Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 17.1901

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Eisenkonstruktioa vom
Eisenwerk München
ausgeführt. Sämtliches
struktive Eisenwerk ist
in einem leicht ge-
brochenen Blau ge-
strichen, das Stab werk
der Verglasung ver-
goldet. Das vierte
Stockwerk, das sich
nach der Strasse als
Loggia öffnet und wo
das Eisenwerk in rei-
cher Schmiedetechnik
ornamental auftritt, ist
ganz vergoldet. Mit
dieser Farbgebung
wurde eine ebenso
eigenartige als gute
Wirkung erzielt.

Tafel 3. Jüdisches
Kurhospital in Kol-
berg; erbaut von Hoe-
niger&Sedelmeier,
Architekten in Berlin.

Das Hospital ist für
die Aufnahme von ca.
hundert Hospitaliten
eingerichtet, die in den
Sommermonaten un-
entgeltliche Aufnahme
finden. Es werden nur
Erholungsbedürftige,
Rekonvalescenten und
leichtere Kranke auf-
genommen, die in den
See- und Soolbädern
Stärkung und Gene-
sung suchen. Im Erd-

geschoss befinden sich

"Erdgeschoss

Grundrisse des Geschäftshauses Theatiner-
Strasse 47 in München; erbaut von Heilmann
& Littmann, Architekten daselbst.

die Versammlungs
räume, wie Speisesaal mit angrenzenden Wirtschaftsräumen, Sy-
nagoge, Schreib- und Lesezimmer und die geräumigen, zum Auf-
enthalt bei schlechtem Wetter dienenden Hallen. Im ersten Stock
ist die Wohnung des Direktors der Anstalt untergebracht. Zum
Teil wird das Stockwerk noch durch die 'durch Erdgeschoss und
ersten Stock reichenden Räume des Speisesaals und der Synagoge
in Anspruch genommen. Im zweiten und dritten Stock liegen
die Logierzimmer der Hospitaliten, für je ein bis zwei oder mehr
Insassen gemeinsam.

Die geräumige Soolbadeanstalt ist mit anderen Wirtschafts-
gebäuden und den Bedürfnisanstalten in einem besonderen Ge-
bäude untergebracht.

Das Hauptgebäude liegt mit einer Front nach der belebten
Hafenstrasse, mit einer Nebenfront an einem öffentlichen Park.

Die Baukosten stellen sich auf ca. 200 000 M., d. h. für das
Kubikmeter umbauten Raumes auf ca. 16 M.

Tafel 4 und 5. Haus Emanuel Seidl in München; erbaut
von Professor Emanuel Seidl daselbst.

1. Perspektivische Ansicht. — 2. Wohn- und Speisezimmer. —
3. Gesellschaftsraum.

An der Nordseite der Theresienwiese (Bavariaring Nr. 10)
hat sich der Künstler das Haus zunächst für seine eigenen Be-
dürfnisse errichtet. Es ist durch
einen mit allerlei plastischen und
architektonischen Zuthaten reizvoll
ausgestatteten Vorgarten von der




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I. Stockwerk.

Haupttreppe im Geschäftshaus Ullstein in Berlin;
entworfen von Hart & Lesser, Architekten daselbst.

Strasse getrennt und zugänglich durch originell behandelte Portale
im Umfassungsgitter.

Es enthält im Hochparterregeschoss Ateliers und Geschäfts-
räume mit Eingang vom Bavariaring aus und eine Herrschafts-
wohnung mit eigenem Eingang vom St. Paulsplatz aus. Die
zwei Obergeschosse enthalten je zwei Herrschaftswohnungen und
das Dachgeschoss die Wohnung des Erbauers.

Das Aeussere zeigt im wesentlichen die Formen der süd-
deutschen Spätrenaissance. Die Hauptmasse des Mauerwerks ist
aus Backsteinen mit Mörtelverputz, die Architekturteile grössten-
teils aus Stampfbeton hergestellt. Eine bevorzugte Ausbildung
erhielt der Erker an der Giebelfassade. Dort sind die Bauglieder
aus Muschelkalk, Pilaster, Friese u. s. w. erhielten Einlagen von
rötlichem Marmor und die sonstigen plastischen Ornamente sind
leicht koloriert und zum Teil vergoldet.

Die Wohnungen erhielten eine, den modernsten Anforderungen
entsprechende elegante Ausstattung, die Geschäftsräume des Er-
bauers eine bis ins kleinste durchgearbeitete,
.—1 feinempfundene künstlerische Durchbildung.
! In üppigster Weise aber liess der Architekt

seiner Dekorationskunst die Zügel schiessen

im Dachge-

Grundrisse des Jüdischen Kurhospitals in Kolberg; erbaut von Hoeniger & Sedelmeier,

Architekten in Berlin.

bei der Ausgestaltung seiner
schoss gelegenen Privatwohnung. Hier war
durch das Geradestellen der Wände hinter
den Dachneigungen Gelegenheit zur Aus-
bildung von allerlei lauschigen Ecken, tiefen
Nischen und reizvollen Raumbildungen, wäh-
rend in der Höhenentwicklung und Decken-
ausbildung dem schaffenden Künstler weit-
gehende Freiheit geboten war. Die um das
kreisrunde Treppenhaus gelagerten Räume
haben zunächst dem unverheirateten Erbauer
als Wohnung zu dienen, werden aber in
hohem Masse auch für gesellschaftliche
Zwecke und künstlerische Veranstaltungen
in Anspruch genommen. Mit ausserordent-
lichem Geschick und raffiniertem Geschmack
hat hier der Künstler eine Reihe von Innen-
räumen geschaffen, in denen mit moderner
Formgebung; Meisterwerke der verschieden-

00 .

sten Kunstepochen zu harmonischer Gesamt-
wirkungverschmolzen sind. Besser als Worte
mögen die beigegebenen und in den nächsten
Heften folgenden Abbildungen einen Begriff
von der Erscheinung der Räume geben, so-
weit dies bei Abwesenheit der farbigen Wir-
kung möglich ist. Die Wohnung steht durch
einen Aufzug mit den Geschäftsräumen im
Erdgeschoss in Verbindung, ebenso mit
einigen Wirtschaftsräumen im Souterrain,
in denen bei geselligen Anlässen für das
leibliche Wohl der Gäste gesorgt wird.
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