Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 15.1899

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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl "Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

-*“!■ 15. Jahrgang 1899. •!-*-

3. Heft.

Monatlich eine Lieferung; zum Preise von Mark 1. 50.

I N H ALT.

Tafel 17. Feuerhaus und Bad an der Kirchstrasse in
München-Haidhausen; erbaut von Professor Carl Hocheder
daselbst.

Das ganz unterkellerte Gebäude enthält im Erdgeschoss den
Geräteraum für die Feuerwehr, eine Hausmeisterwohnung und
in dem Trakt an der Kirchstrasse Räume für Brause- und
Wannenbäder. Die Decke des Geräteraums ist freitragend kon-
struiert und mit feuersicherem Verputz — System Monier —
überkleidet; der Fussboden ist mit Klinkerplatten auf Beton-
unterlage gepflastert. Die Obergeschosse enthalten Wohnungen;
ausserdem die Wachlokale für die Feuerwehr und ein Amts-
zimmer für den Bezirksinspektor. Die Fundamente sind in
Cementmauerwerk, der Sockel in Beton, das übrige in Kalk-
mauerwerk hergestellt und die
Dächer mit Falzziegeln eino-e-

o O

deckt. Die Fassaden erhielten
eine einfache Gliederung durch
Lisenen und Feldereinteilung in
glattem und rauhem Ver-
putz. Eine hübsche far-
bige Wirkung ergibt sich
aus der gelblichen Fär-
bung des glatten und
einer leicht grünlichen
Nuancierung des rauhen
Verputzes in Verbindung
mit dem warmroten Ton
der Dächer. Einen besonderen
Schmuck der Giebel bilden die
Freskomalereien von der Hand
des Münchener Kunstmalers
J. Mössel: am Hauptgiebel, der
Bestimmung des Gebäudes entsprechend,
eine Kolossalfigur des heiligen Florian,
am Giebel an der Kirchstrasse, als Wahr-
zeichen der Stadt, das
Münchener Kindl.

Tafel 18. Entwurf
zur Überbauung des Ton-
halle-Platzes in Zürich von
Architekt J.Gros daselbst.

Auf dem alten ehemaligen Tonhalle-Platze in Zürich soll
demnächst gebaut werden. Die Züricher Kunstgesellschaft be-
absichtigt dort ein Ausstellungsgebäude zu errichten, und es hat
zu diesem Zwecke Prof. Bluntschli früher schon ein Projekt
für die Überbauung dieses schön gelegenen Platzes ausgearbeitet.
Der vorliegende Entwurf ist die neueste Arbeit des Architekten
J. Gros. Trotz seiner originellen Komposition hat jedoch auch
dieses Projekt "wenig Aussicht, ausgeführt zu werden, da der
Platz zu teuer und von der Stadt nur zu enormem Preise er-
hältlich ist. Der vorliegende Grundriss (Obergeschoss) zeigt in
seiner vordem Spitze einen Zirkus mit Raum für circa 1500 Per-
sonen und in Verbindung mit diesem eine grosse Festhalle mit
Restaurant und Theaterbühne mit einem Gesamtraume für circa
3000 Personen. Bei grossen festlichen Anlässen können in
beiden Räumen zusammen gegen 5000 Personen Platz finden.
Im Anschluss.an die Festhalle ist ein grosser Hof mit angrenzenden
Privat- oder Geschäftshäusern gedacht und als Abschluss das
Kunstgebäude mit links und rechts flankierenden Gesellschafts-

häusern. Das Ganze macht in seiner malerischen Gruppierung
einen günstigen Gesamteindruck.

Tafel ig. Restaurant Flatz in München; erbaut von Archi-
tekt Max Ostenrieder daselbst.

Das Lokal befindet sich im Restaurant Flatz in der Schwan-
thalerstrasse in München. Täfelung und Decke sind in braun
gebeiztem Eichenholz ausgeführt, die Wandflächen weiss ge-
tüncht und wirkungsvoll mit Bildern und dekorativen Aus-
stattungsstücken belebt.

Tafel 20. Haus mit Maleratelier; entworfen von Eisen-
| lohr & Weigle, Architekten in Stuttgart.

Tafel 21. Neues
Bürgerspitalfondsgebäude
inLaibach;erbautvonPro-
fessor L e o p o 1 d T h e y e r
in Graz.

Das durch Erdbeben
gänzlich zerstörte soge-
nannte alte Bürgerspital
in Laibach, das einWohn-
und Geschäftshaus ge-
wesen, und dessen Er-
trag dem Bürgerspital-
fonds gehörte, musste
ganz abgerissen werden,
und es wurde zum Zwecke
des Neubaues eine all-
gemeine Konkurrenz aus-
geschrieben, in deren
Folge Professor Leopold
Theyer in Graz mit der
Anfertigung der Pläne
und Details betraut wurde.
Die enge Spitalgasse
wurde auf 16 m ver-
breitert und so gelegt,
dass von der Laibach-
brücke aus der freie Blick
auf den Rathausplatz und
den schönen barocken
Brunnen ermöglicht ist.
Die zweite Ecke der Spitalgasse, gegenüber dem Bürgerspital-
fondsgebäude, bildet der Philipphof, der ebenfalls von Professor
Leopold Theyer erbaut und so gedacht ist, dass er mit seinem
Eckturme ein symmetrisches Gegenstück zum neuen Bürgerspital
bildet. Die Parterrelokale sind durchgehend zu Geschäftszwecken
eingerichtet, während im Mezzanin Wohnungen und Magazine,
im I. und II. Stock Mietwohnungen untergebracht sind. Der Bau
wurde von der krain. Baugesellschaft hergestellt und wird circa
380000 fl. kosten.

Tafel 22. Kapelle und Missionshaus in New York; erbaut
von Barney & Chapman, Architekten daselbst. Aus „The
American Architekt and Building News“.

Die zwischen der 13. und 14. Strasse gelegene, auf zwei
Seiten eingebaute Gebäudegruppe ist von einer Missionsgesell-
schaft errichtet und dient den verschiedensten Zwecken. Neben
einer Kirche mit 800 Sitzplätzen und einer anstossenden Kapelle
für den Morgengottesdienst befindet sich ein Hospital für Männer,
Frauen und Kinder, das mit den besten und neuesten Einrichtungen

Entwurf zur Überbauung des Tonhalle-Platzes in Zürich von Architekt J. Gros daselbst.

— Grundriss. —

A Zirkus. B Festhalle. C Bühne. D Restaurant. E Privathäuser. F Gesellschaftsbaus. G Ausstellungs-
Säle. // Oberlichtsaal. J Eingang zum Ausstellungsgebäude. K Kasse und Bureau. L Sitzungszimmer.
M Hof und Garten. N Eingang. O Passage.
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