Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

Seite: 95
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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 11

des aus der Mitte der Architekten gewählten Prüfungsaus-
schusses den trefflichen Gesamteindruck nur gesteigert. Für
den Fachmann mag die Vergleichung des Verschiedenwertigen
vielleicht von besonderem kritischen und historischen Interesse
sein, insofern er die Grenzen selbst zu ziehen vermag. Auf
die Bauhandwerker und Laien aber, zu deren Aufklärung und
Geschmacksbildung ja die Bauaussteilung vor allem bestimmt
ist, kann diese für sie nicht erkennbare Verschwommenheit des
Bildes der Architekturausstellung leicht irreführend wirken. Es
ist hundert gegen eins zu wetten, daß gerade mit Motiven
überladene Fehlbauten mehr verderben, als mustergültige bessern
können. Deshalb hätten wir dem hocherfreulichen Bestreben,
das im Ausstellungsprogramm zum Ausdruck gebracht ist, auch
hier eine schärfere, zielbewußte Durchführung gewünscht. Oder
sollten die Entscheidungen des Ausschusses in manchen Fällen
unbeachtet geblieben oder umgangen worden sein?

Bei dem Flaus der Stuttgarter Möbelfabrikanten (S.93)
hat Direktor P. Schmohl in erfreulicher Weise verstanden,
ohne monumentalen Aufwand dem Platz und dem Zweck in
ansprechender Weise gerecht zu werden. Die für die Unter-
bringung der Zimmerausstattungen erforderlichen Räume sind,
wie der Grundriß zeigt, in zwei Reihen angeordnet; in ihrer
Mitte ist ein Ehrenhof angelegt, der nach außen in dem großen
Fenstermotiv des Mittelbaues zum Ausdruck kommt. Die von
den verschiedenartigen Einrichtungen bedingte Ungleichheit der
Fensteröffnungen ist durch die vorgelegte Pergola geschickt ver-
deckt. Die Brunnenpartie vor dem Mittelgiebel, aus der das Stand-
bild der Schönheit aufsteigt, ist aus Haustein, die Halle selbst
als Putzbau ausgeführt. Zwei Eingänge führen seitlich in den
Ehrenhof (S. 93), in dem ein Standbild der Pallas Athene
(Württemb. Metallwarenfabrik Geislingen) auf Marmorsockel steht.

Von den in der Erfindung wie in der Ausführung recht

bemerkenswerten Leistungen in der Ausstattung der Räume
geben unsre Abbildungen anschauliche Belege.

Im Empfangszimmer von Friedrich Mayer (Tafel 88) sind
Möbel und Türbekleidungen aus deutschem Nußbaumholz mit
Intarsien und geschnitzten vergoldeten Stäben hergestellt, Be-
hänge und Wandbespannung aus Wollgobelin mit Seide. Die
Speisezimmereinrichtung von Fröhling & Lippmann
(S. 96) ist in Eichenholz ausgeführt. In dem modernen Emp-
fangsraum von Brauer & Wirth (S. 94) ist das Mobiliar
aus naturfarbigem polierten Birkenholz mit abgetönter Ver-
goldung, die Decke aus poliertem Birkenholz mit Malerei ge-
fertigt. Die Wände sind mit grauem Moirestoff bespannt, die
Sitzmöbel mit roter Seide und das Sofa am Kamin mit grauem
Mohairvelour. Das Bibliothekzimmer von Georg Schöttle
(S. 95) ist in Eichenholz ausgeführt, das Wohnzimmer
von Eugen Buschle (Tafel 88) in kaukasischem Nußbaum mit
j Bronzestäben. Eine reiche Zusammenstellung kostbarer Hölzer
zeigt das vornehme Speisezimmer der Gebrüder Weber:
poliertes Makassar-Ebenholz mit Platanen- und Ulmenmaser-
flächen an Möbeln und Paneelen, dazu eingelegte Rosenholz-
streifen und Marketerien. Sessel und Stühle sind mit Antik-
leder (!), die Ecksofas mit Seidenmoquette bezogen.

□ □ □

Fassen wir alles zusammen, so ergibt sich ein reichhaltiges
Bild tüchtiger künstlerischer wie technischer Leistungen, das
erfolgreiches Fortschreiten auf der eingeschlagenen Bahn ge-
währleistet und auf das Stuttgart mit Recht stolz sein darf, wie
es ihm auch zur besonderen Ehre gereicht, daß seine Ausstellung
nicht nur keinen Vergnügungspark, sondern auch keine Lotterie
und keine Preisverteilung hat und wirklich zur Eröffnung fertig
war, während andre noch früher eröffnete unvollkommene
Bilder langsamen Werdens zeigten. C. Zetzsche.

Bibliothekzimmer. Ausgeführt von Georg Schöttle in Stuttgart.

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