Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 56
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 7

Villa des Herrn Simpang in Dordrecht. Architekt: Ed. Cuypers in Amsterdam.

Tafel 52. Landhaus des Herrn Backhausen in Dörentrup
(Lippe). Architekt: Gustav Meßmann in Lage.

Das Haus liegt an einem sanft abfallenden Hange vor einem Hoch-
walde. Die Außenansichten sind hergestellt aus Muschelkalk-Bruchstein,
Sandstein und hellem Rauhputz; das Holzwerk aus Eiche und Yellow-pine.
Die braunen Holzflächen sind reichlich mit ornamentaler Malerei ver-
sehen, die in ihren leuchtenden, ungebrochenen Farben zusammen mit
dem tiefen Schatten des weit überhangenden Daches interessante Wirkun-
gen hervorbringt. Die das Landhaus umgebenden Rasenflächen sind von
einigen alten Eichen bestanden, die mit ihren breiten Kronen dem ganzen
Bilde einen schönen Rahmen geben. Das Innere des Hauses ist in allen
Teilen auf den Ton der Gemütlichkeit gestimmt. Das Dachgeschoß enthält
3 Schlaf- und Gastzimmer und einige Dachkammern. Die Baukosten be-
trugen etwa 20000 Mk.

Tafel 53 u. 54. Geschäftshaus der Württembergischen
Metallwarenfabrik in Stuttgart. Fassaden an der Königstraße
und Schmalen Straße. Architekten: Eitel & Steigleder in
Stuttgart.

Der Neubau dient ausschließlich Geschäftszwecken und enthält keine
Wohnungen. Der Laden im Erdgeschoß wird von der Württembergischen
Metallwarenfabrik für ihre eigenen Zwecke benutzt, alle übrigen Räume
werden vermietet. Mit der Innenausstattung ist allen modernen Anforde-
rungen Rechnung getragen.

Eine Haupt- und eine Nebentreppe, sowie 2 Aufzüge dienen dem
Verkehr im Innern. Mittels einer Vakuumanlage erfolgt die Reinigung des
ganzen Gebäudes. In sämtlichen Stockwerken befinden sich Wasserklosette.

Mit dem Bau wurde am 15. September 1906 begonnen. Die Gründung
war durch den alten Hirschgraben, sowie durch die vorhandenen gemein-
schaftlichen Grundmauern der Nachbargebäude wesentlich erschwert. Sämt-
liche Fundamente sind auf
guten Grund getrieben; es
wurde von künstlicher Fun-
dierung Abstand genom-
men. Säulen und Decken
bestehen bis zum Erdge-
schoß aus Eisenbeton, von
hier ab bis unter Dach aus
Eisenkonstruktion. Zwi-
schen den eisernen Ge-
bälkträgern wurden teils
Könensche Plandecken,
teils Försterdecken ange-
wendet. Zu den Fassaden
wurden nur Natursteine
verwendet. Die Fassade an
der Königstraße besteht aus
Rothenburger(Tauber) Mu-
schelkalkstein einschließ-
lich der Figuren und Bild-
hauerarbeiten, die Fassade
an der Schmalen Straße
aus Klingenmünstersand-
stein.

Die Haupttreppe ist
aus Eisenbeton mit Mar-
morstufen und Marmor-
wandbekleidung herge-
stellt und erhält echtes
Bronzegeländer. Die Ne-
bentreppe besteht aus Gra-
nit. In sämtlichen Ge-
schäftsräumen vom Erd-
geschoß an sind Linoleum-
böden vorgesehen. Die
Heizung ist Zentralnieder-
druckdampfheizung.

Tafel 55. Villa des Herrn Simpang in Dordrecht. Architekt:
Ed. Cuypers in Amsterdam.

Das Haus steht in günstigster Lage an der Ecke des Burgemeester-
de-Raut-Singels und der Bahnhofstraße, von der Straße durch eine Gracht
getrennt. Eine in bayrischem Granit ausgeführte Brücke mit schmied-
eisernem Geländer an der Nordwestecke des Grundstückes mündet auf den
breiten Hauptweg, der an der Nordfront des Hauses vorüber geradeaus
zur Automobilremise am andern Ende des Grundstückes führt. Die freie
Lage gestattete völlig ungezwungene Entwicklung des Grundrisses und
Unterbringung der Wirtschafts- und Dienerschaftsräume in einem Anbau
an der Nordfront. Vom Norden aus führt der Eingang (1) durch einen
Flur (2) mit Garderobe (3) in die durch die ganze Tiefe und Höhe
des Gebäudes reichende Halle (4). Neben dieser liegen Eßsaal (5)
mit Veranda (6), Salon (7), Herrenzimmer (9) und Damenzimmer (10),
letztere durch einen Erkerausbau (8) verbunden. Im Obergeschoß liegen um
die Halle (1) herum das Schlafzimmer der Frau (2) mit Garderobe (3) und
Bad (4), das Schlafzimmer des Herrn (6) mit Garderobe (7), Bad (8) und
zwei Fremdenzimmer (5 und 9). Nach allen Seiten sind auf den Erker-
ausbauten des Erdgeschosses Baikone angelegt. Im Anbau liegen, durch
besondern Eingang (11) zugänglich, Küche (12), Spiilküche (13), Vorrats-
kammer (15) und Anrichte (14). Das Äußere macht mit seinem roten
Ziegelmauerwerk über grauem Steinsockel, dem hellen Holzwerk mit
weißen Putzfeldern und dem roten Ziegeldach einen äußerst lebendigen
und anziehend-freundlichen Eindruck.

Tafel 56. Kirche in Unterriexingen. Architekt: Bruno
Taut in Stuttgart. (Siehe auch »Arch. Rundschau« 1907, Heft 10, Beilage 2.)

Villa des Herrn Simpang in Dordrecht. Architekt: Ed. Cuypers in Amsterdam.

Diele.

Villa des Herrn Simpang in Dordrecht.
Architekt: Ed. Cuypers in Amsterdam.

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