Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 17.1901

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Modell zu einem Grabmal von Architekt Camillo Friederich in Berlin.

gebaut -werden. — Am Markt ist der Haupteingang über eine
Freitreppe zugänglich und mit Sprechplatz vor dem Magistrats-
sitzungszimmer überbaut. Ebenda befindet sich zur Seite, im
Giebelrisalit, der Ratskellereingang, während je ein Nebeneingang
die beiden Treppenhäuser unmittelbar mit der Liegnitzerstrasse
beziehungsweise dem Hofe verbindet. Die Nebentreppe im
Marktflügel dient Theaterzwecken und führt nur bis in das erste
Stockwerk.

Sehr wohlgelungen ist die Anlage der den Anschluss des
Neubaues an den alten Turm verbindenden Hallen und architek-
tonisch wirksamen Flure, wie überhaupt die einfache, klare und
jedem Punkte des Gebäudes genügendes Licht gewährende
Raumanordnung uneingeschränkte Anerkennung verdient.

Der Ausbau des Gebäudes entspricht in seiner gediegenen
Durchführung allen an das öffentliche Gebäude zu stellenden
Anforderungen. Der Sitzungssaal der Stadtverordneten hat eine
in Kleeblattform gewölbte Holzdecke erhalten. Die unten ge-
täfelten, in ihren oberen Teilen für Malerei bestimmten Wand-

flächen sind durch Pilaster gegliedert. Die
von zwei Seiten durch grosse Fenster-
gruppen in den Raum strömende Luftfülle
wird durch Glasgemälde angenehm ge-
dämpft. Ueberhaupt hat der in Jauer sehr
lebendige Bürgersinn für eine der Würde
des Hauses entsprechende künstlerische Aus-
stattung gesorgt. Einige aus dem alten
Rathaus stammende Thüren vom Jahre 1580
haben als wertvolle Altertümer an den
Wänden Aufstellung gefunden. Der ge-
wölbte Ratskeller ist einstweilen mit wenig
Mitteln einfach ausgemalt worden.

Die in Silikatfarben ausgeführten Ma-
lereien, durch welche die unter Anwen-
dung einer Glassandmischung hergestellten
Putzflächen der Aussenfronten des Ge-
bäudes belebt sind, sind vom Maler Küpers-
Berlin angefertigt worden. Die Struktur-
teile der Fronten sind in Sandstein ausge-
führt, das Untergeschoss ist in Granit ver-
blendet.

Die Aussenerscheinung des Gebäudes
zeigt gute Verteilung der Massen und lässt
die glückliche Dachlösung erkennen, mittelst deren es insbe-
sondere gelungen ist, den alten Ratsturm derart in den Neubau
einzufügen, dass beide trefflich zusammen gehen und eine Gruppe
bilden, von der man wohl glauben könnte, dass sie aus einem
Gusse entstanden sei. Auch der ganz im Geiste des alten Turmes
entworfene Eckerker und der an richtiger Stelle sitzende Portal-
bau kommen gut zur Geltung.

Die Baukosten des in allen Teilen feuersicher hergestellten
Gebäudes haben rund 170000 Mark betragen. Auf den Quadrat-
meter bebauter Grundfläche — der alte Turm nicht einge-
schlossen — entfallen dabei 333 M. Das Inventar und sonstige
Ausstattungen des Inneren stellten sich auf ca. 25000 M.

Textblatt. Beleuchtungskörper; ausgeführt von Paul Stotz,
Kunstgewerbliche Werkstätte in Stuttgart.

Textblatt. Modell zu einem Grabmal von Architekt Ca-
millo Friederich in Berlin.

Textblatt. Votivsäule auf dem Lorettoberg bei Staad;
aufgenommen von F. H. Steinhart in Karlsruhe,

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Grundrisse zum Rathaus in Jauer; erbaut von Professor Hermann Guth in Charlottenburg.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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