Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 55
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 7

gelangen könnten.

p) I Aber es genügt für

unser Beispiel das

y Gesagte. Es war

! 1 gewählt in dem

naheliegenden Ge-
danken, daß uns
heute natürlich noch
ein nationaler Stil
näherliegen muß als
jeder andre.

In der kurzen
oben gegebenen
Entwicklung war es
das Wesentliche, das

\ | künstlerische Ele-

» ment des neuen Stils

an seine richtige
Stelle zu setzen.
Nur bei voller Wür-
digung dieses Ele-
ments (ganz abgesehen von meinem Beispiele) wird man zu
einem eigenen Stile gelangen können.

Ornament von Professor Fritz Schumacher in Dresden.


Beschreibung der Abbildungen.

Tafel 49. Galerie Schulte in Berlin, Unter den Linden.
Architekt: Geh. Regierungsrat Dr.-Ing. Alfred Messel in Berlin.

Tafel 50. Haus des Herrn Pohl in Heilbronn. Archi-
tekten: Beutinger & Steiner, B. D. A. in Darmstadt-Heilbronn.

Das Gebäude steht auf einer, einige Meter über der Straße liegenden
Höhe und enthält außer den beiden Wohnungen im Erdgeschoß und Ober-
geschoß noch eine größere Anzahl Gastzimmer im Dachgeschoß, die auf
Wunsch zu einer weiteren Wohnung vereinigt werden können, sowie die not-
wendigen Räume im Untergeschoß. Das Material für das Äußere ist ein rauher,
blaugrauer Putz mit sparsamer Verwendung
von Sandstein für einige tragende Teile, gelbe
Holzschindelung und teilweise roter Ziegel-
behang wie die Dachdeckung. Die Baukosten
betragen 2S000 Mk.

Landhaus des Herrn Schultheiß
Hiltwein in Gruppenbach.
Architekten:

Beutinger & Steiner, B. D. A.
in Darmstadt-Heilbronn.

Landhaus des Herrn Schultheiß
Hiltwein in Gruppenbach. Architekten:

Beutinger & Steiner, B. D. A. in Darm-
stadt-Heilbronn.

Das Haus enthält, außer den auf dem
Grundriß ersichtlichen Räumen des Erdge-
schosses, im Obergeschoß Schlafzimmer mit
Bad und Abort, ein größeres Gastzimmer, in
dem erkerartigen Dachaufbau ein Gehilfen-
zimmer und Bodenkammer, im Untergeschoß
Kellerräume und Waschküche. In Rücksicht
auf die bescheidenen Baumittel von 12500 Mk.
wurde das Haus unter Verwendung der orlsiiblichen Baumaterialien in
möglichster Anpassung an ländliche Verhältnisse ausgeführt.

Tafel 51. Gym-
nasium zu Steele.
Architekt: O.Müller-
Jena, B.D.A.in Köln.

In einem Wettbe-
werb der Architekten
Rheinlands und West-
falens wurde das Pro-
jekt mit dem ersten
Preise ausgezeichnet.

Der Haupteingang
liegt am Laurentiusweg
1 m über der Straße.
Durch eine Eingangs-
halle gelangt man, wei-
tere 1,20 m steigend,
in eine Zentralhalle,
die den Zugang zum
Treppenhaus, zur Aula
und zu den Hofausgän-
gen bildet. Von dieser

Halle zweigen an der Süd- und Ostfront die Schulflure ab, an denen nach
Norden und Osten die Klassen liegen; in den beiden Obergeschossen er-
fährt diese Anordnung eine entsprechende Wiederholung. Im Erdgeschoß
liegen 3 Gymnasialklassen, der Zeichensaal mit zugehörigem Waschraum,
2 Sammlungszimmer, sowie die Lehrertoiletten. Auf der Höhe des Turn-
hofes, rd. 1,80 m tiefer als das Erdgeschoß, liegt an besonderer Vorhalle
die Turnhalle mit Geräteraum und besonderem Eingang von der Straße,
sowie die Schulaborte. Die Turnhalle wird gleichzeitig als Aula benutzt und
erfährt zu diesem Zwecke eine Ergänzung und Erweiterung durch den Ge-
sangsaal, welcher sich 1,20 m über der Turnhalle bühnenartig erhebt. Im
I. Obergeschoß sind 4 Gymnasialklassen, die Lehrer- und die Direktor-
zimmer untergebracht; im II. Obergeschoß hegen 2 Gymnasialklassen, die
Kombinationsklasse, das physikalische Auditorium mit zugehörigen Neben-
räumen und die Bibliothek. Im Untergeschoß befinden sich die aus 3 Zimmern
und Küche bestehende Schuldienerwohnung, sowie die erforderlichen Räume
für die Heizung und die Brennmaterialien. Das Wohngebäude des Direk-
tors enthält in 2 Geschossen um eine Diele gruppiert 8 Zimmer, Küche,
Bad, sowie die erforderlichen
Keller- und Dachräume. Die
Abmessungen der Schulräume
sind durchweg reichlich und
entsprechen ganz den heuti-
gen Anforderungen. Die Breite
der Klassen beträgt 6,20 m,
ihre Länge je nach Anzahl der
Schüler bis 8,20 m; die Flure
und Treppen haben 2,90 m
Breite erhalten; die lichte
Höhe der Zimmer beträgt 4 m.

