Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 13.1897

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Eichenholz ausgeführt mit prächtigem rotem Marmorkamin und
Pilastern mit Füllungen von grünem brasilianischem Onyx. Einen
besonderen Schmuck hat dieser Saal durch ein Bild von Professor
Ferdinand v. Keller - Karlsruhe, sowie die Figuren von Bildhauer
Fremd-Stuttgart erhalten.

Ein Saal für kleinere Gesellschaften, in poliertem rötlichem
afrikanischem Flolze getäfert, beschliesst hier die Reihenfolge
der öffentlichen Räume, die sämtlich durch Saug- und Druck-
ventilation gelüftet werden.

Es folgen: die Office und einige Privaträume, dann Kon-
ditorei, Kaffeeküche und die Hauptküche mit ihren Nebenräu-
men, die zwischen
altes und neues
Haus derart einge-
baut ist, dass von
ihren Speiseschal-
tern die beiden
Offices ohne Trep-
pensteigen auf dem
kürzesten Weg er-
reicht werden
können.

Neben Lese-
und Frühstückssaal
führt eine breite
dreiarmige, mit
schmiedeeisernem
Geländer versehene
Marmortreppe zu
den fünf über dem
Erdgeschoss liegen
den Wohnstock-
werken, deren Zim-
mer zu Apparte-
ments von je drei
Räumen abgeteilt
oder auch einzeln
vergeben werden
können.

Das ganze Haus vom Keller bis zum Dach ist aus Stein
und Eisen konstruiert und damit die grösste Feuersicherheit ge-
währleistet. Alle Thüren sind mit Rücksicht auf die Ruhe der
Gäste verdoppelt. Die Doppelthüren der Korridore sind im Ab-
stand von 0,40 m voneinander angeordnet. Der hierdurch ge-
wonnene Raum dient während der Nachtzeit zur sicheren Auf-
bewahrung der zu reinigenden Garderobe.

Die Mehrzahl der Strassenzimmer ist mit Baikonen versehen.

Das ganze Gebäude wird von der eigenen Centrale aus mit
elektrischem Licht versorgt und durch Wasserdunstheizung von
Käuffer & Cie. in Mainz erwärmt. An sonstigen maschinellen
Einrichtungen ist besonders beachtenswert die von A. Stigler-
Mailand gebaute Druckcentrale, welche mittelst komprimierten
Wassers sämtliche Aufzüge des Hotels, d. h. zwei Personenauf-
züge, einen Aufzug für Zimmerkellner, fünf Geschirr-, einen
Flaschen- und einen Fassaufzug selbstthätig in Betrieb setzt.

Die Küche ist mit den neuesten Herden und Bratmaschinen
ausgestattet und durch Pulsion ventiliert. Zur Konservierung der
Fleischwaren dient eine Kühlanlage von Kisch-Berlin.

Ein ausgedehntes Telephonnetz sorgt für den Nachrichten-
dienst im Hause. Zwei Telephone im Erdgeschoss stehen zur
Verfügung der Gäste.

Garderoben und Waschräume für Damen und Herren sind
in luxuriösester Weise ausgestattet.

Die Marmorarbeiten des Vestibüls, der Haupttreppe und der
Säle sind von Dyckerhoff & Neumann-Wetzlar, die Glasfenster
des Vestibüls von V. Saile-Stuttgart; diejenigen des Treppen-
hauses von C. v. Bouche- München und Wilhelm Schell-Öffen-
burg; die Bronzearbeiten von P. Stotz-Stuttgart; die Beleuch-
tungsanlage von Siemens & Halske-Berlin; die schmiedeeisernen
Arbeiten von Gebrüder Armbruster und R. Ranke-Frankfurt und
E. Puls-Berlin; die Stückarbeiten von Dekorationsmaler R. Nach-
bauer und Bildhauer Reisser-Stuttgart; die Figuren der Fassade
von Bildhauer Fremd-
Stuttgart; die Karya-
tiden der runden Ecke
von Bildhauer Kiem-
len-Stuttgart; die Mo-
delle der ornamentalen
Fassadendekoration
von Bildhauer Schar-
rath-Stuttgart.

Die ganze Bau-
ausführung seit 1891
mit Einschluss aller
konstruktiven und de-
korativen Details
wurde nach den Ent-
würfen und unter Lei-
tung der Architekten
Eisenlohr & Weigle in
Stuttgart ausgeführt.

Tafel 50.

Schloss Primkenau;
erbaut von Hofbaurat
E. Ihne in Berlin. —

5. Unterfahrt.

Tafel 51.

Villa Jung in Düssel-

dorf; erbaut von Käyser & v. Grossheim, Architekten in
Berlin.

