Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 46
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 6

Das Rudolf Virchow-Krankenhaus. — Oberteil einer Pavillontür.

licher Pflege erscheinen zu lassen, noch dazu in völlig ebener, landschaft-
lich reizloser Lage.

Jeder, der die Anstalt besucht, wird überrascht sein, wie natürlich
diese Aufgabe gelöst und mit wie einfachen Mitteln auch hier eine wohl-
tuende künstlerische Einheit geschaffen ist. Wie der Lageplan (S. 47) zeigt,
zweigt die Zugangstraße zur Anstalt von der mit alten Bäumen eingefaßten
Landstraße von Buch nach Carow und Lindenberg ab. Der Näherkommende
passiert zunächst eine Reihe teils einzeln nebeneinander, teils um einen
kleinen Platz gestellter Wohnhäuser, die in wechselnder Form und Größe
mit ihrem schmucken Äußern und den dazu gehörigen Gärten das Bild
einer freundlichen Ansiedlung bieten.

Das erste ist das Wohnhaus des Direktors (B) mit 3 großen Wohn-
räumen, Wartezimmern und Küche im Erdgeschoß und 4 Wohnräumen,
Mädchenkammer, Bad und Nebenräumen im ausgebauten Dachgeschoß.
Dann folgen ein Haus für zwei Oberärzte (C) mit je 3 Stuben, Küche u.s.w.
im Erdgeschoß und 3 Stuben, Mädchenkammer und Bad im Obergeschoß,
dann ein Haus für 2 Inspektoren und 1 Bureauvorsteher (D) mit je 5 Stuben,
Küche, Mädchenkammer und Zubehör, eins für zwei Hausväter und einen
Verwaltungsassistenten (E), dann auf der andern Seite zwei mit je 3 Woh-
nungen, bestehend aus je 2 Stuben, Kammer, Küche und Zubehör für

1 Kassenboten, 1 Schreiber und 1 Maler und für 1 Bureaudiener und

2 Pfleger (Ft und F2) und eins mit 5 Wohnungen gleichen Umfangs für
5 Pfleger (F3). An der Straßenbiegung steht ein Pförtnerhäuschen, das
nur einen Raum enthält und dessen runder Ausbau freien Ausblick nach

allen Seiten gewährt. — Am Ende dieser Allee erhebt sich der Torbau (H)
und dahinter die mauerumschlossene Anstalt, von der zunächst nur das
Verwaltungsgebäude (A), der einzige dreistöckige Bau, sichtbar wird.

Im Torbau ist westlich von der Durchfahrt die Wohnung des
Pförtners (2 Stuben, Kammer, Küche und Zubehör) untergebracht, östlich
Warteraum und Toiletten für die Besucher. Der dahinter liegende Vorhof
ist mit architektonischen Gartenanlagen geschmückt.

Im Verwaltungsgebäude liegen im Erdgeschoß um eine große
Halle, die zugleich als Warteraum dient, die Bureaus, Kasse, das Direktor-
zimmer mit Vorzimmer und Aktenraum, 3 Arbeits-, das Beratungs- und
das Bibliothekzimmer der Ärzte, Instrumentenraum und der Ausgaberaum
für Medikamente, schließlich auf jeder Seite eine Zweizimmerwohnung
für 1 Assistenzarzt.

Das erste Stockwerk enthält über der Halle den zweistöckigen großen
Festsaal (2S0 qm) mit Bühne, in dem die Pfleglinge zu Theatervorstel-
lungen, Festessen und Tanz Zusammenkommen, zwei kleinere Säle (je
90 qm), Bibliothek, Lese- und Billardzimmer, ferner 3 Wohnungen für
Assistenzärzte und das Kasino der Ärzte. Im zweiten Obergeschoß be-
finden sich längs des großen Saales Logen für die Beamten und deren
Familien, und auf der einen Seite die Wohnung eines Oberarztes (6 Stuben,
Küche, Garderobe, Bad, Mädchenkammer und Zubehör), auf der andern
die Wohnräume für 5 Assistenzärzte und 1 Zimmer für 2 Apotheken-
diener.

Die Anstalt selbst ist durch die Mittelachse übersichtlich in Männer-
und Frauenabteilung geschieden. Je ein Aufnahmehaus (K und Ki) dient

Das Rudolf Virchow-Krankenhaus. — Tür eines Krankenpavillons.

für zu beobachtende Kranke. In 2 Geschossen enthalten sie 4 Räume mit je
10, 10 mit je 6 Betten und 11 Einzelzimmer, dazu die erforderlichen Wasch-,
Bade- und Aborträume; ferner im Erdgeschoß Tageraum, Speisezimmer,
Aufnahmezimmer mit Bad, ärztliches Untersuchungszimmer, die Woh-
nung eines Assistenzarztes, 3 Räume für Wärter, 2 Wachezimmer und eine
Wärmeküche; im Obergeschoß 2 Speisezimmer, 4 Räume für Wärter,

1 Arbeitsraum, 1 Wärmeküche und 1 Geräteraum, und im Dachgeschoß
12 Zimmer für Personal und die Wohnung eines verheirateten Oberwärters
(2 Zimmer, Kammer, Küche und Zubehör), die einen besonderen Zugang
von außerhalb der umschlossenen Anstalt hat. Die Korridore sind leicht
zu übersehen, ebenso die zugehörigen Gartenplätze, die ohne Gebüsch
nur mit schattenspendenden Bäumen bepflanzt sind.

Drei offene Häuser (L und Li) für ruhige Kranke (1 für männliche,

2 für weibliche) Kranke enthalten jedes etwa 100 Betten, dazu gehören
2 Lazarette mit je 14 Betten.

Vier Pflegehäuser sind zur Aufnahme von 700, meist bett-
lägerigen Kranken bestimmt, deshalb mit offenen Liegehallen an den
Langseiten versehen. Die Pflegehäuser enthalten in jedem Stockwerk
2 Tag- und Speiseräume und mehrere größere Schlafräume, ferner 20 Einzel-
zellen, im Erdgeschoß: 2 Dienstzimmer für die Ärzte, ein chirurgisches
Zimmer, 1 Besuchszimmer, 3 Zimmer für Pfleger, 3 Räume für Wäsche,
Geräte u. s. w., 1 Spülküche, im 1. Stockwerk: 1 Sprechzimmer, 2 Räume
für Pfleger, 1 Spülküche und 1 Raum für Wäsche und Geräte, im Dach-
geschoß eine Wohnung für einen verheirateten Oberwärter und 2 Zimmer
für Pfleger. Die Pflegehäuser stehen weit auseinander, und dazwischen
auf großen Plätzen in der breiten Mittelachse die Kapelle (V) und 3 von
den 5 Landhäusern für bald zu entlassende Leichtkranke, die das Ge-
fühl größerer Freiheit haben und sich an diese gewöhnen sollen; von
den Landhäusern sind 3 mit je 36 Betten für Männer (O) und 2 mit je
32 Betten für Frauen (Oi) bestimmt. In ihnen sind Korridore möglichst
vermieden.

Die Kapelle hat im Schiff 250, auf der Empore 50 Sitzplätze.

Das Rudolf Virchow-Krankenhaus.
Tür eines Krankenpavillons.

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