Die Turnhalle hat 245 qm,
der Gesangsaal 80 qm Fläche;
beide zusammen geben Raum
für 650 Sitzplätze.

Die Konstruktion des Ge-
bäudes ist allenthalben feuer-
sicher und massiv. Auf sorgfältiger Fundierung errichtet und gegen Erdfeuchtig-
keit isoliert, erheben sich die Wände aus gebrannten Ziegelsteinen teilweise
mit den ortsüblichen Bruchsteinen versetzt und verblendet bis zum Dach. Die
Decken sind als verankerte Trägerdecken mit dazwischenliegenden Zement-
betonkappen ausgebildet, Gewölbe und Treppen sind in Monierbauweise
hergestellt. Die Fußböden der Flure bestehen aus Mosaikplatten, diejenigen
der übrigen Räume aus buchenen Riemenböden, zum Teil aus Terrazzo;
für die Treppen ist Kunstgranitbelag gewählt. Die Wände der Klassen
sind verputzt und in mehrfarbigen Leimfarben — Spritzanstrich — getönt.
Eine gleiche, etwas reichere Ausstattung haben auch die übrigen Räume
erhalten. Die Flure und Treppen haben Ölfarbensockel, darüber ist weißer
Anstrich, bezw. Quaderputz angeordnet. Eine besondere Hervorhebung
haben die gewölbten Hallen durch eine einfarbige Bemalung ihrer Gewölbe
erfahren. Große Sorgfalt wurde der Turnhallen-Aula und dem Gesang-
saal zugewendet. Das Dach bildet bei diesen Räumen gleichzeitig die
Decke, welche aus Schalbrettern hergestellt ist. Dieser an sich primitiven
Ausführung ist ein kräftiger, mehrfarbiger Anstrich zu teil geworden, der
in Verbindung mit den dunklen Wandpaneelen und den bemalten Wänden
eine große Wirkung hervorbringt. Die Fenster sind in einfarbiger Kathe-
dralvergiasung mit bunten Um-
rahmungen in die Wirkung der
Halle eingestimmt. Die Dächer
des Hauses sind mit holländi-
schen roten Pfannen gedeckt und
teilweise mit Verschieferungen
durchsetzt. Das Schulhaus hat
eine Niederdruckdampfheizung
erhalten, die mit einer Ventila-
tionsluftheizung kombiniert ist.

Das Direktorwohnhaus ist mit
besonderer Warmwasserheizung
versehen.

Zur Verwendung gelangten
Pfälzer Sandsteine, Basaltlava,
grüner Dolomit und Tuffstein;
an den Hinterfronten wurden die
echten Materialien teilweise durch
Kunststeine ersetzt.

i GERfllt

2./DLA UND rURriMAuE
3 CES/VmflSS
9 KLASSEN
SZETCNENSAAL
fc.WASCHRAUNl.

7. LEHRER-ABORT

8 SAMMLUNGSRflUME

9 ERWEITERUNG

10 WOINZil'YYtR

iiKtot.

12 SPEISEZIMMER

13 SALON

19 EMPFANGSZIMMER
15.WUSQ ARTEN
liXiNOANG EUR TURNUEREiNE

17. SCnillERBRUrtlEN

18. ABORTE

LfiURENTiUSWE.ti

Gymnasium zu Steele.

Architekt: O. Müller-Jena, B.D. A. in Köln.

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