Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 29
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1908

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Heft 4

8. Till Eulenspiegelbrunnen auf dem
Bäckerklint in Braunschweig.

Bildhauer:

Arnold Kramer in Dresden.

Heimstättenbau bildet mit seinen vorspringenden Querfliigeln
und seinen Liegehallen zwei langgestreckte, windgeschützte
Höfe, nach denen sich Türen und Fenster allseits öffnen, und
die mit gärtnerischen Anlagen bepflanzt sind. Inmitten
dieser Anlagen nun, in Grün gebettet und von edel gegliederter

Architektur umgeben, schimmern die Was-
serspiegel in den kreisrunden Brunnen-
becken und fließen die Silberfäden aus
lustigen Fratzen von der Brunnensäule ins
obere Becken, vom oberen ins große untere,
und während wir dem Spiele zuschauen,
werden Erinnerungen an Toskanas ver-
träumte Klosterhöfe in uns wach.

Wenden wir von solchen Gebilden
den Blick zurück auf das, was bis vor wenigen Jahren entweder
als klobiger, geistloser »Monumentalbrunnen oder als gußeiserne
Pumpe unsre Straßen und Plätze zierte und dem Bedürfnis
von Publikum, Stadtverwaltung und Künstlerschaft genügte,
so dürfen wir uns angesichts der vorgeführten Beispiele, denen
sich mühelos eine ganze Reihe nicht weniger gelungener Brunnen
aus Nord und Süd anfügen ließe, mit etwas Optimismus wohl
auf die nahe bevorstehende Zeit freuen, da auch dieses wichtige
Gebiet wieder allgemein als bedeutsames Arbeitsfeld des Künst-
lers Anerkennung gefunden haben wird.

E. Högg• Bremen.

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Bilder aus dem Oberelsaß.

(Hierzu 10 Aufnahmen auf Seite 30 u. 31.)

Drei Burgen auf einem Berg,
Drei Städte in einem Tal,

Drei Kamine in einem Saal,

So ist’s im Elsaß allzumal.

Im Kaysersberger Tal liegen jene drei Städte, die der alte Spruch als
charakteristisch für das Elsaß nennt. Kaysersberg, die Perle des Ober-
elsaß, Kienzheim und das altertümliche Ammerschweier, das schon
997 als Amelricheswilre in der Geschichte erscheint. Verträumt liegt das
alte Nest inmitten seiner Weinberge, und ruht aus von vielem Ungemach,
das es im Laufe der Zeiten erlitten. Drei Herren war es zu eigen, denen
von Rappoltstein, den Hohlandsbergern und dem heiligen römischen
Reich. Jeder Herrschaft gehörte ein Tor und wenn die Rappoltsteiner mit
dem Reich unzufrieden waren oder die Hohlandsberger sich mit den Rappolt-
steinern befehdeten, Ammerschweier hatte es stets zu tragen.

Am Ende der Oberstadt steht der »obere Torturm«, mit quadratischem
Grundriß, aus Hausteinen aufgeführt, von einem Storchnest bekrönt. Selten
findet man wohl einen so guterhaltenen, malerischen Ausschnitt einer alten

Bauernhaus in Brixlegg in Tirol. Aufnahme von Professor H. Pfeifer in Braunschweig.

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