Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 15.1899

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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl \Afeigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

15. Jahrgang 1899.

9. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. 50.

I N HALT.

Tafel 65. Entwurf zu einer Villa von Architekt Josef
Hackhofer in Wien.

Tafel 66. Das Haus des Vereins deutscher Ingenieure in
Berlin; erbaut von Reimer & Körte, Architekten daselbst.

Dieses Gebäude wurde in der Hauptsache für Bureau-
zwecke errichtet, und dem-
gemäss haben die in Alt-
Warthauer Sandstein aus-
geführten Fassaden weite
Fensteröffnungen erhalten,
die aber nicht verhinderten,
die Flächen durch bild-
nerischen Schmuck zu be-
leben. Dieser wurde nach
Modellen des Bildhauers
Riegelmann ausgeführt.

Um die Lichthöfe
möglichst zweckentspre-
chend zu gestalten, wurden
deren Wandflächen mit
weissen Mettlacher Porzel-
lansteinen verkleidet. Die
Deckenkonstruktion ge-
schah nach dem System
Kleine, auch die Haupt-
treppe ist massiv und hat
Belag und Wangen von
Marmor erhalten. Ausser
dem Treppenhaus ist nur
noch der im zweiten Stock-
werk gelegene Sitzungs-
saal des Vereins reicher
ausgestattet worden.

Die Erwärmung des
Hauses geschieht durch
eine Niederdruckwarm-
wasserheizung.

DieBaukostenbeliefen

sich auf ca. 260000 M.

Tafel 67. Villa Par-
cus in Grunewald bei Berlin; erbaut von Architekt Rudolf
B i s 1 i c h daselbst.

Die Räumlichkeiten dieser Villa dienen der Familie des
Besitzers zur Sommer- und Winterwohnung.

Das Souterrain liegt 0,50 m unter Terrain und enthält die
Küche und die Wirtschaftsräume, das Erdgeschoss die Wohn-
und Gesellschaftsräume, das erste Stockwerk das Schlaf-, die
Kinder-, ein Fremden- und Badezimmer. Das Dachgeschoss ist
vorläufig unausgebaut geblieben. Sämtliche Räume werden durch
Gasöfen geheizt.

Die Fassaden sind in Graukalk geputzt, die Balkonplatte,
die Freitreppen und einige besonders exponierte Gesimse sind

aus hellgrauem Sandstein hergestellt. Die Fenster haben Sprossen-
teilung erhalten und sind weiss gestrichen, das Dach ist mit rot
engobierten Falzziegeln eingedeckt.

Die Baukosten beliefen sich einschliesslich des Architekten-
honorars, der Gartenanlage und der Einfriedigung auf ca. 41 000 M.

Tafel 68. Wohnhaus
Eggers, Goethestrasse 68
in München; erbaut von
Architekt H. V 0 1 b e h r
daselbst.

Das Haus enthält in
jedem Stockwerk zwei
Wohnungen von je fünf
Zimmern und Zubehör. Im
Dachgeschoss befinden sich
noch vier Zimmer, die je
nach Bedarf den Wohnun-
gen zugeteilt werden. Im
Keller sind die Hausmeister-
wohnung, zwei Wasch-
küchen, sowie Abteilungen
für Mieter.

Die Fassaden und
Flächen sind in rauhem alt-
deutschen Putzmörtel aus-
geführt, die Ornamente in
Zementmörtel frei aufge-
tragen. Der Erker der
Hauptfassade ist vom Gurt-
gesims aufwärts aus Kalk-
stein hergestellt. Der
Sockel und das Portal
bestehen aus gestocktem
Beton. Die Dachflächen
sind mit roten Ziegeln ein-
gedeckt. Giebelabdeckun-
gen , Erkerabdeckungen,
Dachrinnen und Abfall-
rohre sind in Kupfer aus-
geführt.

Tafel 69. Villa Neumann am Semmering, N.-Ö.; erbaut
von Baurat Franz Ritter von Neumann in Wien.

Der landesüblichen Bauweise entsprechend, wurde dieses
erste „Wohnhaus“ am Semmering ganz aus Holz gezimmert.
Seine stimmungsvolle Wirkung zur Umgebung und seine vor-
zügliche Eignung >als Sommer- und Winterwohnung haben die
Wahl der Baukonstruktion als richtig erwiesen.

Es wurde für dieses Wohnhaus die an vielen Holzbauten
unsrer Alpenländer und der Schweiz vorkommende Art des
Blockbaues mit flachem Dache gewählt, um ein entsprechendes
Gegenstück zu dem gegenüber liegenden „Schönthaler-Hause“,
das nach den Motiven des Ständerbaues mit steilem Dache

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Grundrisse zum Haus des Vereins deutscher .Ingenieure in Berlin;
erbaut von Reimer & Körte, Architekten daselbst.
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