Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 17.1901

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Das städtische Waisenhaus in München; erbaut vom städt. Baurat
Hans Grassel daselbst.

5. Thür zum Zimmer des Verwaltungsrats.

Maurer- und Steinhauerarbeiten sind durch Herrn Hofmaurer-
meister J. Bierstedt in Coblitz ausgeführt worden. Die Holz-
konstruktion (Zimmerarbeit) stammt aus der renommierten Chälet-
fabrik Kuoni & Cie. in Chur, Graubünden (Schweiz). Entwurf,
Pläne und Details hat Herr Architekt J. Gros in Zürich geliefert.

Die innere Ausstattung entspricht dem Aeussern. Sie ist
originell und solid ausgeführt.

Tafel 60 u. 61. Theater in Berndorf, N.-Ö.; erbaut von
Fellner & Helmer, Architekten in Wien.

1. Perspektivische Ansicht. —• 2. Schnitt und Grundrisse.

Das Theater ist vom Herrenhausmitglied Arthur Krupp
für seine Arbeiter er-
richtet. Nach seinem
Wunsche sollte es
thunlichst gleich-
wertige Plätze und
zwar durchweg Sitz-
plätze erhalten.

Das Theater ist
in einem Park erbaut,
dem die Hauptfront
zugekehrt ist, wäh-
rend die Rückseite
gegen den Haupt-
platz gerichtet ist.

Diese Stellung wurde
gewählt, um den
Theatereingang von
der neben dem Park
gelegenen Kirche
möglichst weit ab-
zurücken.

Das Theater hat
an der Vorderfront
eine Anfahrt mit Vor-
dach, rechts und
links davon offene
Vorhallen mit den
Eingängen für Fuss-
gänger. FünfThüren
vermitteln den Ein-
gang ins Vestibül,
von dem aus man

nach vorn den Parkettumgang,

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zu beiden Seiten
treppen erreicht.

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Grundriss der Villa Grosse
in Dahme i. Mark;
erbaut von Erdmann & Spindler,
Architekten in Berlin.

die Galerie-
Zu beiden
Seiten des durch fünf Thüren
zugänglichen Parketts sind
Garderoben und seitliche direkte
Ausgänge ins Freie angeordnet.

Das Galeriepublikum gelangt
über die beiden Galerietreppen
zu einem.geräumigen Foyer mit
Büffett und Garderobe und von
diesem durch fünf Thüren in
denSaal. Das Theater hat einen
Fassungsraum von 494Personen ;
davon entfallen 278 Personen , .

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auf däs Parterre und 216 Per-
sonen auf den I. Rang. Im Par-
terre und I. Rang ist, um einen
architektonischen Abschluss zu
erhalten, nächst dem Proscenium

rechts und links je eine Loge vorgesehen, während sonst nur
Sperrsitze vorhanden sind. Die beiden linksseitigen Logen sind
vom Park aus durch besondere Treppe und Vestibül zu erreichen.

Das Auditorium ist in reichem italienischen Barockstil ge-
halten, die Bildhauerarbeit in meisterhafter Auftragarbeit durch-
geführt. Hinter den Galeriesitzen an den Aussenwänden sind
13 Bilder hervorragender Künstler vom Maler Hohenberger dar-
gestellt. Der Saal ist in Weiss, Rot und Gold gehalten und mit
einem Lüster und Kerzenwandarmen beleuchtet. Das Orchester
ist vertieft und teilweise unter die Bühne eingeschoben. Das
Vestibül ist in einfachem Barockstil gehalten.

Die Bühne kann vom Auditorium durch einen Eisenvorhang
abgetrennt werden. Sie hat samt Hinterbühne eine Tiefe von
12,80 m und eine Breite von 16,60 m und ist mit einer voll-
kommenen maschinellen Einrichtung versehen.

Drei Etagen, die die nötigen Nebenräume enthalten, um-
geben die Bühne auf drei Seiten. Ein Aufzug vermittelt den
Verkehr mit dem unter der Hinterbühne gelegenen Möbelmagazin.

Der Bau ist durchaus feuersicher aus Stein und Eisen er-
richtet. Die Heizung wird durch Calorifere bewirkt.

Eine elektrisch angetriebene Pulsion und Aspiration führt
dem Gebäude stündlich 15000 cbm frische Luft zu. Ausser-
dem besitzt das Haus eine elektrische Beleuchtungsanlage, sowie
eine Nutz- und Feuerwasserleitung:.

Im Aeussern zeigt das Gebäude mittelalterliche Stilformen.
Die Fassaden sind teilweise mit figürlichen Kompositionen von

Maler Hausmann
geschmückt. Die
Baukosten betragen
250 000 fl.

Tafel 62. Villa
Grosse in Dahme
i. Mark; erbaut von
Erdmann&Spind-
ler, Architekten in
Berlin.

Die Villa ist im
Jahre 189911900 er-
baut und dient den
Wohnzwecken eines
wohlhabenden kin-
derlosen Ehepaars.
Die Wohn-, Schlaf-
und Wirtschafts-

Grundrisse des Hauses der Langeschen Stiftung in Hannover;
erbaut von Professor Dr. A. Haupt daselbst.

räume sind imErdge-
schoss, die Fremden-
und Dienstbotenzim-
mer im Obergeschoss
untergebracht.

Der Sockel ist
aus dunkelfarbigen
Granit findlingen her-
gestellt, das übrige
Mauerwerk ist mit
rauhem Stippputz
überzogen. Die Or-
namente sind als
Sgrafitto in Roman-
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