Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 13.1897

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einen nicht unter 14 m betragenden Abstand des Abgeordneten-
hauses von seiner Front verlangte, andrerseits aber das Herren-
haus gegen eine grössere Ausdehnung des Abgeordnetenhauses
nach der Tiefe im Interesse seines Gartens Einspruch erhob. Auf
diese Beschränkungen ist es zurückzuführen, wenn die Tiefen-
abmessungen der Eingangs-und Treppenhallen und der Wandel-
halle verhältnismässig gering ausgefallen sind gegenüber ihren
Breitenabmessungen, und wenn zu beiden Seiten der Treppen-
hallen nach dem Erdgeschoss hinaufführende Freitreppen ange-
ordnet werden mussten statt einer solchen in gerader Richtung
des Haupteingangs. Von den Geschossen des Abgeordnetenhauses
bilden das Erdgeschoss und das erste Stockwerk, wie es auch
äusserlich an der Front zum Ausdruck gebracht ist, die beiden
Hauptgeschosse. Jenes, mit dem grossen Sitzungssaal, dient zur

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Grundriss des neuen Hauses der Abgeordneten in Berlin;
erbaut von Baurat Schulze daselbst.

Abhaltung der Fraktions-, Abteilungs- und Ausschusssitzungen. In
diesem Geschosse sind daher ausser dem an der Hinterfront an-
geordneten Bureau, den sich anschliessenden Arbeits- und Lese-
räumen für Abgeordnete und der vom Sockelgeschoss bis zum
Dachgeschoss durchgeführten Bücherei nur Beratungszimmer unter-
gebracht. Das nur auf den Hinterbau ausgedehnte Tribünen-
geschoss wird von dem grossen Sitzungssaal mit seinen an allen
vier Seiten angeordneten Tribünen, den Arbeits-, Lese- und Er-
frischungsräumen, der Presse an der Ostfront und einem Teil der
Nordfront, von den Kleiderablagen u. s. w. für das Publikum und
einigen zur Erweiterung des Bureaus dienenden Räumen, sowie

von mehreren Sprech- und Umkleidezimmern und der Bücherei
an der Westfront eingenommen. Von der durch Windfänge ge-
schützten Eintrittshalle gelangt man durch weitere drei Wind-
fangthüren in die langgestreckte Treppenhalle, an die sich in
gerader Richtung die

geräumige,
Wandelhalle

unter der
belegene
Kleiderablage, und zur
Rechten und Linken zwei
breite, zum Erdgeschoss
führende, durch je ein
Podest unterbrochene
Freitreppen und weiter
die beiden nur bis zum

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Ratbaus in Wilhelmshaven;

erbaut von Regierungsbaumeister Richard Schultze in Berlin.

Grundriss des Erdgeschosses.

ersten Stockwerk führenden dreiarmigen Haupttreppen an-
schliessen. Die beiden Haupttreppenhäuser werden im Erdgeschoss
einerseits von den Erfrischungsräumen, andrerseits von den Lese-
räumen umschlossen. Die quer vor den Sitzungssaal gelegte
Wandelhalle, welche ihre Beleuchtung sowohl durch Oberlicht
als auch seitlich von den beiden Lichthöfen erhält, wird von dem
Sitzungssaal durch einen 2 m breiten Gang getrennt, der den
Zweck hat, denVerkehr der Diener von der Wandelhalle thun-
lichst abzulenken.

Das Herrenhaus wird nicht an die Flucht der geräuschvollen
Leipzigerstrasse heranreichen: hier wird vielmehr ein grosser
Ehrenhof angelegt werden, dessen Seiten stattliche Gebäude mit
Dienstwohnungen für die Präsidenten beider Häuser einnehmen,
während in der Hauptfront vor den Geschäftsräumen des Herren-
hauses Säle zu repräsentativen Festen der Präsidenten in Verbindung
mit deren Wohnung angeordnet werden sollen. Die Kosten
sämtlicher Gebäude ausschliesslich der innern Ausstattung werden
sich voraussichtlich auf rund 8 Millionen Mark belaufen, wovon
auf das Abgeordnetenhaus allein etwa 4^2 Millionen entfallen.

Tafel 78. Pusztaszer-Pavillon von der Millenniumsausstel-
lung in Budapest; erbaut von Architekt Zoltän Bälint daselbst.

Der Pavillon wurde zum Verkauf von Erinnerungsgegen-
ständen an Pusztaszer errichtet, wo der erste ungarische Reichs-
tag unter dem Vorsitz des Heerführers Arpäd vor tausend Jahren
abgehalten wurde. Dementspre-
chend wurde der Pavillon monu-
mental in der Art eines Mauso-
leums geplant. Das Innere bildet
einen quadratischen Raum von
6 auf 6 m, der durch die kleinen
Fenster und Oeffnungen, welche
ausserdem farbig verglast sind,
nur spärlich beleuchtet wird. Der
Pavillon ist 17 m hoch.

Tafel 7g. Geschäftshaus
M. Fritz, Elisabethstrasse in
Aachen; erbaut von Architekt
Johannes Heeren daselbst.

Das mit nur einer Front-
länge von 7,20 m im Jahre 1890
erbaute Geschäftshaus liegt in-
mitten der Stadt an einer her-
vorragend günstigen Verkehrs-
strasse. Das kostspielige Terrain
bedingte eine sorgfältige Aus-
nutzung desselben, bei der jedoch
eine vorteilhafte Lichtzuführung
zu allen Räumen nicht ausser
acht gelassen werden durfte. Die
Decken des Geschäftslokales und
der Lagerräume haben Betongewölbe zwischen X-Eisen erhalten;
die oberen Etagen haben gewöhnliche Balkendecken und dienen
zu Wohnzwecken.

Das Aeussere des Hauses ist in rotem Mainsandstein, das
Dach in schwarzem Ziegelmaterial ausgeführt.

Die gesamte, sehr solide Ausführung kostete 3 3 000 M., wo-
von 5000 M. auf die von Ph. Holzmann in Frankfurt a. M. ge-
lieferte Fassade entfallen.

Tafel 80. Hotel Marquardt in Stuttgart; erbaut von
Eisenlohr &Weigle, Architekten daselbst.

4. Damensalon. (Siehe auch Tafel 49, 63 und 72.)

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Grundriss des Geschäftshauses
M. Fritz, Elisabethstrasse in
Aachen; erbaut von Architekt
Johannes Heeren daselbst.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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