Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 17.1901

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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER

AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN

VON

Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle

ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

17. Jahrgang 1901.

11. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. 50.

In HALT.

Tafel 8i. Barockfassade in St. Pölten; aufgenommen von
Architekt Josef Schubauer in Baden.

Tafel 82. Villa J. Sailer in Faulenbach bei Füssen; erbaut
von Architekt Rudolf Leinweber in München.

Das Gebäude ist auf den Fundamenten eines alten abge-
brochenen Hauses errichtet,
wodurch der Grundriss in
den Umfassungsmauern be-
stimmt wurde. Es enthält
in zwei Stockwerken und
dem Dachgeschoss zusam-
men sieben Zimmer. Die
Küche ist im Souterrain
untergebracht.

DieBaukosten betrugen
ca. 12 000 M.

Tafel 83. Konkurrenz-
entwurf für das Oberlandes-
gerichtsgebäude in Colmar
von Architekt P. Bon atz
in München.

1. Preis.

Der für das Gebäude
zur Verfügung stehende Platz
ist ein an zwei ziemlich
gleichwertigen Strassen lie-
gender Eckplatz. Der Ver-
fasser hat eine Ecklösung in
dem Sinne versucht, dass
er einen freien Vorderplatz
schuf, der die Uebersicht
über das Gebäude ermög-
lichte. Es springt in hohlem
Winkel zurück und findet erst an beiden Endflügeln wieder den
Anschluss mit den Strassen. Hierdurch ist der Eindruck vor-
nehmer Ruhe und hofartiger Abgeschlossenheit erzielt. Die Formen
bewegen sich im Stile deutscher Renaissance, wie er auf elsässi-
schem Boden sich erhalten hat.

Tafel 84. Wohnhaus E. Schulz in Hagen i. W.; erbaut von
Architekt P. Wiehl daselbst.

Dieses Einfamilienhaus steht in hoher freier Lage in un-
mittelbarer Nähe des Stadtgartens. Die Haupträume sollten in
einer Achse nach der Tiefe des Grundstückes von der Strasse
zum Garten liegen und eine geräumige Diele als Vorraum
erhalten. Hierdurch war die Disposition des Grundrisses be-
stimmt. Die Räume schliessen
nach dem Garten mit einer
Blumenhalle ab, nach der
Strasse zu war der seitlich
im Salon liegende Erker
projektiert. Hierzu wurde
jedoch die baupolizeiliche
Genehmigung versagt, weil
das Gebäude dann nicht der
Bauflucht der Strasse parallel
stehend erscheine. Die
äussere Gestaltung lehnt sich
in freier Weise an die künst-
lerischen Bildungen deut-
scher Vergangenheit an, ins-
besondere durch die Ver-
wendung des geschnitzten
Eichenholzes. Für die Räume
des Dachstockes wurde voll-
ständige Benutzungsfähigkeit
beansprucht, welche Anfor-
derung für die Gestaltung
und Ausbildung der Dach-
form günstig war. Der Sockel
ist aus dem umliegenden
Brüchen entstammenden Ha-
decher Sandstein hergestellt,
die Flächen sind geputzt,
sämtliches Holzwerk ist Eichenholz, das Dach Schiefer. Die
innere Ausstattung ist in gediegener Weise durchgeführt, wobei
sich auch eine besondere Vorliebe des Besitzers für reiche
Holzarbeiten zeigt. Einige Zimmer sind dem Charakter vor-
handener Möbel angepasst, davon einige aus der Empirezeit.
Einige ältere kunstgewerbliche Gegenstände haben in der Diele
ihre definitive Aufstellung gefunden.

Studie zu einem Jagdschlösschen im Gebirge von Architekt W. Weigel
in München.
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