Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 88
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 11

1. Ziegelwerk Höfer & Cie.

2. Schwäbisches Sommer- und Ferienhaus.

3. Arbeiterwohnhaus Junghans.

4. Weinhaus am See.

5. biologische Kläranlage.

6. Sommerhaus (Stahl & Bossert).

7. Kegelstube.

8. Württemb. Baugewerksberufsgenossenschaft.

9. Pavillon Stotz-Ruppmann.

10. Haus zum Brunnen.

11. Tektonhaus.

12. Gewerbevereinshaus.

13. Gewerbehalle.

14. Eisenbetonhalle von Rek.

15. Bahnsteighalle von O. Böhmler.

16. Sonderhaus Hennings.

J7. Eisenbetonhalle von Wayß & Freytag. A G.

18. Pavillon von W. Burck.

19. Schulpavillon.

20. Haus der Stuttgarter Möbelfabrikanten.

21. Architektonischer Garten.

22. Arbeiterhaus der Württemb. Cattun man u-
factur Heidenheim.

23. Maschinen und Nutzhölzer.

24. Deutsche Bacula-Industrie.

25. Arbeiterwohnhaus Ulrich Gminder.

26. Gemeindehaus.

27. Pavillon E. Retter.

28. Duroplattenwerk.

Bauausstellung in Stuttgart 1908.

ine Kunst, die über den Selbstzweck hinaus ihre Kul-
turaufgabe erfüllen soll, muß Wurzel schlagen im Volk,
muß das allgemeine Empfinden und Verstehen durch-
dringen, bis sie wiederum von ihm getragen und genährt wird.
Nicht das Hervorbringen immer neuer blendender Einzelkunst-
werke, die wie kostbare Treibhausblüten jederzeit - nur zu
oft mit erheblicher Kräftevergeudung — für einen kleinen Kreis
Bevorzugter gezeitigt werden, erst ein gesundes Wachstum
bodenständigen Schaffens, an dessen ausgereiften Früchten alle
teilhaben, berechtigt dazu, von einer künstlerischen Kultur, von
einer Blütezeit der Kunst zu reden, auf deren Wiederkehr wir
ja alle hoffen.

Wie weit wir heute noch von einer solchen künstlerischen
Durchdringung unsres ganzen privaten und öffentlichen Lebens
entfernt sind, wie sehr es noch an natürlichem Empfinden,
an einem sicheren künstlerischen Takt fehlt, der das an der
gegebenen Stelle Schickliche höher schätzt als eine über den
Rahmen hinausgehende staunenerregende Kunstleistung, das
braucht hier nicht weiter ausgesponnen zu werden.

So selbstverständlich überzeugend auch die künstlerischen
Erfolge der letzten Jahre erscheinen mögen, ihre erzieherische
und fruchtbringende Wirkung auf Stadt und Land wird doch
stark gehemmt durch das Fehlen einer einheitlichen, auf Über-
lieferung und eigene Reife gestützten Kultur.

Diese Hindernisse zu beseitigen, Verständnis und Auf-
nahmefähigkeit in allen Schichten des Volkes zu fördern und
so allmählich auch die Mitarbeit weitester Kreise im kleinen
und scheinbar unbedeutenden zu gewinnen, ist deshalb weit
notwendiger und erfolgversprechender, als daß halbjährlich so
und so viele Dutzend neue Gedankenblitze ohne nachhaltigen
Erfolg aufleuchten.

Daß eine gut vorbereitete Ausstellung bei verständnisvoller
Durchführung zur Erreichung dieses Zieles wesentlich bei-
tragen kann, steht außer Zweifel. Die Verwirklichung des

Gedankens durch die von der Kgl. Zentralstelle für Handel und
Gewerbe unter Leitung der Beratungsstelle für das Baugewerbe
veranstaltete Württembergische Bauausstellung in Stutt-
gart ist daher als höchst zeitgemäße und zielbewußte Nutz-
barmachung des Ausstellungsbedürfnisses zu begrüßen.

In der Erkenntnis, daß die von den führenden Architekten
und Künstlern gegebenen Anregungen und vorbildlichen Neu-
schöpfungen nur langsam Gemeingut werden, daß es vor
allem viel Zeit braucht, bis sie durch die Schulen auf die
Masse der Baugewerbetreibenden einwirken, deren Tätigkeit
den Landstädten und Dörfern das Gepräge gibt, und daß
infolgedessen noch viele wertvolle alte Stadt- und Dorfbilder
der bisherigen Verständnislosigkeit zum Opfer fallen müßten,
ist — um diesen Entwicklungsprozeß zu beschleunigen — vor
etwa 21/» Jahren für Württemberg die unter Leitung des Bau-
gewerkschuldirektors Prof. P. Schmohl stehende »Beratungs-
stelle für das Baugewerbe« begründet worden. Sie soll die Ange-
hörigen aller Zweige des Baugewerbes in umfassendster Weise
mit sachverständigem Rat, durch Überarbeitung ihrer Entwürfe,
wie durch Lieferung von vorbildlichen Zeichnungen unter-
stützen und ihnen so in geeigneter Form die künstlerischen
wie technischen Fortschritte vermitteln, die zahlreiche Bau-
gewerbetreibende aus eigener Kraft beim besten Willen nicht
zu verfolgen und zu verarbeiten vermögen.

Dieser Aufgabe entsprechend sollte auch die Bauausstel-
lung nicht wie andre gleichzeitige Ausstellungen vollständig
neue Werte schaffen, sondern sich im wesentlichen darauf
beschränken, abgeklärte, gesunde, in der Praxis bewährte
Formen und Konstruktionen zu zeigen, um die fortlaufende
Einzelarbeit der Beratungsstelle durch eine zusammenfassende
Schaustellung nachdrücklicher vor Augen zu führen und ihre
Einwirkung auf die allgemeine Geschmacksbildung zu ver-
stärken.

Daraus ergab sich eigentlich ganz von selbst die weitere

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