Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 12
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 2

liehen Vorstadtviertel geworden ist, möge das eine Beispiel
Abbildung 8 veranschaulichen. Solche Fassaden aus roten Ver-
blendern mit angeklebter Stuckarchitektur sind auch heute noch
die Regel.

Högg hat mit seinen Fassaden folgerichtig wieder an die
alte bodenständige Bauweise angeknüpft, dem Sinne nach, und
doch gleichzeitig den praktischen Erfordernissen genügend.
Vergleiche mit den alten Vorbildern lassen die geschickte Über-
nahme und selbständige Benutzung der Eigentümlichkeiten er-
kennen, die der ganzen bürgerlichen Baukunst des Wesergebiets
ein so liebenswürdiges Gepräge verliehen haben.

So ist das Höggsche Haus eine brauchbare Fortbildung
im Sinne der niedersächsischen Heimatkunstbewegung und es
ist zu hoffen, daß sie eine fördernde Beeinflussung auf weitere
Kreise im Publikum ausüben wird.

Die Änderungen, die für ein Normalhaus nötig wären,
sind gering und leicht zu bewerkstelligen.

Die Baukosten belaufen sich trotz solider Ausführung nur auf
27000 Mk., wozu für das 9:35 m messende Grundstück 7000 Mk.
hinzukommen. Diese niedrigen Baukosten erklären sich aus der
abgewogenen Einschränkung der Geschoßhöhen, der Schmuck-
losigkeit und architektonischen Einfachheit des Äußern und
der schlichten Ausbildung des Innern. So sind z. B. sämt-
liche Decken und Wände vollständig glatt geputzt und weder
tapeziert noch mit Stuckornament geschmückt, die sichtbare
Balkendecke über der Diele ist gleichzeitig die konstruktive
Balkendecke, und in dieser Art ist versucht worden, jedes
konstruktiv oder zweckmäßig sich ergebende Motiv als Schön-
heitswert zu verwenden und damit kostspielige angehängte
Kunst zu vermeiden.

Wilfried Baumgarten.

(2) Wohnhaus in Krommenie bei Zaandam.

= □ -

Holländisches Ornament im 18.Jahrhundert.

Von J. Kuyper,

Oberlehrer an der Akademie der bildenden Künste im Haag.

IN] ordwestlich
1 ~ von Amster-
dam liegt in ge-
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Schiff in einer
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(1) Am zaanstrom bei Zaandijk. der Zaanflllß in

Hinterseite der Häuser. den Nordseekanal mündet, das durch

den Aufenthalt Peters des Großen im Jahre 1697 allgemein be-
kannte Städtchen Zaandam. Durch seine Lage an der unmittel-
baren Verbindung Amsterdams mit der Nordsee ist Zaandam
noch heut ein bedeutender Hafen- und Handelsplatz, vor allem
der Mittelpunkt des niederländischen Holzhandels. Seine Blüte-
zeit aber liegt weiter zurück im 16., 17. und 18.Jahrhundert, als
am Zaan auf zahlreichen blühenden Werften die Schiffe für den
schwungvollen Handel Hollands nach der Ostsee und den
nordischen Ländern gebaut wurden und neben dem Handel
der Walfischfang der ganzen Bevölkerung reiche Einnahmen
brachte.

Schiffbau und Walfischfang sind längst aufgegeben und
von den Bauten der älteren Zeit ist wenig mehr unverändert
geblieben, obwohl das malerische Städtchen sich seine echt
holländische Eigenart unverkürzt erhalten hat. Aber es besitzt
heut noch eine besondere Zierde in den stattlichen Häusern
des 18. Jahrhunderts, deren reich und zierlich geschmückte
Giebel und Türen uns beredt und deutlich von der Blütezeit
der Stadt und dem damals herrschenden Reichtum ihrer Be-
wohner erzählen.

Die Ausführung und Anbringungsweise dieses Schmuckes,
wie die Wahl seiner mannigfachen Motive lassen klar die ge-

schilderten Beziehungen und die künstlerischen Kräfte erkennen,
denen sie ihre Entstehung verdanken.

Der lebhafte Holzhandel mit den nordischen Reichen, wie
die Übung im Schiffbau waren die Veranlassung, daß das Holz
auch zum Bau der Wohnhäuser, Werkstätten und Speicher,
wie der in der Zaangegend besonders häufigen Windmühlen
verwendet wurde, und Bauart und Schmuckweise der Häuser
wurden vom Schiffbau lebhaft beeinflußt.

Die Schiffe der damaligen Zeit erhielten im allgemeinen reich-
lichen plastischen Schmuck und die reichen Reeder und Handels-

(3) Wohnhaus im Haag, Prinsengracht 163.
(Doppelhaus). Eingang mit Freitreppe.

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