Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 13.1897

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das bayrische Hoheitszeichen -wurde der feinkörnige Ködnitzer
Stein gewählt. Im Erdgeschosse, auf das sich die künstlerische
Ausstattung beschränkte, liegen die Geschäftsräume, welche
sämtlich von dem durch die ganze Haustiefe sich erstreckenden
Banksaal aus zugänglich sind. In einem Zwischengeschosse ist
die Wohnung des Hausmeisters eingerichtet; in den oberen

Geschossen liegen zwei Wohnungen für Beamte. Das Haus ist
durch Gas beleuchtet und durch eine Niederdruckdampfheizung
erwärmt.

Im Hofraum sind für den Bankdiener ein Wohnhäuschen
und ein Nebengebäude für Waschküche und Holzlegen erbaut.

Die Gesamtbaukosten betrugen 170000 M.

Litte

Die bildenden Künste. Kurzgefasste allgemeine Kunstlehre in ästhetischer,
künstlerischer, kunstgeschichtlicher und technischer Hinsicht, von
Hermann Riegel. Vierte völlig neu bearbeitete Auflage. Mit 77 Ab-
bildungen. Frankfurt a. M., Verlag von Heinrich Keller. 1895.

Vor dreissig Jahren hat der Verfasser unter dem Titel ,,Grundriss
der bildenden Künste“ ein Werk erscheinen lassen, das sich bald die höchste
Anerkennung sicherte und noch heute unübertroffen dasteht. Eine durch-
greifende Ueberarbeitung und Erweiterung jenes Werkes stellt vorliegende
Arbeit dar, welche als völlig neues Buch betrachtet werden kann.

Ein Werk Hermann Riegels kann der Empfehlung entbehren. Wir
begnügen uns, festzustellen, dass der in der verwandten Litteratur vor-
herrschende Phrasenreichtum hier völlig fehlt und gerne vermisst wird. Nur
Wesentliches ist in prägnanter Kürze zur Darstellung gelangt, ein Vorzug,
der besonders von Fachmännern geschätzt werden wird.

Balthasar Neumann, Artillerie- und Ingenieur-Obrist, fürstlich Bambergi-
scher und Würzburger Oberarchitect und Baudirector. Eine Studie zur
Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts, von Dr. Ph. Joseph Keller.
Wiirzburg, Verlag von E. Bauer. 1896.

Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, das Leben und Wirken
des neben Fischer von Erlach genialsten süddeutschen Baumeisters des
18. Jahrhunderts auf Grund eines eingehenden Quellenstudiums darzustellen
und hiermit die Würdigung der Verdienste eines seltenen Mannes anzubahnen,
dessen ausgebreitete Thätigkeit die grösste Bewunderung verdient. Die
Tage, in denen das 18. Jahrhundert auch unter den ausübenden Künstlern
als das verachtete galt, sind ja glücklicherweise vorüber, und nachgerade
ist es Zeit, dass auch die Kunstgeschichte in ihren Spalten aufräumt mit
den achselzuckenden und vornehm bedauernden Bemerkungen, womit eine
unsrer interessantesten und schöpfungsreichsten Bauperioden bis vor kurzem
abgefertigt zu werden pflegte.

Staunenerregend, im Profan- wie im Kirchenbau, ist die Thätigkeit
Neumanns, welche sich über die Bistümer Würzburg, Bamberg und Speyer,
die Kurstaaten von Trier und Köln, ja bis nach Oesterreich und Ungarn
erstreckte.

Die Ausstattung des Buches ist eine verhältnismässig gute. Die ziem-
lich zahlreichen Abbildungen lassen ahnen, wie glänzend sich das Lebens-
werk Neumanns darstellen würde, wenn diesem verdienstvollen Buche ein
Werk zur Seite träte, welches seine Schöpfungen in mustergültigen archi-
tektonischen Aufnahmen zur Darstellung brächte.

Die Architektur der Kolumbischen Weltausstellung zu Chicago 1893.

Nach amtlichen Quellen bearbeitet von Franz Jaffe, königl. Regie-
rungsbaumeister und Mitglied der Kaiserlichen Reichskommission für
die Weltausstellung zu Chicago. Mit 28 Tafeln und 30 Abbildungen.
Berlin, Verlag von Julius Becker. 1895.

