewinnt das Werk auch für jeden
Gebildeten ein hohes Interesse.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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