Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 17.1901

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DAS NEUE WARENHAUS IN MÜNCHEN.

ERDGESCHOSS.


betrugen
901000 Mark;
die Kosten der
vollständig
neuen Ein-
richtung
154000 Mark.

Tafel 59.
Landhaus in
Heinrichshorst
bei Magde-
burg; entwor-
fen von Archi-
tekt Jacques
Gros in Zü-
rich.

Dieser Bau
wurde im Som-
mer 1899 er-
richtet und im
Mai 1900 be-
zogen. Par-
terreundTurm
sind massiv
gemauert. Der
erste Stock und
die obere Par-
tie des Turmes
sind in Block-
bau aus Holz
nach Art der
alten Schwei-
zerhäuser er-
stellt.

DieFenster-
und Thürein-
fassungen,
Konsolen etc.

im Parterre und am Turm sind aus rotem Sandstein gefertigt.
Das Mauerwerk ist mit Ausnahme des Sockels weiss getüncht.
Darüber erhebt sich das braune Holzwerk mit schieferbedecktem
Dach. Turm und Dachreiter sind mit Kupfer eingedeckt. Das
Ganze mit seinem Farbenwechsel und bewegter Dach-Silhouette
hebt sich vom Grün des umliegenden Waldes sehr malerisch ab.

Grundriss des städtischen Waisenhauses in München ; erbaut vom städt. Baurat Hans Grassel daselbst.

feuersicheren Konstruktionen. Das ganze Kellergeschoss besteht
aus Kiesbeton, die übrigen Mauern sind aus Backsteinmauerwerk,
die Stockwerksgebälke aus Eisenträgern mit Glasschlackenbeton-
ausfüllung hergestellt. Die aus Eichenholz bestehenden drei
Stockwerkstreppen sind unterwölbt, sämtliche Fussböden sind mit
Linoleum auf Bimssteinstrich-Unterlage belegt. Das Dach ist
mit Ziegeln eingedeckt.

Das Aeussere ist in den Formen der Spätrenaissance durch-
gebildet. Die in grosse, übersichtliche Massen gegliederte Fassade
ist einfach weiss getönt. Die Kapelle wird von einem Glocken-
turm bekrönt, welcher ein, von einem Gönner gestiftetes Glocken-
spiel von 22 Glocken enthält.

Das östlich vom Hauptgebäude gelegene Nebengebäude ist
erdgeschossig, enthält sämtliche Oekonomieräume, Stallung für
14 Stück Kühe, 4 Schweine, mit den nötigen Futterräumlich-
keiten, ferner die Waschküche mit Schnelltrockenraum, Mang-
und Bügelzimmer und die Gärtnerwohnung. Im Garten befindet
sich das Pflanzenüberwinterungshaus und je ein grosser Spiel-
platz für Knaben wie für Mädchen.

Sämtliche Räume, sowohl des Haupt- wie Nebengebäudes
werden mittelst Niederdruckdampfheizung erwärmt und mit Gas-
glühlicht beleuchtet.

Alle inneren Einrichtungsgegenstände, wie auch die Thüren
und Stuckaturen sind farbig behandelt und bemalt. Wie im
Aeusseren ist auch in den Sälen, Zimmern und Korridoren die
Grundfarbe Weiss, durch decente Bemalung der sparsam auf-
getragenen Stuckaturen wirkungsvoll unterbrochen. Die Holz-
teile zeigen auf einem im wesentlichen grauen, streifig ge-
strichenen Grund allerlei bunte bildliche Zierate. Es wurde
dabei mit grossem Geschick und Verständnis auf ältere ländliche
Techniken zurückgegriffen, und damit den sonst einfachen Räumen
mit den bescheidensten Mitteln ein ganz eigener intimer Reiz
verliehen.

Die städtische Waisenanstalt ist eine Stiftung für Waisen
katholischer Konfession, sie steht unter städtischer Verwaltung
und wird von Schwestern des Ordens der »Englischen Fräulein«
geleitet, daher auch die etwas klösterliche äussere und innere
Erscheinung. Die Zöglinge besuchen aber wie andere Kinder
den Unterricht in der Volksschule.

Mit den ßauarbeiten wurde im Oktober 1896 begonnen
und dieselben Ende Oktober 1899 vollendet. Die Baukosten


Das städtische Waisenhaus in München;
erbaut vom städt. Baurat Hans Grässel daselbst.
4. Thür zur Kapelle.
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