Die vorliegende Schrift gibt in zusammenhängender und übersicht-
licher Form Aufschluss über die Bauten der Weltausstellung zu Chicago,
mit Benutzung amtlicher Quellen. Eine vergleichende Darstellung der
vorhergehenden Ausstellungen zu Paris, Philadelphia und Wien mit der-
jenigen zu Chicago lässt die ungeheure Grösse dieses Unternehmens be-
sonders deutlich zu Tage treten. Die Entstehungsgeschichte des Ausstellungs-
plans enthält eine wertvolle Aufzählung der beteiligten einheimischen und
fremden Plilfskräfte. Im Abschnitt,,Vorarbeiten“ werden wertvolle Angaben
über amerikanische Bauweise gemacht, während der letzte Abschnitt
statistische Angaben aller Art, insbesondere über Abmessungen und Kosten
der Hauptgebäude enthält. Die Illustrationen und Pläne des Werkes sind
mustergültig. Das Werk ist in erster Linie für die Fachwelt bestimmt und
wird bei ähnlichen Aufgaben ein wertvolles Studienmaterial bilden.

Bauwerke der Schweiz. Herausgegeben vom Schweizerischen Ingenieur-
und Architektenverein. Heft I. Zürich, Verlag von A. Raustein. 1896.

Am 13. Januar 1895 hat das Centralkomitee des Schweizerischen
Ingenieur- und Architektenvereins den Beschluss gefasst, in zeitweise er-
scheinenden Heften ein Werk über schweizerische Bauwerke herauszugeben
und für die Herstellung eines ersten Heftes die Mittel zu bewilligen. Das
Resultat dieses Beschlusses ist das vorliegende Heft, welches zwei moderne
Ingenieurwerke: die Brücke über die Aare bei Brugg und die Nydeckbrücke
in Bern, und zwei Werke des 18. Jahrhunderts aus dem Gebiete des Hoch-
baues: die Kathedrale zu Solothurn und das Portal vom Zunfthause ,,Zur
Meise“ in Zürich zur Darstellung bringt. Die vornehme Darstellung der
Objekte muss rühmend hervorgehoben werden, und es ist zu wünschen, dass
die Weiterführung des Werkes gesichert werden möge.

Das Arbeiterwohnhaus. Gesammelte Pläne von Arbeiterwohnhäusern und
Ratschläge zum Entwerfen von solchen auf Grund praktischer Er-
fahrungen. Von Dr. H. Albrecht, Gr.-Lichterfelde. Mit Entwürfen
von Prof. A. Messel, Architekt und Lehrer an der königl. Kunstgewerbe-
schule in Berlin. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmidt) in
Berlin. 1896.

Die Veröffentlichung verfolgt den Zweck, dem Arbeitgeber, der für
seine Arbeiter Wohnhäuser herstellen will, sowie gemeinnützigen Baugesell-
schaften und Baugenossenschaften für die unmittelbare praktische Verwertung
die Erfahrungen zugänglich zu machen, welche bis jetzt auf dem Gebiete
des Baues von Arbeiterwohnungen gemacht worden sind. Neben Grund-
rissen und Fassaden ausgeführter und bewährter Arbeiterwohnhäuser vom
ländlichen Einfamilienhause bis zum mehrgeschossigen städtischen Wohn-
hause bringt die Schrift Anhaltspunkte für die generelle und spezielle
Kostenaufstellung, für die Aufstellung von Submissionsbedingungen und

r a t u r.

Verträgen und ähnliche praktische Ratschläge, um den Bau von Arbeiter-
wohnungen so billig und zweckmässig als möglich zu gestalten. Die Ent-
würfe geben mustergültige Fingerzeige für die gefällige Gliederung einfacher
und einfachster Fassaden in Backtsein und Verputz.

Konstruktive Neuerungen aus dem Gebiete des Hochbauwesens.
Zusammengestellt und herausgegeben von Walter Lange, Direktor
des Technikums der freien Hansestadt Bremen. Bremen, Verlag von
Gustav Winter. 1896.

Was in den verschiedensten Zeitschriften, in Patenlblättern, Cirkularen,
Preiscouranten und Musterblättern als konstruktive Neuerung erschienen
und angepriesen, im Gebrauchsfalle jedoch zumeist nicht zur Hand ist, wurde
vom Verfasser in dankenswerterweise gesammelt und kann als eine wertvolle
Ergänzung früher erschienener Baukonstruktionslehren betrachtet werden.

Breymanns allgemeine Baukonstruktionslehre mit besonderer Beziehung
auf das Hochbauwesen. Ein Handbuch zu Vorlesungen und zum Selbst-
unterricht. I. Band: Die Konstruktionen in Stein. Sechste gänzlich
neubearbeitete Auflage von Dr. Otto Warth, Oberbaurat und Professor
an der Grossherzogi. Technischen Hochschule zu Karlsruhe. Leipzig,
J. M. Gebhardts Verlag.