Der Sockel ist in rheinischem Sandstein ausgeführt, die Mauer-
flächen sind verputzt. Das Dach ist mit rotglasierten Ludwigs-
hafener Falzziegeln gedeckt. Die Baukosten betrugen 100000 M.

Tafel 52. Corpshaus der Hildesco-Guestphalia in Göttingen;
erbaut von Regierungsbaumeister L. Schönfelder in Berlin.

Dieses Corpshaus ist mit einem Kostenaufwande von 28000 M.
in geputztem Ziegelmauerwerk und Fachwerk erbaut worden.
Die geringen Kosten erklären sich aus der äussersten Raum-
ausnutzung, die es ermöglichte, entsprechend den verschieden

hohen Räumen des
Erdgeschosses auch
die Wohn- und
Fremdenzimmer
des Oberstocks in
verschiedenen,
durch die in der
Ecke angeordnete
Treppe überwun-
denen Flöhenlagen
unter dem einen
grossen Hauben-
dach zu bergen. Die
sämtlichen Schorn-
steine sind in dem
Turmgiebel unter-
gebracht, wodurch
eine weitere Er-
sparnis und die Si-
cherung des Daches
gegen Zerstörung
durch den Schorn-
steinfeger in ein-
facher Weise er-
reicht wurde. Das
Innere der Kneip-
räume ist reich ge-
täfelt, die Decke
mit Holzwerk und Holzrosetten verziert. Mit Rücksicht auf die
Geschichte des Corps wurden die Anlehnungen an das west-
fälische Bauernhaus absichtlich gewählt.

Tafel 53. Villa in Wien-Währing; erbaut von Architekt
Max Fleischer daselbst.

Das Gebäude ist für eine Familie bestimmt. Es sollte aus
Souterrain, Hochparterre und einem Obergeschoss bestehen und
in allen Räumen durch eine Niederdruckdampfheizung erwärmt
werden können. Im Souterrain sind die Wohnung des Haus-
besorgers, ein Dienstbotenzimmer, der Raum für die Heizanlage,
Waschküche, Bügelkammer, Billardzimmer etc. untergebracht.
Das Hochparterre enthält zwei Speisezimmer, ein Herrenzimmer
und einen Salon. Küche und Nebenräume sind als Anbauten
behandelt. Im ersten Stock befinden sich die Schlafzimmer.

Tafel 54. Altes Fachwerkhaus in Gottlieben bei Konstanz;
aufgenommen von Architekt C. Fr. Weysser in München.

Tafel 55. Villa „Württemberger Hof“ in Nürnberg; er-
baut von Architekt Th. Eyrich daselbst.

Das Gebäude, das im Frühjahre 1896 in Benutzung kam,
war ursprünglich zu privaten Wohnzwecken bestimmt. Während
des Baues wurden jedoch Souterrain und Parterre an die Gesell-
schaft „Phönix“ vermietet und infolgedessen ein zweiter separater
Eingang für das Parterre und eine weitere innere Treppe vom
Parterre zum Souterrain angeordnet. Während der Landesaus-
stellung wurden die oberen Stockwerke des Gebäudes vom Hotel
„Württemberger Hof“ (Besitzer Franz Kerber) zur Unterbringung
von Fremden benutzt. In der Grundrissdisposition wurde der
grosse Vorplatz der alten Nürnberger Patrizierhäuser festgehalten
und auch in der Ausstattung an entsprechende Nürnberger Vor-
bilder (des 18. Jahrhunderts) angelehnt. Die Fassade "ist ganz
aus Haustein hergestellt.

Tafel 56.

Kapelle des Ursulinen-
klosters in Kuttenberg;
erbaut von Professor
F. Oh mann in Prag.

Die Kapelle steht
diagonal zu der alten
Klosteranlage, die von
Dintzenhofer erbaut,
jedoch nur zur Hälfte
fertiggestellt wurde.
Sie ist an derselben
Stelle errichtet wie die
seiner Zeit von dem
grossen Barockmeister
projektierte Kirche; es
war eine Hauptsorge
des Architekten, trotz
der kleinen Abmessun-
gen der Kapelle einen
grossen Zug in die
Fassade zu bringen,
damit sie von der
breit daliegenden
Masse des Klosters
nicht erdrückt werde.
Die Baukosten belau-
fen sich auf 50000 fl.

Erdgeschoss.

Grundrisse zur Villa „Württemberger Hof“ in Nürnberg; erbaut von Architekt Th. Eyrich daselbst.

Situationsplan und Grundriss der Kapelle des Ursulinerklosters in Kuttenberg;
erbaut von Professor F. Ohmann in Prag.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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