Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 82
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 11

Lageplan der Ausstellung »München 1908«.

bildete eine ehrenvolle Ausnahme und im Gebäude der Wiener
Sezession war — allem Geschimpf darüber zum Trotz — doch
etwas andres ausgedrückt als die gewohnte abgedroschene
Ausstellungsmache. — Schreiber dieser Zeilen schlug in der
Zeit, da die Ideen zu einer für 1904 geplanten »Allgemeinen
Kunstgewerbeausstellung zu München« (sie ist an der Eng-
herzigkeit tonangebender Stellen gescheitert) in der Luft lagen,
die Errichtung eines ständigen Ausstellungsgebäudes in ge-
eigneter Anlage und Einrichtung vor statt der Ausführung der
Einbauten, die im Glaspalast hätten gemacht werden müssen.
Er wurde darüber belehrt, daß das untunlich sei und die
Unterbringung des in Aussicht genommenen Werkes sich weit
besser im Rahmen eines bestehenden Gebäudes vollziehe.
Für die Einbauten wurde damals meines Erinnerns ein Kosten-

voranschlag im Betrage von etwa 400000 Mk. aufgestellt. Sie
kamen nicht zusammen, diese Viermalhunderttausend Märklein.
Offenbar waren die Ansichten darüber noch nicht geklärt, daß
für München, verharrte es in der bisherigen Untätigkeit, außer-
ordentlich viel auf dem Spiele stand. Heute liegt der Fall
etwas anders. Draußen auf der Theresienhöhe, den reizenden
Park hinter der Bavaria und Ruhmeshalle im weiten Halbkreis
umschließend, erheben sich massive Gebäude in imponierender
Aufeinanderfolge, deren Herstellung samt allem, was drum und
dran hängt, so etwas wie zwölf Millionen Mark gekostet hat.
Das ist in Zeiten eines allgemeinen geschäftlichen Niedergangs
ein kühnes Werk, bei dem offenbar die rechnerische Seite der
Sache weit weniger in Betracht kam als die ideelle. München
hat sich darauf besonnen, was es sich selbst schuldig ist, und

Ausstellungshalle I.

Architekt: Bauamtmann Wilhelm Bertsch in München.
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