Dieses brauchbare und in gewissem Sinne unentbehrliche Werk ist
einer Neubearbeitung unterzogen worden , welche durch Bereicherung der
Illustrationen und Sichtung des Textes die Fortschritte der Technik zu
berücksichtigen sucht.

Ausführliche Behandlung erfuhr die statische Untersuchung der Mauern,
Gewölbe und Widerlager nach dem heutigen Stande der .Statik, doch mit
Vermeidung rein theoretischer und für die Praxis unwesentlicher Erörterungen.

Zur Geschichte des Magdeburger Dombaues. Von M. Hasak, königl.
Landesbauinspektor. Mit 12 Abbildungen im Text und 4 Lichtdruck-
tafeln. Berlin, Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn. 1896.

Der Verfasser hat durch eingehende Studien festgestellt, dass die
bisher über die Baugeschichte des Magdeburger Domes in kunstgeschicht-
lichen Werken verbreiteten Nachrichten und Beschreibungen vielfach auf
falschen Annahmen beruhen und Richtiges mit Unrichtigem vermischen.
Was er bei genauester Untersuchung des Bauwerks den Quadern mit
dem Auge des Baumeisters abgelesen, wird mit den wenigen schriftlichen
Ueberlieferungen in Zusammenhang gebracht, und so gelingt ihm die Auf-
stellung einer ziemlich lückenlosen Darstellung des wahrscheinlichen Bau-
vorgangs, wie der Zeitbestimmung der verschiedenen Bauperioden und der
Aufeinanderfolge der Baumeister.

Mögen auch die aus diesen Beobachtungen gezogenen .Schlüsse nicht
alle das Richtige treffen, so muss doch auch der Nichtfachmann zugeben,
dass die vom Verfasser befolgte Methode allein im stände ist, in einen so
verwickelten Bauvorgang Klarheit zu bringen, und jedenfalls den durch
architektonische Kenntnisse nicht beirrten phantasievollen Beschreibungen
mancher Kunstgeschichten vorzuziehen ist. Für ähnliche Untersuchungen
kann diese Abhandlung als Muster empfohlen werden.

Gewichtstabellen der absoluten Gewichte von Körpern für den Kubik-
meter und deren spezifische Gewichte mit besonderer Berücksichtigung
der Baumaterialien. Von Emil Stoy. Berlin, Fischers technologischer
Verlag M. Krayn. 1896.

Die Tabelle enthält in alphabetischer Reihenfolge die spezifischen
Gewichte aller festen und flüssigen Körper und bietet ein wertvolles Hilfs-
mittel für die Berechnung der Belastungen von Baukonstruktionen.

Allgemeine Geschichte der bildenden Künste von Prof. Dr. Alwin
Schultz. Mit vielen Textillustrationen, Tafeln und Farbdrucken.
4 Bände; in etwa 33 Lieferungen ä M. 2.— erscheinend. Verlag der
G. Groteschen Verlagsbuchhandlung Separat-Conto (Müller - Grote &
Baumgaertel) in Berlin.

Von dieser schon früher erwähnten Kunstgeschichte sind nunmehr
13 Lieferungen erschienen, die unser früher geäussertes Urteil (1895, Lfg. 10)
vollauf bestätigen und ein gedeihliches Weiterschreiten des schönen Werkes
erwarten lassen. Dem wirklich glücklich angelegten und mit grossem Ge-
schick durchgeführten Unternehmen wünschen wir wiederholt den wohl-
verdienten Erfolg.

Wie immer, so ist auch in diesem Jahre Stühlens Ingenieurkalender,
herausgegeben von Bode (Verlag von G. D. Bädeker in Essen) für 1897
auf dem Plane erschienen. Derselbe bietet auf knappstem Raume das Not-
wendigste und Nützlichste und hat im allgemeinen den alten bewährten Inhalt
beibehalten; doch zeigt ein Blick in die 24 Kapitel des Kalenders, dass der
Verfasser überall, wo es geeignet erschien, Aenderungen und Verbesserungen
angebracht hat. Auch im Westentaschenbuch sind wesentliche Verbesserungen
und Erweiterungen vorgenommen worden, was allen Interessenten sehr will-
kommen sein wird. Der Preis des Kalenders mit seinen Beilagen ist der
alte geblieben (M. 4.50 in Brieftaschenform, M. 3.50 in Ledereinband).

Weiter ist eingegangen und kann bestens empfohlen werden:
Jubiläumsfestzug der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Zum 70. Ge-
burtstag Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs Friedrich von Baden. Nach
dem Projekte von Prof. Hermann Götz, Direktor der Grossherzogi.
Kunstgewerbeschule in Karlsruhe.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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